Erste Erwähnung im Jahre 1760

+
Eine Miniatur des Schutzheiligen der Holzhauer, des St. Vinzenz, mit Werkzeugen und dem Vereinsbuch. Fotos: je
  • schließen

Der Ebnater Holzhauerbund „Vinzenz“ kann auf eine über 260-jährige Geschichte zurückblicken. Wie die 270 Mitglieder Tradition und Gemeinschaft pflegen.

Aalen-Ebnat

Der Ebnater Holzhauerbund „Vinzenz“ kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Immerhin ist er mit seinen über 260 Jahren der älteste Verein des Ortes. Jedes Jahr treffen sich die Mitglieder im Januar zur sogenannten „Vinzenzauflage“ am oder um den Vinzenztag.

Erstmals erwähnt wurde der Holzhauerbund „Vinzenz“ im Jahr 1760 in den Urkunden des Ortes, wie der damalige Pfarrer Schöttle Mitte des 19. Jahrhunderts notierte. Gegründet wurde er als kirchlicher Verein, um verunglückte Holzhauer oder deren Hinterbliebene zu unterstützen. Die Waldwirtschaft war damals ein bedeutender Wirtschaftszweig, brauchte man doch jede Menge Holz für Häuser, Möbel, zum Heizen und vieles andere.

Nach den Statuten, die einst elf Punkte umfassten, lassen die Holzhauer jedes Jahr am Vinzenztag, dem 22. Januar, eine Messe halten. Heute findet diese am Freitag vor „Vinzenz“ statt. „Dabei sollen nach einem Beschluss vom 22. Januar 1868 nach der heiligen Messe für die verstorbenen Mitglieder fünf Vaterunser und der Glaube gebetet werden“, heißt es im Vereinsbuch. Dieses hatte Unterlehrer Pfletschinger 1876 angelegt, es wird heute noch vom Vorsitzenden Alfons Gentner, seit 1996 im Amt, geführt. Darin steht auch: Die Mitglieder „wollen im Falle der Not mit Rat und Tat zur Seite springen“.

Neben Holzhauern können auch „in Holz arbeitende Handwerker oder wer aus Nächstenliebe den Unglücklichen bespringen will“ Mitglied werden. Den ursprünglich elf Statuten wurde dann 1979 ein Weiterer hinzugefügt, der erlaubt, dass ab sofort (1980) auch Frauen beitreten können. Der eigentliche Vorsitzende ist der sogenannte Präses, das ist der jeweilige Ebnater katholische Pfarrer, derzeit Andreas Macho. Dazu kommen vier Vorstandsmitglieder, neben Alfons Gentner derzeit Georg Buchstab, Moritz Schmid und Joachim Scherrieble.

18 neue Mitglieder

Heute hat der Verein 270 Mitglieder, viele aus Orten der Umgebung. 100 von ihnen kamen zur Versammlung, 18 Neumitglieder wurden ins Buch eingetragen. Nach dem traditionellen Ablauf verlas der Vorsitzende zunächst die zwölf Statuten, danach wurde der Vereinsbeitrag eingesammelt: Jedes Mitglied wurde aufgerufen und warf die Münze auf einen Teller. Von jeher waren es 20 Pfennig Jahresbeitrag, seit Eurozeiten sind es 20 Cent. „Viele geben aber auch mehr, wer nicht kommen kann oder will, bringt das Geld bei mir zu Hause vorbei“, schmunzelt der Vorsitzende. Da seien die Mitglieder aber sehr strikt. 407 Euro kamen an der Versammlung zusammen, einige Spenden kamen dazu, so dass es 523,40 Euro wurden. 

Ein weiterer Programmpunkt ist immer ein kultureller Punkt, den abwechselnd die kirchliche, die weltliche Gemeinde oder das Forstamt organisieren. Diesmal sprach Maria Mayer über das „Waldbaden“.

Die beiden derzeit ältesten Mitglieder sind übrigens seit 78 Jahren im Verein. Von dem Vereinsvermögen wird die Unterstützung geleistet. Allerdings sind heute nur noch sehr wenige Holzhauer im Verein. Deshalb werden seit einigen Jahren auch wohltätige Organisationen unterstützt. So gehen 1000 Euro an ein Projekt in der Heimat des Aushilfspfarrers Nnunda in Uganda, in den Vorjahren mal an den Kindergarten St. Martin oder das Ebnater Hospiz.

Der Verein sei eine schöne Tradition, eine gute Gemeinschaft, freut sich Gentner.

Seit 1876 wird das Vereinsbuch vom jeweiligen Vorstand und dem Präses geführt. Diese Seite stammt von 1881.

Zurück zur Übersicht: Ebnat

Kommentare