Mit Herzblut die Tradition bewahrt

  • Weitere
    schließen
+
"In dem Puppenwagen bin ich gelegen", erzählt Karl-Josef Neher. Zu jedem Stück seines privaten Heimatmuseums kann er eine persönliche Geschichte erzählen.

Im "privaten Hofmuseum" von Karl-Josef Neher in Dorfmerkingen finden sich fast 250 Jahre gelebte Familiengeschichte und Erinnerungen – und einiges mehr.

Neresheim-Dorfmerkingen

Wir sind die erste Generation, die Kriege und ganz schwere Zeiten nicht erleben musste. Mir ist es wichtig, Tradition zu bewahren und zu wissen wo man herkommt", sagt Karl-Josef Neher, 69, mit ernster Stimme. Seit 1776 und acht Generationen ist sein großer Hof am Rand von Dorfmerkingen in Familienbesitz. "Weggeworfen wurde nie etwas. Alles was noch brauchbar war, ist auf die Bühne gekommen", erzählt er.

Daraus wurde in vielen Jahren im umgebauten Stall auf rund 200 Quadratmetern ein ganz persönliches Stück gelebte Tradition. Was das "private Hofmuseum" offenbart, berührt tief die Seele. Jedes Exponat sieht so aus, als wäre es vor wenigen Minuten noch in Gebrauch gewesen. Nicht auf Hochglanz poliert, aber technisch gut gewartet, gepflegt und vor allem einsatzbereit. Auffallend sind etwa die Oldtimer. Da steht ein Goggomobil-Coupe neben einer BMW-Isetta-"Knutschkugel". In der Mitte das Prunkstück: Ein Mercedes 170 Diesel aus dem Jahr 1950. "Den hat er sich zu seinem 50 Arbeitsjubiläum geleistet", verrät Ehefrau Ursula, 68. Daneben stehen alte Traktoren. "So einen Schlüter DS 25 hatte mein Vater, und ich bin immer mitgefahren", lacht Neher und ergänzt: "Ich bin schon auch Sammler aus Leidenschaft".

Unterschiedlichste Andenken

Weiter durch's Museum: Zu entdecken sind Radios und Fernseher. Der erste Kühlschrank und die erste Waschmaschine der Familie. Ein Grammophon mit Schallplatten. Weiter hinten ein altes Hochrad. In den Regalen alte bis uralte Arbeitsgeräte und Gebrauchsgegenstände, Uhren, Waagen und Haushaltsgeräte. Auch Bonerz ist zu finden. Das hat der Ur-Ur-Großvater geschürft. In einem weiteren Regal steht die letzte Metallbierkiste der ehemaligen Dorfmerkinger Brauerei, auf der anderen Seite ein alter Aussteuerkoffer, natürlich mit Inhalt.

Doch das Museum ist noch viel mehr, es geht in die Tiefe: Es gibt Schubladen, voll mit Erinnerungen wie Briefen oder Totenbildchen über Generation hinweg. Auch Erinnerungen aus den Kriegen. Dazu Bücher, Zeitungsausschnitte und vieles mehr. In einem Schrank dann neben vielem anderen das Brautkleid der Mutter oder auch ein praktisch ladenneues Herrennachthemd. "Das müsste so aus der Mitte des 19. Jahrhunderts sein" erläutert Neher. Und dann steht da noch eine uralte Bandsäge der Firma Bäuerle am Eingang des Museums. Grade reingekommen. Auffallend: Rahmen und die Räder sind aus Holz. "Das könnte eine der Ersten um 1850 sein", vermutet Karl-Josef Neher. Bis vor 14 Tagen hat sie noch gesägt. Irgendwie ist hier alles ein wenig wie im Märchen.

Wir haben immer alles bewahrt.

Karl-Josef Neher Sammler

Natürlich setzt er auch selbst die Familientradition des Bewahrens fort: Sein erster Griffelkasten mit integrierter Rechenmaschine, seine Schiefertafeln und Schulranzen, der erste Kassettenrekorder: Alles, aber auch wirklich alles ist da. Sogar das alte Büro des Vaters, der auch Gemeindepfleger war, inklusive Safe und alten Unterlagen wurde aufbewahrt.

Fest in der Heimat verwurzelt

Die Landwirtschaft hat das Leben von Karl-Josef Neher geprägt. Zu seinem 60. Geburtstag war die Familie das erste Mal im Urlaub. "Meine Erholung war immer irgendwie das Ehrenamt. Ich war praktisch in allen Vereinen aktiv", erzählt er. Mit dem Hof und Dorfmerkingen ist er sein ganzes Leben verbunden geblieben. "Ich habe das Glück und schlafe noch in dem Zimmer, in dem ich auch geboren bin", sagt Neher lachend.

Seit ein paar Jahren ist das Ehepaar in Rente. Hat Haus und Hof zu einem kleinen Paradies umgebaut. Mit Blick vom Wintergarten Richtung Süden auf Wiesen und Wald. "Als keine unserer drei Töchter in die Landwirtschaft wollte, haben wir rechtzeitig die Weichen für den Ruhestand gestellt", blicken sie mit spürbarer Ruhe und Zufriedenheit auf ihr Leben.

An jeder Ecke gibt es die unterschiedlichsten Gegenstände zu entdecken.
Neher und sein Mercedes 170 Diesel, Baujahr 1950. Eines der wenigen Stücke im Museum, die nicht aus direktem Familienbesitz sind.

Zurück zur Übersicht: Dorfmerkingen

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL