Das Geheimnis der Neresheimer Module für Islamabad

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Der Kran und der dreigeschossige Verwaltungstrakt der Botschaft
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Wie die Neresheimer Firma ADK Modulraum einen Auftrag des Auswärtigen Amtes in der pakistanischen Hauptstadt erledigt und was das mit der Botschaft zu tun hat.

Neresheim/Islamabad

Der Auftrag klingt spektakulär und nicht alltäglich: „Die Erweiterung der deutschen Botschaft in Islamabad.“ Aber für die Neresheimer Firma ADK Modulraum ist es nicht das erste Botschaftsgelände, auf dem Raummodule vom Härtsfeld stehen. Nach bereits mehreren erstellten Gebäuden im afghanischen Kabul, erstellen derzeit Mitarbeiter von ADK im pakistanischen Islamabad in zwei Bauabschnitten als Verwaltungsgebäude eine dreigeschossige Kanzlei für Botschafter und Kanzlerin sowie eine Visastelle und ein Technikgebäude  – alles in Modulbauweise. „Mit fast 30 Millionen Umsatz ist das bislang das größte unserer aktuellen Projekte“, sagt Projektleiter Sebastian Schmid.

Begonnen hat das Projekt schon 2015. Damals hat der Auftraggeber, das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung in Bonn, seine Planungen begonnen; den Auftrag hat ADK seit 2019. „Das klingt nach einem langen Zeitraum“, sagt ADK-Projektleiter Sebastian Schmid. Doch solche Vorhaben kennzeichnet ein besonderer Prozess. „Dabei steht die Sicherheit im Mittelpunkt“, betont Schmid und fügt an, dass  ADK der weltweit einzige Hersteller von modularen Gebäuden sei, der eine zertifizierte Beschusssicherheit seiner Gebäude vorweisen kann.

Polizisten mit Diplomatenstatus

Doch auch externe Einflüsse spielen beim Bauzeitenplan eine Rolle. In Islamabad wird die Baustelle von der deutschen Bundespolizei bewacht. „Da braucht jeder dafür nötige Bundespolizist einen Diplomatenstatus, um die Baustelle sichern zu können“, erläutert der Bauexperte. Ein Umstand der Zeit gekostet habe. Ebenso wie die Corona-Pandemie und das damit verbundene Reiseverbot habe die Bauzeit nochmals deutlich verlängert.  

Doch mittlerweile ist schon einiges geschehen. 108 solcher Module, die den notwendigen Sicherheitsauflagen entsprechen, hat das Unternehmen im Neresheimer Gewerbegebiet „Im Riegel“ für Islamabad individuell vorgefertigt. Drei große Lagerhallen – zwischen 17 und 30 Meter breit und zwischen 40 und 65 Meter lang – hat ADK Modulraum im Gewerbegebiet „Riegel“ in Leichtbauweise aufgestellt, um die fertigen Module dann zwischenzulagern, ehe sie auf die lange Reise gingen.

Riesige Transportlogistik

„Im März 2021 habe ich zum ersten Mal die Baustelle gesehen“, erzählt Sebastian Schmid. Dann beginnt die riesige Transportlogistik, während in der – Luftlinie – 5350 Kilometer entfernten pakistanischen Hauptstadt die Fundamente für die Visastelle, das Technikgebäude sowie die Kanzlei entstehen. Die erste Etappe führt per Lkw nach Mannheim und per Binnenschiff nach Antwerpen. Auf einem Hochseeschiff verladen, kommen die Module, deren schwerstes mehr als 43 Tonnen wiegt und dessen Breitestes 4,50 Meter misst, nach insgesamt sechs bis acht Wochen Reisezeit in Karatschi an. „Ich war erstaunt, wie schnell dort die Module den Zoll passiert haben“, erzählt Schmid.

88 Lastwagen, 88 Fahrer

Dann folgt der Landweg: 1400 Kilometer bis Islamabad. 88 Lastwagen und 88 Fahrer, ein zehnköpfiges Montageteam plus 20 Logistiker und „Mitarbeiter für alles“ bilden einen riesigen Tross. Es braucht Genehmigungen, um Polizeistationen zu überwinden, sowie Übersetzer, die alles transparent machen können. Doch die größte Hürde ist die „Diplomatic Enclave“, das eingezäunte und überwachte Botschaftsviertel, in dem sich auch die deutsche Botschaft befindet. „Ohne Genehmigung zur Enklave geht da gar nichts“, sagt Schmid. Da könne man nicht einfach, je nach Bedarf, rein oder raus. Das Arbeiten sei kompliziert. Handys eigentlich nicht erlaubt. „Da schafft man es, maximal sechs bis acht Module pro Tag anzuliefern.“ In Deutschland sei ADK bei gleichem Pensum locker eine Woche schneller. Dank tatkräftiger Unterstützung des Auftraggebers und der Angestellten des Auswärtigen Amtes gelingt aber auch diese Herausforderung nahezu reibungslos.

400-Tonnen-Kran

Und noch eines komme hinzu. Um die 108 Module zu stapeln, brauche es einen 400-Tonnen-Kran. „Einen solchen gibt es nur sehr selten in Pakistan“, stellt Schmid fest und erzählt von „ihrem“, der 25 Jahre alt sei, aus Karatschi komme und nie unter Volllast betrieben werden könne. Auch das kostet Zeit.

Seit Februar sind die eingeschossige Visastelle und das Technikgebäude fertig und mittlerweile durch die Auslandsvertretung in Betrieb genommen. Jetzt arbeiten die Härtsfelder am zweiten Bauabschnitt, dem Verwaltungsgebäude, der Kanzlei. Präzision ist stets gefragt, weshalb fast alles aus Deutschland kommt. Nicht nur beiden hauptverantwortlichen Monteure der Härtsfelder Firma Klaus Strambach und Christoph Mühlberger sowie das gesamte Montageteam. Auch sämtliches Material bringt das ADK-Team in Containern mit. Die pakistanische Qualität entspricht nicht den notwendigen Anforderungen des Auftraggebers. Schließlich müsse alles perfekt sein. Sicher bei Erdbeben ebenso wie gegen Beschuss oder Eindringlinge. Und wenn was fehlt? Dann wird improvisiert. „Wir haben ein super Team, das weiß, wie man die schwierigsten Aufgabe vor Ort löst“, versichert Schmid.

Der Innenausbau läuft. „Wir erledigen alles, bis auf die Dateninstallation“, sagt der Projektleiter. Das liege nicht an ADK. „Da lässt das Auswärtige Amt aus Sicherheitsgründen nur bestimmte Firmen ran.“

Vor Ort werden die einzelnen Module für die Räume der Kanzlei über sogenannte Modulstöße verbunden. „Den Innenausbau haben wir in Neresheim größtenteils erledigt“, so der Projektleiter. Elektriker, Lüftungs- und Kältebauer koppeln die Leitungen, die ebenfalls im „Riegel“ vormontiert wurden.

Nach der technischen Ausstattung folgen die Decke, Bodenbeläge und Malerarbeiten, die Inbetriebnahmen sowie die Einweisung der örtlichen Mitarbeiter der Auslandsvertretung. Bis September soll alles fertig sein und die bis zu 70 Mitarbeiter wieder zurück in Neresheim.

Der Transport von Kartschi nach Isalamabad
Neben der Kanzlei für Botschafter und Kanzlerin entand bereits eine neue Visastelle.
Richtfest in Pakistan. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Botschaft und von ADK Modulraum freuen sich.
Die neue Visastelle
Der Transport der Module

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