Zweite Heimat im Essinger „Bären“

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Keine zimperlichen Portionen: Juniorchef Philipp Meyer bekocht die Gäste im Essinger „Bären“.
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Wer über die Schwelle des Essinger „Gasthauses zum Bären“ tritt, wird automatisch Teil einer rund 400-jährigen Wirtshausgeschichte. Erste Anlaufstelle für viele Stammtische.

Essingen

Das ist der erste Eindruck: Als würden gerade mehrere hundert Wirtshausjahre im Zeitraffer an einem vorbeiziehen: Urtümlich. Deftig. Bodenständig. Herzhaft. Gesellig. Wer über die Schwelle des Essinger „Bären“ - mit vollem Namen: „Gasthaus zum Bären“ - in der Bahnhofstraße 2 tritt, wird automatisch Teil einer fast 400-jährigen oder auch noch älteren Wirtshausgeschichte.

„Eigentlich gehören wir schon zum Essinger Inventar“, stellt Juniorchef Philipp Meyer (29) fest. Ein Blick in die Annalen bestätigt: Das Bärenwirtshaus zählt zusammen mit dem früheren, längst abgerissenen „Blümle“ zu den ersten Wirtschaften, die nach Ende des 30-jährigen Kriegs ab 1648 in der Remsgemeinde wieder betrieben wurden. Heute wiederum ist der „Bären“ neben dem Gasthaus zur Rose eine der beiden letzten noch bewirtschafteten Lokale im Ort. Und erste Anlaufstelle für eingesessene Essinger, für viele Stammtische - für die Kartler, für Kegler, für örtliche Vereine, für Polizisten (bis zu Corona) und viele mehr.

„Die sagen oft zu mir: Hoffentlich machst Du's noch lang“, erzählt Seniorchef Werner Meyer (73), dessen Urgroßvater Philipp Gottfried Meyer, Wirt des Essinger „Löwen“, 1877 den „Bären“ gekauft hat. Bis heute findet man im „Bären“ immer jemand zum Schwätzen. „Wer zu uns kommt, der sucht vor allem eine gesellige Wirtschaft, in der es auch mal laut zugeht und jeder sagen darf, was er denkt.“

Hausgemachte Wurst

Aber die Gäste kommen freilich vor allem und besonders auch wegen der hausgemachten Wurst und wegen des selbst gebrannten Schnapses. Das Brennrecht ist von Generation zu Generation überliefert worden. „Heute brennen wir aber nur noch kleinere Mengen, die wir in der Wirtschaft ausschenken“, erzählt Werner Meyer - Wirt, Metzger und Schnapsbrenner in einer Person. Neben der Brennerei ist bis heute auch das Schlachten sein Metier; das Zerkleinern und feine Zerteilen des vom Schlachthaus angelieferten Fleischs. Die Wurst wird im „Bären“ immer noch selbst und von Hand gemacht.

Die Wundertüte

Blutwurst, Leberwurst, jegliche Formen von Schwartenmagen, gerauchte Bratwürste und mehr landen im Bären nicht nur auf dem Teller. "Sondern die kann man bei uns auch zum Mitnehmen kaufen“, schaltet sich die Seniorchefin Beate Meyer ein. Sie ist zuständig für die Zusammenstellung der Bären eigenen „Wundertüte“ mit mindestens 600 Gramm Wurst „von allem“, zu 5 Euro. Die gibt's immer dienstags bis „zur späten Nachtzeit“. Wie beliebt sie ist, zeigt ihr reißender Absatz. „Den Inhalt kann man nicht bestellen. Es gibt, was gerade da ist und so viel, wie gerade das Messer fällt“, ergänzt die Seniorchefin.

Bis vor Corona pilgerten alle zwei Wochen donnerstags Schlachtplatten-Liebhaber aus dem gesamten Umkreis in den „Bären“. Aufgetischt wurden die allseits bekannten schmackhaft-deftigen Kalorienlieferanten wie frische Blut- und Leberwürste, Bratwürste oder Kesselfleisch mit Kraut. Alle 14 Tage hat der Seniorchef damals extra zwei Schweine verarbeitet. „Altersmäßig geht das heute nicht mehr“, sagt Werner Meyer.

Einer der Stammgäste, für den der „Bären“ ein „ganz wichtiges Haus ist“ ist Hartmut Ilzhöfer (78). Als Bub habe er hier schon für seinen Vater Bier im offenen Krug geholt und auf dem Nachhauseweg immer ein paar Schluck davon genommen, um nichts zu verschütten. Und auch sein erstes Bier hat er hier getrunken, vor rund 60 Jahren. „Im Lädele, eine Art Straßenverkauf von der Theke aus.“ Auch für seinen Stammtischbruder Werner Boncium (75) ist der „Bären“ zweite Heimat, so lange er zurückdenken kann. „Ich schätze hier Tradition und Gastlichkeit mit den gut bürgerlichen Speisen wie Pfannenschnitzel, die guten Braten, Kutteln und sonntags den leckeren Rostbraten.“

Gut zu wissen: Die Beilagen sind frei wählbar

Die Wochenkarte mit sechs Gerichten wird wöchentlich neu zusammengestellt. Ein Tagesessen zu 8,50 Euro gibt es montags, dienstags, donnerstags und freitags. Die Beilagen: Der Gast kann immer wählen zwischen Spätzle, Pommes Frites, Kroketten, Nudeln und Knödeln. Der Renner: Pfannenschnitzel mit Beilage und Salat zu 12,90 Euro.Das Schmankerl: Rouladen mit Beilage und Salat zu 13,50 EuroDas günstigste Gericht: meist ein vegetarisches Essen, beispielsweise gebratene Rote Beete Taler mit Beilage und Salat zu 8,50 EuroDas teuerste Gericht: immer sonntags der Zwiebelrostbraten (250 Gramm) mit Beilage und Salat zu 20 Euro.Sitzplätze: 50 in der Wirtschaft, 20 im Nebenzimmer und bis zu 30 auf der Terrasse.Öffnungszeiten: außer mittwochs täglich von 10 bis 14 Uhr und ab 17 Uhr.

Im Essinger "Bären" kommen nur Würste in die Pfanne, die hausgemacht sind.
Auch Currywurst mit Pommes steht auf der Speisekarte.
Stammtischrunde im Essinger „Bären“, v.l: Hartmut Ilzhöfer, Werner Boncium, Werner Fiedler, Walter Beßler, Seniorchefin Beate Meyer, Marita Ilzhöfer und Seniorchef Werner Meyer. Fotos: hag
Seniorchef Werner Meyer schiebt eine Kugel auf der hauseigenen Kegelbahn.
Die Wände im Nebenzimmer zieren etliche Urkunden
Lecker: Sauerbraten mit Knödeln und Kürbis.
Das Pfannenschnitzel, in Butterschmalz gebraten, ist der Renner.
Zu allen Gerichten gibt es einen Beilagensalat.
Stammtischrunde im Essinger „Bären“. Foto: HAG
Die alte Kegelbahn ist noch gut in Schuss.
Rund 20 Sitzplätze bietet das Nebenzimmer.
Seniorchefin Beate Meyer serviert ein Bier aus dem "Lädele".

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