Als ob es niemals etwas anderes gegeben hätte

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Freundlichkeit und gute Laune sind da. Was fehlt, sind die zwischenmenschlichen Kontakte und das "Zusammensitzen": Helmut Ruppert ist Familienvater, Schichtleiter bei Bruno Weisser in Neresheim und Kommandant der Neresheimer Gesamtfeuerwehr.

Helmut Ruppert ist Familienvater, Schichtleiter bei Bruno Weisser und Kommandant von Neresheims Gesamtfeuerwehr.

Neresheim

Eigentlich alles ganz normal", antwortet Helmut Ruppert auf die Frage nach seinem Alltag. Dann stutzt er und lacht: "Soweit man das heute so sagen kann. Es ist für uns alles normal geworden. Die Einschränkungen sind in Fleisch und Blut übergegangen".

Was heute so "normal" ist: Maskenpflicht im Betrieb Bruno Weisser in Neresheim. Abnehmen darf diese nur, wer allein an der Maschine steht. Zwei Meter Abstand zum Mitarbeiter. Versetze Zeiten des Schichtbeginns, immer eine Viertelstunde später, um Ansammlungen zu entzerren. Dazu vorgegebene Laufwege. Keine gemeinsamen Pausen, kein gemeinsames Mittagessen. Keine Weihnachtsfeier. Persönliche Kontakte beschränken sich auf ein freundliches "Hallo" aus der Distanz.

"Es ist wirklich schon so, als ob es nie etwas anderes gegeben hätte", sagt Helmut Ruppert noch einmal und: "Mir fehlt das Persönliche. Einem die Hand geben. Alles, was man als Kind auch als Höflichkeit gelernt hat, bleibt auf der Strecke. Natürlich ist die Kameradschaft da. Aber die Nähe fehlt einfach."

Wie sieht es privat aus? "Da sind wir nicht mehr betroffen als andere" sagt Ruppert. "Homeoffice ist in meinem Job nicht möglich. Alles andere haben wir im Griff."

Zum Thema Hobby: Helmut Ruppert liebt Sportbootfahren. Mit dem eigenen Renner ist er gerne auf Main und Neckar unterwegs. "Wenn uns der Rappel packt, machen wir die Leinen los", sagt er. Hauptsächlich macht er das natürlich im Urlaub. Reiseeinschränkungen? "Das ist nun mal so. Wir nehmen das wie es kommt".

"Die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr muss gewährleistet sein. Das ist unser oberstes Gebot", schwenkt Helmut Ruppert auf einen großen und intensiven Teil seines Lebens. Seit zehn Jahren ist er Kommandant der Gesamtfeuerwehr Neresheim. Dazu gehören die Abteilungen Neresheim, Elchingen, Ohmenheim, Dorfmerkingen, Kösingen und Schweindorf.

Die Einsatzfähigkeit der Feuerwehr muss gewährleistet sein. Das ist unser oberstes Gebot.

Helmut Ruppert Feuerwehrkommandant

"Fällt jemand aus, muss er das sofort melden. Wenn mehrere krank werden und zufällig auch noch Tagesdienst haben, dann haben wir ein Problem", beschreibt Ruppert die Lage. "Das ist jetzt allerdings nicht neu, sondern war auch schon vor Corona so. Coronafall hatten wir bisher keinen", ergänzt er.

Trotzdem habe das Virus die Situation deutlich verschärft: Private Kontakte der Feuerwehrleute sind auf ein Minimum beschränkt, FFP2-Maske ist obligatorisch bei unmittelbarem Kontakt im Einsatz oder bei Zusammenarbeit mit anderen Helfern. Dazu Abstand halten und Gruppenbildung vermeiden.

Übung und Ausbildung ist überall bis hin zur Jugendfeuerwehr nicht möglich. "Natürlich haben unsere Leute die Basics über Jahre hinweg verinnerlicht und sind voll einsatzfähig", weist Ruppert auf den guten Ausbildungsstand der Wehr hin. Auch habe man im Sommer kurz in Kleingruppen mit bis zu sechs Mann üben dürfen. Doch momentan liegt wieder alles auf Eis.

"Das größte Problem ist, dass wir nicht mehr zusammensitzen. Das bleibt völlig auf der Strecke. Gerade noch bei Einsätzen trifft man sich persönlich, Sitzungen laufen per Video, im Feuerwehrhaus sieht man kaum einen Menschen. Keine Feier, kein Kinderfest, keine Veranstaltung in der Stadt", ist Ruppert traurig.

Fällt ihm sonst noch etwas auf? "Im Coronajahr gab es ein Drittel weniger Einsätze. Das war, als ob auch hier jemand den Schalter umgelegt hätte am Anfang der Pandemie". Warum das so sei, kann niemand sagen. Und die Stimmung? "So langsam kommt Demut auf", sagt er und hofft, "dass es bald wieder aufwärts geht, man raus kann und mit Leuten zusammenkommt".

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