Grün angerichtet in altem Kochgeschirr

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Helga Kucher verrät den Teilnehmern ihre Gartengeheimnisse
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Was Hobbygärtner bei einem Workshop des Kreisverbands der Obst- und Gartenbauvereine Aalen in fremden Gärten entdecken können.

Neresheim-Elchingen

Die ersten Pflänzchen treten sie mit Füßen. Achtlos, aber ohne böse Absicht. Schließlich kann man nicht wissen, dass bei Helga Kucher schon der Weg zum Vorzeigegarten mit botanischen Winzlingen gepflastert ist. Nur knapp fünf Zentimeter hoch schiebt sich der Thymian durch die Fugen in der Hofeinfahrt, es braucht den Fingerzeig der Hobbygärtnerin, damit die Gäste den Lückenfüller wahrnehmen. „Somit ist jetzt Schluss mit Unkraut“, erklärt Kucher ihre Pflanzidee und erntet dafür viel Lob aus der Runde. Das sind allesamt Garteninteressierte, die ihr heimisches Grün naturnah gestalten und dafür mal bei denen kiebitzen wollen, die wissen, wie das geht.

Möglich macht das ein vom Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine Aalen und dem Landratsamt initiierter Workshop, bei dem man sich in mehreren Gärten inspirieren lassen kann. Eine Idee, die insbesondere bei Hobbygärtnerinnen auf fruchtbaren Boden fällt, denn sie sind bei diesem ersten Termin auf dem Härtsfeld deutlich in der Überzahl. Darunter viele wie Schwäpo-Leserin Alexandra Friedel aus Aalen-Bernlohe. Sie beschreibt ihren Bauerngarten als „schon gut gelungen“, möchte ihn aber etwas aufhübschen. Allerdings so, dass der natürliche Charakter weiterhin unterstützt wird.

Deshalb gilt ihr Augenmerk den Accessoires, die man bei den Kuchers rund ums Haus entdecken kann. Der etwas malträtierte Teller, die leicht rostige Pfanne, der ausgelatschte Wanderschuh, vieles, was seinen eigentlichen Zweck nicht mehr erfüllt, bekommt in diesem Garten als „Vogel- und Insektenbar“ oder Pflanzgefäß eine neue Chance. So auch die Tarteform, in der Sukkulenten genügend Halt finden und als Tischschmuck einen tollen Blickfang abgeben. Die Besucher sind durchweg angetan, notieren und fotografieren, doch Helga Kucher gibt zu bedenken, „der Garten muss die Handschrift seines Gärtners tragen!“ So mag sie keine grellen Farben in der grünen Oase, selbst das Vogelhaus ist in dezenten Naturtönen gestrichen, so dass man es nur aufgrund des munteren Gezwitschers entdeckt.

Und man darf auch nicht außer Acht lassen, dass die Kuchers auf etwa 1000 Quadratmetern gärteln und das schon seit rund 40 Jahren. Sie hat den „grünen Daumen“, Ehemann Richard das handwerkliche Geschick. In dieser Teamarbeit ist unter anderem die Backsteinmauer entstanden. Bewusst nicht durchgehend „blickdicht“ gehalten, denn Nischen und Lücken sind Lebensraum für Kletterpflanzen und Kleintiere.

Die „Kür des Alltags“

„Alles sehr gut gelungen“, urteilt auch Rüdiger Schulz, einer der wenigen Männer im Workshop und eifriger Leser der „grünen Tipps“ dieser Zeitung. Neben den vielen Vogelarten und dem Igel, möchte Schulz im Garten in Oberkochens Innenstadt noch mehr heimische Tiere ansiedeln. Bei den Kuchers gelingt das mit Totholz, ein abgestorbener Baumstamm wird dafür genutzt, aber auch scheinbar achtlos liegengelassenes Reisig. Wer Zier- und Nutzpflanzen nicht getrennt, sondern als Mix anbaut, der tut nach der Beobachtung von Helga Kucher auch viel für „tierische“ Gäste. Mutige pflanzen einen Spindelbaum dazwischen und wenn man die Beete etwas höhenversetzt anlegt, bringt das optisch viel, erleichtert aber auch die Arbeit. Ein Wort, das Kucher im Zusammenhang mit dem Garten gar nicht hören mag. Die ehemalige Verwaltungsfachfrau spricht lieber von der „Kür des Alltags.“ Und ihre Gäste sehen das genauso, immer dann, wenn Helga Kucher die Früchte dieser „Kür“ serviert.

Link: Mehr Bilder gibt es online auf www.schwaepo.de.

„Der Garten muss die Handschrift seines Gärtners tragen“

Helga Kucher, Workshop-Leiterin
Helga Kucher verrät den Teilnehmern ihre Gartengeheimnisse
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Alle Besucher waren von Helga Kuchers Garten begeistert und haben viele Anregungen mitgenommen.
Vom Rharbaber bis zum Schnittlauch baut Helga Kucher hier alles an, was schmeckt.
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Liegendes oder stehendes Totholz spielt im Garten von Helga Kucher eine wichtige Rolle.

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