Anselm Grün in Neresheim: Sorge für andere braucht Sorge für sich selbst

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Anselm Grün signiert seine Bücher nach dem Vortrag in der Härtsfeldhalle
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Pater Anselm Grün mit Reflektionen und Meditation zu Gast in der Härtsfeldhalle.

Neresheim. Der Benediktiner-Mönch Pater Anselm Grün ist ein gern gesehener Gast auf der Ostalb. Am Freitag war er in Neresheim mit einer Reflektionen und gutem Rat zum Thema „Sorgen für sich und andere“. Der Panorama-Saal der Härtsfeldhalle war reichlich besucht, ein Büchertisch mit Werken von Anselm Grün wurde gut genutzt. Grün signierte nach seinem einstündigen Vortrag.

Systematisch sortierte Grün die Aspekte des Sorgens für andere. Respekt dem zu Versorgenden gegenüber sei nötig und die Bereitschaft, dessen tatsächlichen Bedürfnisse zu erkennen, und ihm/ihr nicht eigene Ideen oder gar Interessen aufzudrängen. Man solle mit dem Sorgebedürftigen nicht sein eigenes Programm abspulen. Die konkrete Sorge (wird das gutgehen?) dem flügge werdenden Kind nicht aufdrängen, sondern loslassen und die ängstliche Besorgnis als das eigene Problem annehmen und verarbeiten.

Wer für einen Menschen sorge, für alte Eltern und jugendliche Kinder, für Menschen in Krisen, übernehme Verantwortung – auch für sich selbst. Grade in einer belastenden Situation solle man auf die eigenen Gefühle hören, um für sich selber sorgen zu können. Wir sind „nicht Gott, der immer geben kann“, so Anselm Grün, es gelte sich abzugrenzen: „Ein gutes Nein verletzt niemanden,“ rät er denen, die von vielen Seiten überfordert zu werden drohen. Sorgen für andere brauche den Gegenpol der Sorge für sich selbst. Diese Selbstfürsorge sei kein Egoismus.

Was zu tun sei, wenn das Leben und die uns Anvertrauten uns zu überfordern drohen, führte Grün konkret aus: Achtsamkeit etwa sei gut, schütze vor Vernachlässigung der eigenen Person und vor Verwahrlosung. „Seien Sie so achtsam zu Ihrem Körper, dass die Seele gerne darin wohnt“.

Er habe viele Menschen gesehen und gesprochen, die ihr Leben lang in schwierigsten sozialen Situationen gelebt und gelitten hätten, in Beruf, Familie, in Freundschaften. Oft seien solche Menschen in einer Opferrolle: „Da muss man raus“, fordert der Therapeut. Man müsse am eigenen Selbstwertgefühl arbeiten und zugleich aufhören, immer die Schuld an der Misere anderen zuzuschreiben, sondern Verantwortung für das eigene Leben übernehmen. Dem selbstherrlich-schwachen Chef das Mitspielen als unterwürfiges Opfer verweigern, den Kontrollfragen des/der Lebenspartner/in („Wie war dein Tag“) aus dem Weg gehen, sich eine eigene Sphäre schaffen, um die allfälligen Verletzungen nicht in sich eindringen zu lassen.

Anselm Grün legt nahe, das „göttliche Kind“ in uns wirken zu lassen, uns von ihm helfen zu lassen zur Erkenntnis, dass das „nicht genügende Kind“ und dessen Traumatisierungen in der Kindheit oder später in den Hintergrund gerückt werden, dass Gottvertrauen die Opferhaltung ablöst.

Grün bittet die Gemeinde aufzustehen und führt eine rituelle Mediation durch: „Ich bin frei. Ich bin heil und ganz ich selbst, ursprünglich und authentisch. Ich bin ohne Selbstvorwürfe. Ich bin eins mit den Menschen meiner Umgebung, mit der Natur, ich bin eins mit Gott.“

Am Ende seines Vortrages der Segen: „Herr, kehre ein in dieses Haus und lass deine heiligen Engel hier wohnen. Sie mögen uns behüten, damit wir in Frieden ruhen.“

Pater Anselm Grün auf der Bühne der Härtsfeldhalle

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