Ab Oktober grasen Wisente auf dem Härtsfeld

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Wisente werden künftig im Süden von Neresheim leben.
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Was in den nächsten Monaten im Süden von Neresheim entsteht, was ein Gehege kostet und wie Bürgermeister Thomas Häfele mit Kritik umgeht.

Neresheim

Das größte Landlebewesen in Europa wird ab Oktober auf dem Härtsfeld heimisch: der Wisent. Den Start des Projekts auf einer Fläche von 35 Hektar datierte jetzt Bürgermeister Thomas Häfele während der Gemeinderatssitzung. "Die ersten vier Tiere sind bereits auf dem Weg ins Wisentgehege Donaumoos", sagte der Schultes. Auf dem 25 Hektar großen  Donaumoos-Areal leben seit 2003 Wisente. Wie Häfele im Gemeinderat ausführte, bleiben die Wisente dort so lange, bis südlich von Neresheim die entsprechende Infrastruktur für die Tiere geschaffen ist.

Sieben Kilometer Zaun

Als Wichtigstes und Teuerstes nennt der Bürgermeister den Weidezaun. "Die Arbeit  für den sieben Kilometer langen Zaun beginnen im Juli", kündigte Häfele an und dankte dem Gemeinderäten dafür, dass sie ihn in der vergangenen Sitzung ermächtigt habe, den Auftrag dafür zu vergeben. Die Verwaltung habe die Maßnahme ausgeschrieben und zwei Angebote erhalten, so Häfele weiter. Den Auftrag habe man der Firma Weidezaunprofi aus Gundelfingen erteilt. "Die Kosten sind ihm Rahmen geblieben", teilte der Schultes mit. Der Gemeinderat habe ihm zwar eine Summe bis 700.000 Euro zugebilligt. Jedoch ist das Angebot  mit 486.000 Euro - 485.000 Euro waren veranschlagt - eine Punktlandung geworden. Im Anschluss an den Zaun folgen laut Häfele die Arbeiten für die Fangstation, die bis Oktober dann abgeschlossen sein sollen.

Geld und nochmals Geld

Eingangs der Sitzung waren die Wisente bei Neresheim auch Thema in der Bürgerfragestunde. Guido Wekemann wollte einiges geklärt wissen. Etwa die Kosten, die ursprünglich mit 350.000 Euro kalkuliert worden waren. Die habe man gehalten versicherte der Bürgermeister und erläuterte die Details. Die Steigerung auf 485.000 Euro hänge stark mit den gestiegenen Rohstoffpreisen zusammen. "Die sind regelrecht explodiert", stellte Häfele fest. Zudem erhalte man für das Pilotprojekt eine Förderung von 90 Prozent. Den Restbetrag teile sich Neresheim mit Nattheim, das  Projektpartner sei. "Zudem rechne ich mit Sponsoren, sodass am Ende voraussichtlich 30.000 bis 40.000 Euro bei der Stadt Neresheim bleiben." 

Auf die Frage nach dem Unterhalt, der mit einer "fünfstelligen Summe" in früheren Sitzungen beziffert worden sei, wollte Wekemann eine präzise Zahl von Thomas Häfele. Die bezifferte dieser auf 10.000 Euro und verwies auf das Donaumoos, das mit 12.000 Euro bei 30 Wisenten zurecht käme. Die Anregung Wekemanns, die Stadt möge das Geld in Spielplätze und die Musikschule investieren konterte Häfele mit der Anmerkung, dass die Stadt bereits 200.000 Euro in die Musikschule und 60.000 Euro in die Spielplätze stecke. 

Das ist am Projekt einzigartig

Die Wisente zählten noch immer zu den bedrohten Tierarten. Häfele erinnerte daran, dass in den 1930er Jahre lediglich noch zwölf Wisente auf der Erde lebten. Vor diesem Hintergrund sei das Vorhaben von Neresheim und Nattheim gemeinsam mit dem Umweltministerium Baden-Württemberg ein großes Natur- und Artenschutzprojekt und einzigartig im Südwesten. Die großen Wacholderheideflächen und alten Buchenwälder südlich von Neresheim seien für die Haltung von Wisente  ideal. Dabei handle es sich hier auf keinen Fall, wie Guido Wekemann anführe, um eine Zuchtanlage. Das Areal werde auch nicht verkauft, sondern bleibe weiterhin im Eigentum der Stadt, die das Projekt auch leite. Ziel sei, dass sich mit den Wisenten Flora und Fauna der 35 Hektar großen Fläche aus Wald, Wiese und Heide ändern und mehr und andere Tierarten auf das Härtsfeld zurückkommen. 

Was Sie noch wissen sollten

Der Wisent oder europäischer Bison ist eine Rinderart, die bis vor rund 500 Jahren in Deutschland und insbesondere auf dem Härtsfeld beheimatet war. Dann wurde die Art jedoch durch Jagd vollständig ausgerottet.

In Deutschland leben mittlerweile wieder Wisente in einigen großen Freigehegen - demnächst auch bei Neresheim. Alle heute lebenden Wisente stammen von zwölf in Zoos und Tiergehegen gehaltenen Wisenten ab.

Typische Herden umfassen 12 bis 20 Tiere und bestehen aus Kühen und Jungtieren. Geschlechtsreife Bullen halten sich nur während der Brunftzeit bei den Herden auf. 

Die geplante Wisentweide auf dem Härtsfeld bei Auernheim

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