Kultursommer Neresheim

Der letzte aktive Vulkan im Ländle

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Hillu's Herzdropfa sind die beiden Vollzeitkabarettisten Hillu Stoll und Franz Auber.
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Wie das „Schwäbische Durchanand“ mit Hillu’s Herzdropfa und Markus Zipperle über Neresheim hereingebrochen ist.

Neresheim

Es war wirklich ein fast schon „denkwürdiger“ Samstagabend in Neresheim. Die knapp 400 Besucher hatten Sitzgelegenheiten mitgebracht und sich gemütlich und erwartungsvoll rund um die Bühne verteilt. Dazu ein Wetter wie aus dem Sommerbilderbuch und freier Eintritt mit der Bitte, das „Spendentöpfle“ zu füllen.

Passt. Schnell brandeten Lachsalven wie Wellen durch den Stadtgarten. Zu erleben gab es begeisternde schwäbische Mundart-Comedy. Humorvoll, direkt. Wichtig dafür und auffallend: Die große Bühne mitten auf der Wiese im Stadtgarten hat durch die neue Rückwand vor allem von der Akustik her deutlich gewonnen. Jedenfalls waren die drei Akteure in weitem Umkreis perfekt zu verstehen. Oder zumindest zu hören. Denn zum Verstehen musste man des Schwäbischen mächtig sein.

„Bloß wer verständlich schwätzt, ka au verschtanda werra!“, ist der Leitspruch von „Hillu's Herzdropfa“ und das nehmen die beiden richtig schwäbisch ernst. Hinter ihren Rollen auf der Bühne als „Lena und Maddeis Schuahdone“ stehen im richtigen Leben die beiden Vollzeitkabarettisten Hillu Stoll und ihr „Herzdröpfle“ Franz Auber aus dem schönen Justingen zwischen Münsingen und Blaubeuren auf der Alb.

Mit dabei in Neresheim hatten sie die „schwäbische Saugosch“ Markus Zipperle, Schauspieler und Regisseur an der Theaterscheuer Ebersbach. Er liefert gleich die treffende Beschreibung, was die Besucher an diesem Abend erlebt haben: „Hillu ist der letzte aktive Vulkan der schwäbischen Alb“. Stimmt: Auf der Bühne ist sie eine schwäbische Urgewalt. „Der schafft den ganzen Tag nix“, schimpft sie über Bühnen-Ehemann Maddeis. Der wirkt gerne ein wenig vertrottelt. Kann aber mächtig aufdrehen: „Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss“, macht er sich stark. „Ond die Frau sagt ihm, was“, klärt Hillu die Lage.

Szenen aus dem vielschichtigen schwäbischen Alltag bringen die beiden. Nicht nett und freundlich, sondern direkt. Aber nie unter der Gürtellinie. Nicht zu derb, nicht zu seicht. Genau die richtige Mischung halt.

Vom gleichen Kaliber ist Markus Zipperle. „Corona ist Leben am Limit. Ich habe eine Frau kennengelernt. Meine.“ fängt er an und schwätzt munter drauflos. Dabei immer die Reaktion aus dem Publikum im Blick. Das war stark. Als kleines Sahnehäubchen gab's dann musikalische Einlagen der Drei mit durchaus auch hartrock-ähnlichen Tanzeinlagen. „Ich will heim ins Schwabenland“ nach der Melodie von „Country-Roads“ das man von John Denver her kennt. Hat das Zeug zur schwäbischen Hymne. Sauguat.

Mit dabei in Neresheim: Die „schwäbische Saugosch“ Markus Zipperle, Schauspieler und Regisseur an der Theaterscheuer Ebersbach.
Hillu's Herzdropfa sind die beiden Vollzeitkabarettisten Hillu Stoll und Franz Auber.
Starker Auftritt im Stadtgarten: Die „schwäbische Saugosch“ Markus Zipperle (r) und "Hillu's Herzdropfa" mit den beiden Vollzeitkabarettisten Hillu Stoll und Franz Auber.

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