Bei Grandys geht es um 2.30 Uhr los

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Ein vielfältiges Angebot an Backwaren und noch vieles mehr gibt es bei "Grandy" in Elchingen.

Wie Waltraud, Thomas und Christian Grandy in ihrer Handwerksbäckerei seit Jahrzehnten die Nahversorgung in Elchingen erfolgreich aufrechterhalten.

Neresheim-Elchingen

Wir stellen noch alle Backwaren selbst her. Bei uns kommen keine zugekauften Aufbackteiglinge in den Verkauf", versichert der 60-jährige Thomas Grandy stolz und schiebt die nächsten Bleche in den Ofen. Die eigene Bäckerei ist das Herz. Das gediegene, ursprüngliche Handwerk so etwas wie die Seele des Geschäftes der Grandys.

1948 von Vater Hugo Grandy gegründet, waren nach seinem überraschenden Tod 1985 die Brüder Thomas und Christian in jungen Jahren gefordert. Thomas machte den Meister. Seine Frau Waltraud machte auch mit. "Die Familie und überragend gutes Personal, auf das man sich blind verlassen kann über viele Jahre hinweg", fasst sie letztendlich das Erfolgsrezept zusammen. Der Beweis: Irmgard Böhm zum Beispiel arbeitet schon seit 31 Jahren im Laden. Helga Dambacher begann sogar mit 14 hier ihre Lehre und blieb ganze 50 Jahre. So hat man es zusammen geschafft.

Neben Backwaren gibt's bei Grandy ein Vollsortiment mit allem, was der Haushalt so braucht – inklusive Kühl- und Tiefkühlware, Obst, Gemüse und Drogerieartikel. Dazu ist man Lotto- und GOA-Agentur, Annahmestelle für die Reinigung und betreibt seit dem großen Umbau vor sechs Jahren ein kleines, sehr beliebtes Café.

Viele sagen Gott sei Dank, dass es euch gibt.

Familie Grandy Elchingen

"Wir sind auch so etwas wie der Treffpunkt im Ort", freut sich Waltraud Grandy, die für Verkauf und Laden zuständig ist. Einem der letzten von vielen Bäckern, Metzgern und Tante-Emma-Läden, die es im weiten Umkreis mal gab. Doch auch die Grandys spüren die Veränderungen. Die jüngere Kundschaft kauft anders ein: "Früher bekamen wir sieben Rollwagen Handelswaren in der Woche geliefert. Heute sind es noch drei." Gut, dass hingegen die handgemachten Backwaren zunehmend auch Kunden aus dem Umkreis anziehen. Die Qualität schätzt auch die viele Laufkundschaft. Fernfahrer, Radfahrer, viele davon zum Beispiel aus den Niederlanden, die auf der von Hans Reitsma beschriebenen Route Richtung Rom radeln. "Man kennt Gott und die Welt", sagt Waltraud Grandy augenzwinkernd über diese kleine Geschichte. Sie liebt den täglichen Kontakt mit ihren Kunden.

Doch was die Grandys persönlich für die gebotene Qualität investieren, ist immens: Früh um 2.30 Uhr geht es in der Backstube los, am Samstag sogar noch eine Stunde früher. Waltraud Grandy steht etwas später auf, um 4.30 Uhr, und räumt den Laden ein. Ab 6 Uhr ist der Laden für die Kunden offen. Sechs Arbeitstage hat die Woche. 70 Stunden sind keine Obergrenze. Urlaub? Zwei Wochen im Sommer. Dazu ein paar Tage an Fasching. "Wir sind froh, wenn wir mal ruhig zuhause sind und merken auch, dass die Regenerationszeiten immer länger werden", sind sich die Grandys einig. Man spüre es deutlich, wie viel Kraft es koste, sagen sie – mit einem Lächeln im Gesicht.

Aber sie sparen auch eine Problematik nicht aus: die Nachfolge. Die wird im Laufe der nächsten Jahre an Präsenz gewinnen. "Unser Traum ist, dass ein junger Mensch zu uns kommt, seine Lehre und seinen Meister macht. Dazwischen ein Gesellenjahr irgendwo und dann das Ganze hier übernimmt. Das würden wir sehr unterstützen", blicken die Grandys nach vorn und wissen aber auch, wie unwahrscheinlich so ein Szenario in der modernen Arbeitswelt wohl ist. "Aber hoffen darf man", sagen sie.

"Wir stellen noch alle Backwaren selbst her", versichert Thomas Grandy stolz. In der Backstube fängt er früh um 2.30 Uhr an.

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