Ein Kirchlein und was es verbirgt

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Das Gewölbe der Sakristei mit den gotischen Fresken
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In der Kösinger Pfarrkirche St. Sola sind am Sonntag, 11. September, mittelalterliche Fresken zu bewundern.

Neresheim-Kösingen. Wer die Kösinger Pfarrkirche St. Sola betritt, ist beeindruckt. Der Altar von Dominikus Zimmermann beherrscht das Kircheninnere. Der berühmte Meister hat ihn im 18. Jahrhundert originell konzipiert, indem der beide  Seitenaltäre mit dem Hauptaltar zu einer Einheit verbunden hat. Doch das kleine Kirchlein am Rande der Ostalb beherbergt noch einen weiteren Schatz: Fresken aus dem 13. und 16. Jahrhundert zieren die Wände und die Decke der Sakristei. Am Tag des offenen Denkmals, am Sonntag, 11. September, gewährt die Gemeinde in der Zeit von 12 bis 15.30 Uhr Einblick in den kleinen, hohen Raum hinter dem Altar Zimmermanns.

Bröckelnder Putz und eine Pracht

„1961 wurden bei der Sanierung der Sakristei unter dem Putz völlig zufällig Fresken entdeckt - als damals das lockere Material von den Wänden abgeklopft wurde“, erzählt Dino Kunick. Der Mesner und Kirchengemeinderat von Sankt Sola steht im Kirchturm und erweist sich als Experte für die Historie der Kirche und ihres Interieurs. Auch am Tag des offenen Denkmals wird der Kösinger den Besuchern die Geschichte und die Bedeutung der Fresken erläutern, die aus zwei unterschiedlichen Jahrhunderten stammen und in ihren prächtigen Farben im Original erhalten sind. Kunick gibt eine Einführung und nennt als Entstehung das 13. und 16. Jahrhundert. Der Kenner macht das vor allem an den Fenstern der Sakristei fest. Das gotische Spitzbogenfenster im Osten - aus dem 13. Jahrhundert - erkenne man an seiner schmalen Form; das barocke aus dem 16. Jahrhundert im Süden kennzeichne eine wesentlich größere Glasfläche. Das Alter der Fenster entspreche zeitlich der Entstehung der Fresken.

Ein Lieblingsfresko

Dann springt Dino Kunick zu an Anfängen des Kirchleins ins 12. Jahrhundert. Die heutige Sakristei, die sich im Turm befindet, sei damals der ursprüngliche Gebetsraum der Gemeinde gewesen und nach Osten ausgerichtet. Dort befindet sich dementsprechend das Sakramentshäuschen aus altem Eichengebälk. „Das ist heute noch herrlich erhalten“, freut sich Kunick. Ebenso gut erhalten ist auch die Darstellung des Allerheiligsten sowie die Engel links und rechts davon. Gleich darüber ein einem der vier Felder des Deckengewölbes befindet sich des Mesners Lieblingsfresko: der geflügelte Löwe des Evangelisten Markus sowie Papst Gregor der Große. „Jeder Symbolfigur ist ein abendländischer Gelehrter zugeordnet“, erklärt Kunick die vier unterschiedlichen Szenen mit Adler, Engel und Stier.

Kluge und törichte Jungfrauen

Der Kenner der Fresken kommt ins Schwärmen, erzählt von den klugen und törichten Jungfrauen am Eingang  zur Sakristei, von der lebensgroßen Darstellung der Kreuzigung im barocken Charakter und von Dekan Matthäus Pregel, der sich im 16. Jahrhundert selbst verewigen ließ, während die Künstler aus beiden Jahrhunderten ihr großartiges Werk namentlich nicht gekennzeichnet haben.

Gut zu wissen

Der Tag des offenen Denkmals findet am Sonntag, 11. September, statt. Im Neresheimer Ortsteil Kösingen ist die Sakristei der Pfarrkirche St. Sola in der Zeit von 12 bis 15.30 Uhr geöffnet. Der Eintritt zu den Fresken ist frei. Wer übrigens die Fresken unterm Jahr sehen möchte, wendet sich an Dino Kunick, Pfarrbüro, Tel. (07326) 919393.⋌Ulrike Schneider

Dino Kunick erläutert die Kreuzigungsszene in der Sakristei von St. Sola in Kösingen
Das Sakramentshäuschen, heute sagt man Tabernakel, aus altem Eichenholz mit der bildlichen Darstellung des Allerheilgsten, eingerahmt von zwei Engeln.
Das Innere der Kösinnger Kirche St. Sola mit dem Altar von Dominikus Zimmermann

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