Mit dem Herzenswunsch-Krankenwagen ein letztes Mal ins Theater

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Kurz vor der Fahrt ins Globe-Theater vor dem Herzenswunsch-Krankenwagen, im Hintergrund das Maja-Fischer-Hospiz (v. l.): Einsatzsanitäterin Stefanie Horn, Frau H. und Rettungsassistent Marcus Schmid.
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Wie die Aalener Malteser dank Spenden und viel ehrenamtlichem Einsatz einer Frau im Ebnater Maja-Fischer-Hospiz einen großen Wunsch erfüllen. 

Aalen-Ebnat

Vor dem Maja-Fischer-Hospiz in Ebnat steht ein Krankenwagen der Aalener Malteser. Davor sitzt Frau H. in ihrem Rollstuhl und freut sich auf die anstehende Fahrt. Für diesen Tag hat sie sich extra neue Kleidung bestellt und Schminke ins Hospiz kommen lassen. Einsatzsanitäterin Stefanie Horn und Rettungsassistent Marcus Schmid erfüllen ihr an diesem Tag ihren großen Wunsch – ihren Herzenswunsch. Es geht nach Schwäbisch Hall ins Globe-Theater, gespielt wird das Comedy-Stück "Ich mach dann mal Musical!" von und mit Martina Lechner.

"Das habe ich früher immer gern gemacht", erzählt Frau H. mit leiser Stimme. Musicals sind ihre Leidenschaft. Auch im Stuttgarter SI Centrum war sie schon. Jetzt ist sie sterbenskrank, hat große Schmerzen. Ein solcher Ausflug ist eigentlich unmöglich. Ins Hospiz kommen Menschen, wenn sie unheilbar erkrankt sind und schwerste Symptome haben, erklärt Birgit Nohl vom Sozialdienst des Maja-Fischer-Hospizes.

Der Herzenswunsch-Krankenwagen der Malteser wird komplett aus Spenden finanziert und lebt vom Engagement der beteiligten Malteser. Die erste Fahrt der Aalener war vor zwei Jahren an die Ostsee. Weitere folgten. "Der letzte Wunsch soll nicht am Geld scheitern", sagt der Projektleiter und stellvertretende Stadtverbandsbeauftragte Peter Schmidt von den Aalener Maltesern.

Vor Fahrtantritt klären Stefanie Horn und Marcus Schmid noch die letzten medizinischen Fragen. Wie genau das Morphin gespritzt werden soll zum Beispiel. Nur mit den medizinischen Fachkräften ist diese Fahrt möglich – denn jederzeit könnte ein Notfall eintreten und professionelle Hilfe notwendig machen. Durch ihre Erfahrungen und Kenntnisse können die ehrenamtlichen Helfer Frau H. medizinische Sorgen vor Fahrtantritt nehmen – der Krankentransportwagen ist zudem gut ausgerüstet und auch für Liegendtransporte geeignet. Doch Frau H. will und kann an diesem Tag sitzend nach Schwäbisch Hall gefahren werden.

Normalerweise ist der Herzenswunsch-Krankenwagen immer mit einem Rettungssanitäter und einem Einsatzsanitäter besetzt. Peter Schmidt ist auch als Notarzt ausgebildet. "Somit können wir in besonderen Fällen den Herzenswunsch-KTW auch mit einem Notarzt besetzen", erklärt er. Bei jeder Fahrt müsse man sich auch vor Augen führen, dass im Extremfall der Patient an Bord – im Hospiz werden sie Gäste genannt – unterwegs auch sterben könnte. Wie nach jeder Fahrt will Schmidt auch diesmal wieder die ehrenamtlichen Helfer am späten Abend für eine Nachbesprechung noch anrufen. Gemeinsam lassen sie dann das Erlebte Revue passieren.

Durch Zufall haben sich Birgit Nohl vom Maja-Fischer-Hospiz und Peter Schmidt gefunden. Es ist die erste Hilfsaktion mit dem Ebnater Hospiz. Doch vom ersten Kontakt Anfang August bis zur Fahrt Mitte August vergingen nur wenige Wochen. "Unser Leitspruch ist: Leben bis zuletzt", sagt Nohl. Auch wenn man im Hospiz ist, sei es wichtig, den Menschen zu zeigen: "Es geht noch was", erklärt sie. Die Zeit im Hospiz dürfe nicht ein Warten auf den Tod sein, sondern vielmehr ein Leben auf den Tod hin. Dabei helfe das Herzenswunsch-Projekt sehr.

Auch im Fall von Frau H. profitierten viele Menschen von dieser Vorfreude auf den Tag der Fahrt. Nicht nur Frau H. selbst, sondern auch die Angehörigen und Betreuer im Hospiz freuten sich und fieberten mit. "Das ist etwas, das sie weiterträgt", sagt Birgit Nohl, "ein kurzes Intervall in einer schlimmen Zeit, das zeigt: Es gibt auch etwas Besseres."

Spenden Das Projekt "Herzenswunsch" ist auf Spenden angewiesen. Bankverbindung: Kreissparkasse Ostalb, Stichwort "Herzenswunsch", IBAN DE44614500500110062086

Hospiz Das Ebnater Hospiz hat acht Plätze und ist nach Maja Fischer benannt, die durch ihre großzügige Spende die Sicherstellung der Anschubfinanzierung in den ersten Jahren sichergestellte. Denn die Kosten werden nur zu 95 Prozent von den Krankenkassen gedeckt. Den Rest muss dann der Betreiber aus Eigenmitteln oder mit Spenden finanzieren. Wer helfen möchte und Fragen hat, wendet sich bitte an das Maja-Fischer-Hospiz im Samariterstift Ebnat, Telefon (07367) 92220 - 0. Das Spendenkonto: Baden-Württembergische Bank, IBAN: DE16 6005 0101 0002 7445 77, Kennwort: Hospiz.

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