Die Anfänge der Härtsfeldbahn: Vom Härtsfeld in die Welt

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Bei den Abschiedszügen im Herbst 1972 wurde teilweise alles an Personenwagen zusammengehängt, was noch einsatzfähig vorhanden war. So präsentiert sich hier bei herrlichem Herbstwetter ein von Fuchs-Triebwagen T 30 angeführter Zug auf dem Unterkochener Vi
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Am 1. Juli 1899 stimmte der Landtag dem Projekt einer Härtsfeldbahn von Aalen über Neresheim nach Ballmertshofen zu. Warum die Schättere nicht mehr fährt.

Neresheim

Fast könnte man sie nicht voneinander unterscheiden, die Meinungen, Auseinandersetzungen und Stammtischgespräche zum Thema „Schättere“ vom Ende des 19. Jahrhunderts und heute. Schon Ende der 1880er Jahre wurde in Neresheim ein Eisenbahnkomitee gebildet. Es sollte den Bau einer Bahnlinie von Aalen über das Härtsfeld bis Dillingen vorantreiben, um damit der wirtschaftlichen Perspektivlosigkeit entgegenzuwirken.

„In Dischingen im Adlersaal waren damals rund 500 Leute und haben über den Sinn solch einer Bahn diskutiert“, berichtet Alfons Kinzler, 78, und blättert dabei in einem dicken Aktenordner. Darin sind alte Zeitungen. „Der Bote vom Härtsfeld“ und ein ganzer Stoß „Amts- und Intelligenzblatt von Neresheim“. „Die Jahrgänge 1840 bis 1890 vom Boten habe ich komplett“, lacht Kinzler und ergänzt: „Da kann man ganz genau die Vorgeschichte zur Härtsfeldbahn herauslesen.“ Alfons Kinzler aus Neresheim ist praktisch mit der Nachkriegsschättere aufgewachsen und hat ein schier unerschöpfliches Wissen darüber.

Am 1. Juli 1899 stimmte der Landtag dem Projekt einer Härtsfeldbahn von Aalen über Neresheim nach Ballmertshofen zu. Am 26. Mai 1900 begannen die ersten Bauarbeiten. Bis zu 700 Personen waren am Streckenbau beteiligt. Es kam zur bekannten Lösung, die von Unterkochen über das Viadukt und durch den Tunnel führte.

55 Kilometer lange Strecke

Am 29. Oktober 1901 begannen die Eröffnungsfeierlichkeiten, am 31. Oktober wurde der reguläre Zugbetrieb bis Ballmertshofen aufgenommen. Die Eröffnung der Strecke bis Dillingen erfolgte am 3. April, und am 4. April 1906 wurde der reguläre Zugbetrieb auf der nun 55,49 Kilometer langen Härtsfeldbahn aufgenommen. Pro Jahr wurden mehr als 200 000 Personen und etwa 55 000 Tonnen Güter befördert. Danach führten zurückgehende Fahrgastzahlen und Frachtmengen beinahe zur Stilllegung der Bahn 1932.

Betrieb lohnt sich nicht

Während des Zweiten Weltkrieges erreichte die beförderte Fahrgastmenge einen neuen Rekord von 588 000 Personen im Jahr 1944, die Frachtmengen lagen von 1937 bis 1944 jeweils bei etwa 70 000 Tonnen. Mitte der 1950er wurden modernere Dieseltriebwagen eingesetzt. Im Jahr 1966 brachte die Schließung der Neresheimer Abteikirche wegen Baufälligkeit ein weiteres Minus der Fahrgastzahlen.

Ab 1967 zahlten die Landkreise Aalen, Heidenheim und Dillingen sowie die Stadt Dillingen einen jährlichen Zuschuss zum Ausgleich des Defizits, was letztendlich zu Stilllegung der Strecke 1972 führte. Der Abbau begann im Februar 1973 und zog sich bis Januar 1977 hin. „Am 24. September fuhr das Bähnle das letzte Mal hinter dem Haus vorbei“, sagt Kinzler mit etwas Wehmut.

Infos: www.hmb-ev.de

„500 Leute haben über den Sinn der Bahn diskutiert“

Alfons Kinzler
  • Schicksalsschlag zu Kriegszeiten
  • Josef Kinzler aus Neresheim, geboren am 16. November 1913, wohnte im Martin-Knoller-Haus. Im Krieg kämpfte er in der Ukraine. Nach einer Verwundung lag er im Lazarett in Dillingen und sollte sich am 16. April 1945, wenige Tage vor Kriegsende, in einer Kaserne in Stuttgart melden. Er nahm die Bahn Richtung Aalen und machte Halt bei der Familie in Neresheim. Am nächsten Morgen setzte er seine Reise fort. In Aalen stieg er in den Zug nach Stuttgart. In Lorch kam die Feldpolizei und kontrollierte. Seitdem fehlt von Josef Kinzler jede Spur. „Alle unsere Nachforschungen brachten kein Ergebnis. Man hat ihn wohl erschossen und im Wald verscharrt“, vermutet Sohn Alfons Kinzler.
50 Jahre Härtsfeldbahn. Das wurde Anfang der 1950er Jahre groß gefeiert.
Obwohl beim Bau des Abschnitts Ballmertshofen - Dillingen nun auch eine Feldbahn mit Lokomotiven zum Einsatz kam, waren immer noch zahlreiche Arbeiter für das Herstellen des Planums, das Verlegen der Gleise und den Bau von Bahnhofsgebäuden notwendig.

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