Anwohner wehren sich gegen Straßen im Neubaugebiet Sandgrube III

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Ortsvorsteher Joachim Schicketanz am Rande des Neubaugebiets Sandgrube III in Dorfmerkingen. Einige Anwohner kritisieren die verkehrlichen Erschließungspläne.
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Direkte Anlieger haben Einwände unter anderem gegen die Pläne einer Ringstraße im neuen Dorfmerkinger Baugebiet. Was Bürgermeister und Ortsvorsteher sagen.

Neresheim-Dorfmerkingen. Die Aussichten, dass im Neresheimer Ortsteil Dorfmerkingen bald die Bagger anrollen und ein neues Baugebiet entsteht, sind sehr gut. Auch wenn einige Anwohner die Straßenführung im Neubaugebiet „Sandgrube III“ noch am Ende des vergangenen Jahres heftig kritisiert haben, ist das Verfahren auf dem Weg. Seit 17. Dezember liegt der Bebauungsplan vier Wochen öffentlich aus. „Mit Beginn dieses Jahres haben die Stadtlandingenieure in Ellwangen - parallel zur Auslegung - bereits mit der Erschließungsplanung begonnen“, sagt Bürgermeister Thomas Häfele und ist sich seiner Sache sicher. Gemeinderat und Ortschaftsräte haben für die Planung einstimmig votiert. „Auch sämtliche Fachbehörden haben den Bebauungsplan für die Sandgrube III gelobt“, betont das Stadtoberhaupt.

Anwohner gegen die Planung

Doch einige Anwohner halten das Planwerk für wenig gelungen. Andreas Walter vom Büro PlanWerkStadt aus Westhausen hat im Gemeinderat detailliert die Kritikpunkte unter anderem der Bürgerinitiative „Sandgrube III“, des Ehepaars Miehlich und des einstigen Neresheimer Stadtbaumeisters Egon Weber aufgeführt. So fürchtet die Bürgerinitiative beispielsweise ein tägliches Verkehrsaufkommen von 300 Fahrzeugen im künftigen Wohngebiet mit 13 Einfamilienhäusern und zwei Mehrfamilienhäusern. Selbst großzügig gerechnet komme er, so Häfele, nicht auf eine solch hohe Zahl - bei zwei Fahrzeugen pro Wohneinheit und vier Fahrten am Tag. 

Schultes und Ortsvorsteher einig

So sieht das auch der Dorfmerkinger Ortsvorsteher Joachim Schicketanz. Er hält, wie der Neresheimer Schultes, eine Ringstraße anstelle einer in den 1980er Jahren ursprünglich geplanten direkten Durchquerung des Neubaugebiets insgesamt für wesentlich verkehrsberuhigender.


Auch die Kritik an der Planung im Zusammenhang mit einem Feldweg können die beiden Politiker nicht nachvollziehen. „Der bisherige Feldweg wird als „Brücke“ zwischen der Straße „Am Berg“ und dem Alois-Beerhalter-Weg bereits von Anwohnern befahren“, begründet Ortsvorsteher Schicketanz seine Haltung. Da lasse sich der Weg künftig doch auch als verkehrsberuhigte Straße nutzen.  Zumal der Weg größtenteils 5,10 Meter breit sei - nur an seiner engsten Stelle betrage die Breite 4,65 Meter. Zum Vergleich nennt Schicketanz die Straße von Dossingen nach Neresheim: „Die ist maximal 4,50 Meter breit.“ 

Ex-Stadtbaumeister und der Weg

Auch das Argument, dass im Bebauungsplan für die „Sandgrube II“ festgehalten sei, dass „im Plangebiet ein ruhiges Wohnen“ ermöglicht wird, lässt Häfele nicht gelten. Ebenso wenig wie das von  der „weltweiten Zunahme von Paketlieferdiensten“, die auch entsprechend Verkehr verursachen. 


Ruhiges Wohnen sei im gesamten Areal möglich, versichert der Bürgermeister. „Wenn man hier in diesem kleinen Baugebiet von ‚Autobahnen‘ spricht und ‚großer Belastung‘, kann ich das überhaupt nicht nachvollziehen“, betont Häfele.


Der Schultes verweist dabei auch darauf, dass es mithilfe der Verkehrsschau zu jedem späteren Zeitpunkt möglich sei, etwa den jetzigen Feldweg als Spielstraße auszuweisen, um der Sicherheit von Kindergarten- und Schulkindern Rechnung zu tragen. Die Sicherheit führt die „Interessensgemeinschaft Am Berg“ mit dem einstigen Neresheimer Stadtbaumeister Egon Weber ebenfalls an, wenn sie gegen den Feldwegausbau argumentiert.

Wenn man hier von ‚Autobahnen‘ spricht und ‚großer Belastung‘, kann ich das nicht nachvollziehen.

Thomas Häfele, Bürgermeister

Der Durchstich

Wie mit der Straße „Am Berg“ umgegangen werde, sei im Übrigen nicht Gegenstand eines Bebauungsplans, sondern der Verkehrsbehörden, sagt Häfele auf die Anregung Webers und der Interessensgemeinschaft. Auch Webers „Idee“, den Durchstich „Langer Weg“ zu vollziehen, weisen Häfele und Schicketanz zurück. Damit wären zwei der 15 Grundstücke für eine sinnvolle Bebauung zu klein dimensioniert. „Und eine Planung aus den 1980er Jahren erscheint mir heute nicht unbedingt mehr aktuell“, argumentiert Häfele für die Ringstraßenlösung.


Ist da schon alles in trockenen Tüchern? Bürgermeister Thomas Häfele sagt ja. Er sei sich deshalb sicher, „weil wir alles haben prüfen lassen, sowohl planerisch als auch juristisch“. Und politisch sowieso mit den einstimmigen Beschlüssen der Dorfmerkinger Ortschafts- und Neresheimer Gemeinderäte. 


Sobald dann die Planungsunterlagen für die Erschließung vorliegen, werde man die Bauplatzpreise festlegen und in die Vermarktung gehen.  40 Interessenten gibt es laut Joachim Schicketanz. „Wir werden sehen, ob die tatsächlich alle ein echtes Interesse haben“, so der Ortsvorsteher. Zielgruppe für die Grundstücke sind laut Bürgermeister junge Familien. 

  • Was Sie über die Planung wissen sollten
  • Der letzte kommunale Bauplatz wurde im Oktober 2020 verkauft. Um die bestehenden infrastrukturellen Einrichtungen wie Schule und Kita am Ort zu halten, braucht es junge Familien – und dafür braucht es Bauplätze, sagt Bürgermeister Thomas Häfele.


    Der Anschluss des Baugebietes an die umgebende Bebauung und den Ortskern wäre von Westen durch den Langen Weg“, von Süd-Westen durch die „Alois-Beerhalter-Straße“ und im Osten durch den „Langen Weg“ möglich.


    In der Planung wurde jedoch auf eine straßenmäßige Quer- oder Längsverbindung verzichtet. „Um keinen Durchgangsverkehr zu fördern, sondern stattdessen zur Verkehrsberuhigung des Baugebietes beizutragen“, so die Begründung.


    Daher erfolgt die Erschließung des Gebietes über eine 5,50 Meter breite Straße vom westlichen „Langen Weg“ aus, die ringförmig durch das Neubaugebiet führt.


    Die Dimensionierung der Straße ist laut Planung auf die zu erwartende geringe Verkehrsbelastung ausgelegt. „Jedoch breit genug für einen reibungslosen Gegenverkehr“, heißt es in der Planung weiter.   aki
Dorfmerkingen Straßenführung
Ortsvorsteher Joachim Schicketanz am Rande des Neubaugebiets Sandgrube III in Dorfmerkingen. Einige Anwohner kritisieren die verkehrlichen Erschließungspläne.
Das Neubaugebiet Sandgrube III in Dorfmerkingen
Ortsvorsteher Joachim Schicketanz am Rande des Neubaugebiets Sandgrube III in Dorfmerkingen. Einige Anwohner kritisieren die verkehrlichen Erschließungspläne.

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