Farben für die Seele und das Leben

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Die Übergabe des Bildes an Dr. med. Markus Winkler (3.v.l.), das die Künstlerinnen und Künstler mit Behinderung mit Hilfe von Kunsttherapeutin Regina Werner (rechts) realisiert haben.
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Regina Werner aus Auernheim ist Kunsttherapeutin. Wie ein großes Kunstwerk fürs Neresheimer Ärztehaus entstanden ist und was die 55-Jährige nach dem Tod ihres Mannes plant.

Auernheim

Inmitten ihres Ateliers steht ein großer Tisch mit Farben, Pinseln, Palette und Leinwand. Handwerkzeug eben für Kunsttherapeutin Regina Werner. Der große Raum mit Schwedenofen ist Teil des elterlichen Bauernhofs in Auernheim. Hier ist die 55-Jährige groß geworden. Nach mehreren Stationen lebt sie dort mit ihren vier Töchtern. Seit Sommer alleine, weil ihr Mann Thomas Winger im Juli bei einem Konzertauftritt so völlig überraschend an einem Herzinfarkt gestorben ist.

Nach einer Auszeit geht es weiter. Vor ihr steht ein ganz besonderes Werk – ein farbenfrohes Bild. „Geschaffen haben es 14 Menschen mit Behinderungen“, erzählt Regina Werner, Kunsttherapeutin bei der Samariterstiftung – nicht nur in Neresheim, sondern auch in Bopfingen und Aalen. Es trägt den Titel „Wir wünschen Liebe und Frieden für alle Kreatur“. „Jede und jeder durfte seine Idee auf die Leinwand zaubern und am Ende ist ein hoffnungsvolles Bild entstanden“, sagt Regina zur Entstehung des Bildes. Doch dazu gehört mehr. Das aufmunternde, 1,40 mal 1 Meter große Werk wird im Labor der Gemeinschaftspraxis der Doctores Winkler, Obele und Felgenhauer im Ärztehaus in Neresheim hängen. „Von dort kam die Anregung“, sagt die Kunsttherapeutin, die über Umwegen zu ihrem Beruf kam.

Regina Werner malt  schon immer gerne. Die Kunst begeistert sie.  Doch ein Kunststudium? „Daran habe ich zu diesem Zeitpunkt nie gedacht“, erinnert sie und erzählt, dass ihr Kunstlehrer ihr Talent wohl erkannt habe.

Ausbildung zur Erzieherin

Stattdessen aber macht sie eine Ausbildung zur Erzieherin und lebt in Tübingen. Erst als sie 24 Jahre alt ist, entdeckt sie die Kunsttherapie für sich, beschäftigt sich mit dem Thema und beginnt erst mit 30 in Berlin das Studium. „Ich habe mich für die anthroposophische Kunsttherapie entschieden.“ Es ist der richtige Weg.

Das Praxisjahr absolviert sie in der Klinik Öschelbronn in der Nähe von Pforzheim. Es folgen zahlreichen Fortbildungen. „Daraus habe ich mich und meinen Stil entwickelt“, erklärt sie. Ihr Mann Thomas ist Musiker. Um etwas handfestes zu haben, macht er – die Familie ist mittlerweile in Filderstadt – eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Als die dritte Tochter geboren ist, entscheidet die Familie nach Auernheim in den elterlichen Bauernhof zurückzukehren.

Thomas macht Musik und unterrichtet Schlagzeug auf dem Härtsfeld. Über die Grenzen des beschaulichen Orts unweit von Neresheim macht er sich einen Namen mit dem „Raum  für Spiel und Kreativität“. Nach acht Jahren ist wegen des fehlenden Brandschutzes Schluss. Regina und er beschließen, das Hofcafé „Beste Zeit“ zu realisieren.

Therapie und Hofcafé

Regina arbeitet die gesamte Zeit weiter als Kunsttherapeutin in Teilzeit bei der Samariterstiftung. „Mich freut der Erfolg der Menschen mit Behinderung“, sagt Regina Werner über ihr Angebot. Der wöchentliche Rhythmus durchbreche den die Routinen des Werkstatt-Alltags der „Künstlerinnen und Künstler“ und werde von ihnen als Highlight erlebt. Sie arbeitet in Gruppen oder in Einzeltherapie. „Egal wie, die Individualität muss stets spürbar sein.“

Sie arbeitet nach dem System „nass in nass“. Das Blatt werde nass gemacht. Basisfarben in der Therapie seien Gelb, Rot und Blau. Regina bevorzugt das Gelb. „Es hat eine besondere Wirkung“, stellt sie fest. In Aquarelltechnik lassen die „Künstler“ das Gelb über das Blatt laufen, bis in jede Ecke.

Faszination Farbe

„Da sind alle fasziniert – spätestens dann, wenn man Blau dazugibt und Grün entsteht“, erzählt sie von den Therapiestunden. „Farbe bewegt jeden Menschen“, sagt sie. Nach und nach werde jeder mutiger, entfalte seine persönliche Kreativität.

Wer trotz allem nicht malen wolle, der könne tonen. „Das ist etwas handwerklich Praktisches und hat eine andere Wirkung.“ Das erde den Menschen im wahrsten Wortsinn, erklärt sie und spricht von „begreifen“, vom Kneten und drücken und davon, dass man sich selbst spüre.

Grundsätzlich fange sie niederschwellig an. Es gehe immer um das Erfolgsgefühl. Damit wachse das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen.

Dieses Prinzip liegt auch dem Werk fürs Ärztehaus zugrunde. Sukzessive entstehen die einzelnen Elemente; das Herz, die Friedenstaube, der Regenbogen und die Sonne. Alles spontan gemalt.

„Das Tolle an der Kunsttherapie ist, man hat die Mittel und das Medium, um etwas zu bewirken, das in die Seele fließt“, freut sich Regina, die selbst viel malt, wie ihre Bilder an den Wänden ihres Ateliers beweisen.

Regina Werner in ihrem Atelier in Auernheim

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