Bankautomat, Bandenkriminalität und ein Bopfinger Unternehmen

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Günther Steininger steht vor seiner Anti-Sprengstoff-Idee. Auf der weißen Tafel ist oben ein Gasdetektor angebracht. Das kleine schwarze Röhrchen links enthält ein Druckventil und löst ein Gegengas aus, damit es zu keiner Sprengung kommt. Der etwas größe
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Günther Steininger entwickelte Schutzvorrichtung gegen Geldautomaten-Sprengung. Die Hollandbande und der Überfall in Ebnat.

Ebnat/Bopfingen.

Günther Steininger (68) steht in einem Raum voller Tresore, Schließfächer und Elektronikteile. Mit Tresoren und Bankautomaten kennt er sich aus, berufsbedingt. Er entwickelt Elektroteile für Sicherheitsmechanismen. Die Bankautomaten-Sprengungen der vergangenen Tage, unter anderem in Aalen-Ebnat, verfolgt er alle. „Viele hätten nicht geschehen müssen“, sagt er.

Der frühere Geschäftsführer von Tesk Elektronik hält ein handelsübliches Gasfeuerzeug unter einen Detektor ähnlich eines Rauchmelders. Es gibt keine Flamme. Nur das Gas strömt aus dem kleinen Feuerzeug aus. Sekundenspäter wird es laut. Ein weiteres Gas, Argon, strömt mit Hochdruck aus einem Ventil aus. Zeitgleich wurde ein Alarm ausgelöst. Das alles kann Steininger in seinem Geschäft an der Bergstraße in Bopfingen simulieren. „Vor allem osteuropäische Banden arbeiten bei Automatensprengungen mit Gas“, sagt Steininger. Das handelsübliche Campinggas (Butan/Propan) gibt es mittlerweile an Automaten. Dieses Gas führen die Verbrecher in einen Geldautomaten ein, oft durch den Geldkartenschlitz und führen dann mittels Zündschnur eine Explosion herbei. Steiningers Lösung klingt im nach hinein simpel. Spezielle Sensoren erkennen das einströmende Gas und lösen eine Reihe von Aktionen aus. Unter anderem wird sofort ein Gegengas (Argon/Corgon) mit Hochdruck freigesetzt. Das Gegengas presst das einströmende Gas nach außen und verhindert so, dass ein zündfähiges Gemisch entstehen kann. An diesen Mechanismus gekoppelt werden kann etwa eine Alarmanlage und eine automatische Türverriegelung. „Es kommt zu keiner Sprengung und damit zu keinen Schäden an Gebäuden und im schlimmsten Fall an Menschen.“

Osteuropäer bevorzugen Gas als Sprengmittel

Vor 18 Jahren bereits hatte Steininger diese Idee entwickelt. Verkauft hat er damals exakt 0 Bausätze – „keinen einzigen“. Da er keinen Vertrieb hat, sondern meist mit Bankeinrichtern verhandelt, war das Interesse nicht allzu groß. „Bankeinrichter verkaufen gerne neue Geräte, bei meinem Bausatz geht kein Bankautomat kaputt. Er muss lediglich gewartet werden“, sagt er.

Inzwischen sind aber nach Informationen der Schwäbischen Post einige Bankautomaten mit entsprechender Technik ausgerüstet. Auch der Geldautomat der Kreissparkasse in Ebnat soll einen solchen Antigas-Mechanismus gehabt haben. In Ebnat, so heißt es, hätten die Täter wohl mit Festsprengstoff hantiert. „Das würde auf die Holland-Bande hinweisen“, sagt Steininger. Bei der Holland-Bande handelt sich um Gruppen aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität, die vorwiegend Festsprengstoff verwendet. Erst Ende September konnten Ermittler aus Niedersachsen und den Niederlanden einen Teil der Bande hochnehmen. Aufgefallen waren sie, weil sie Bankautomaten gekauft hatten. In einem Lager in den Niederlanden übten sie gezielt Sprengungen. Ein Bandenmitglied soll sich dabei selbst in die Luft gesprengt haben.

Parallelen zur Hollandbande

Es gibt durchaus Parallelen zum Fall in Ebnat. Die Täter haben eine Vorliebe für hochmotorisierte Autos der Marke Audi. Ein schwarzer Audi wurde in Ebnat gesehen, die Polizei stufte es als Fluchtfahrzeug ein. Bei den Durchsuchungen in den Niederlanden Ende September fanden die Ermittler neben Sprengutensilien, eine Geldzählmaschine und ein mobiles Blaulicht. Ein mobiles Blaulicht hatten die Täter in Ebnat auch im Auto – und nutzten es.

Die Ermittlungen der Polizei und des Landeskriminalamtes haben noch keine neuen Erkenntnisse gebracht. „Wir können aber sagen, dass in Ebnat kein Gas in den Geldautomaten eingeführt wurde“, so ein Polizeisprecher. Steininger grübelt schon wieder. „Auch für Festsprengstoff gibt es Detektoren“, sagt er. Das Material, das eine Sprengung auslöst, müsse nur erkannt werden. Dann kann der Elektroniker auch geeignete Gegenmaßnahmen bauen. Oder inzwischen sein Neffe. Der hat den Betrieb in Bopfingen übernommen. Aber auch den einstigen Firmenchef lassen solche Denkaufgaben nicht los. Lars Reckermann

Ein Bankautomat in der Filiale der Kreissparkasse in Ebnat wurde in der Nacht auf den 26. November gesprengt.

Aufräumarbeiten in Ebnat

"Die Aufräumarbeiten außen sind komplett abgeschlossen, innen beginnen Sie in der nächsten Woche, nach finaler Klärung der Versicherungsfragen", teilte Sparkassensprecher Holger Kreuttner mit. Die umfangreichen Reparaturarbeiten starten dann direkt im Anschluss. "Wenn die Arbeiten planmäßig vorankommen können wir voraussichtlich bereits ab 1. Februar wieder Kundenberatungen im rückwärtigen Bereich unserer Filiale Ebnat anbieten." Der Zugang erfolgt dann über nicht über den Haupteingang, sondern einen Nebeneingang von der Seestraße her. Wann die Sanierung von Servicebereich und SB-Bereich mit Geldautomaten abgeschlossen ist, steht noch nicht fest. "Das wird leider noch längere Zeit in Anspruch nehmen", sagte Kreuttner.

Mehr zum Thema: Eine Tonne Gewicht und wie es in Ebnat weitergeht

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