Zeiss kommt: Reichen die Kita-Plätze in Ebnat?

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Der katholische Kindergarten St. Maria in Ebnat hat im Moment drei Gruppen. Die Stadt plant einen Neubau an der Schule mit sechs Gruppen, wohin die Kita dann umziehen soll. Archivfoto: Oliver Giers
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Laut Kinderbetreuungsplan Akita ist in Ebnat alles im grünen Bereich. Vor dem Hintergrund einer geplanten Firmen-Ansiedlung im Ort bezweifeln die Ortschaftsräte das aber.

Aalen-Ebnat

In Ebnat steht die Ampel auf Grün. Dieses Farbschema im Kindertagesbetreuungsplan, in Aalen Akita genannt, soll einen Überblick verschaffen über die Situation in den Quartieren und Teilorten. Grün heißt: Alles ist auf einem guten Weg, bis 2030 soll es ausreichend Kita-Plätze geben. Aber: Der Akita 2030 ist erstellt worden, bevor die geplante Zeiss-Ansiedlung in Ebnat bekanntgeworden ist. Damit hat sich der Ortschaftsrat beschäftigt.

Katja Stark, die Leiterin des Amts für Soziales, Jugend und Familie, stellte den Akita vor. Einer Bevölkerungsvorausrechnung zufolge fehlen im gesamten Stadtgebiet bis 2030 noch 350 Plätze. Ein großer Teil davon soll in Ebnat entstehen. Bereits beschlossen ist, dass die Stadt eine neue Kita mit sechs Gruppen an der Schule baut. Dabei handelt es sich um einen Ersatzneubau für die katholische Kita St. Maria, die im bisherigen Gebäude drei Gruppen hat. Voraussichtlich Ende 2025 wird der Neubau fertig und die Kita St. Maria kann dorthin umziehen. Die katholische Kita St. Martin will die Kirchengemeinde aufgeben, die Stadt übernimmt den Betrieb voraussichtlich 2025 oder 2026. Anschließend möchte die Stadt das Gebäude erweitern, so dass eine Gruppe mehr betreut werden kann. Also gibt es künftig eine katholische und eine städtische Kita im Ort. „Damit gewinnt Ebnat an Trägervielfalt“, sagte Stark.

Da es aber noch eine Weile dauert, bis Neubau und Anbau fertiggestellt sind, wird eine Übergangslösung gesucht. Geplant ist eine Naturkita. Ortsvorsteher Manfred Traub sagte dazu, dass im Frühjahr ein Termin geplant sei, um sich mögliche Standorte anzusehen. Das Thema soll anschließend, noch vor der Sommerpause, im Ortschaftsrat besprochen werden.

Ein großer Teil der Diskussion im Gremium drehte sich um die Frage, ob wegen der geplanten Zeiss-Ansiedlung mit 2000 Arbeitsplätzen noch weitere Kita-Plätze geschaffen werden müssen. Ortsvorsteher Traub geht davon aus, dass Ebnat weiter wächst, daher müsse man die Situation im Blick behalten und regelmäßig reagieren. „Aber das machen Sie ja“, sagte er an Amtsleiterin Stark gewandt. Auch Uwe Grieser (CDU) sagte zur Bevölkerungsvorausrechnung, die die Zeiss-Ansiedlung noch nicht eingerechnet hat: „Die Erwartungen des Ortschaftsrats sind die, dass die Zahlen nach oben gehen werden.“

Er sprach sich dafür aus, an betriebliche Kinderbetreuung zu denken und zu schauen, wie man die Firma in die Aufgabe einbinden könnte. Grieser würde es aber bevorzugen, wenn die Zeiss-Kinder im Ort betreut würden und nicht am Standort im Gewerbegebiet. Dadurch sei eher eine Integration im Ort möglich. Dazu sagte Stark, dass es im Moment noch schwer sei, zu fassen, was die Zeiss-Ansiedlung für die Kinderbetreuung bedeutet, also zum Beispiel, ob die Mitarbeitenden mit ihren Kindern nach Ebnat ziehen oder zur Arbeit pendeln und ihre Kinder am Wohnort betreut werden. Die Frage sei, inwiefern eine Kooperation mit Zeiss in der Kinderbetreuung möglich ist. Stark denkt da ans Beispiel Oberkochen. Dort betreibe Zeiss zwar keine Betriebskita, die Firma beteilige sich aber finanziell an der städtischen Kinderbetreuung.

Dr. Tilman Schmachtel (Freie Wähler) formulierte es so: „Voraussagen sind schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Wenn die Ampel in Ebnat auf Grün steht, glaube ich das nicht so ganz.“ Außerdem kritisierte er, dass laut Flächennutzungsplan bald rund die Hälfte des Aalener Baulands in Ebnat befände, dass das Ziel in der Kinderbetreuungsquote in Aalen aber höher angesetzt sei als in Ebnat. „Wir sollten überlegen, ob Alt-St.-Maria wirklich stillgelegt werden muss.“ Traub antwortete, dass er auch schon daran gedacht habe, das Gebäude als Übergangslösung zu nutzen.

Am Ende stimmten die Räte einstimmig für den Akita und das Sonderfinanzierungsprogramm (Sofi). Dabei geht es darum, nicht-städtischen Trägern einen höheren städtischen Zuschuss zu den Investitionskosten zu gewähren, wenn sie Kitas bauen oder erweitern. Die Entscheidung trifft der Gemeinderat am Mittwoch, 15. Februar.

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