Ein Napoleonfelsen ohne Kaiser

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Wenn man auf dem Neresheimer Barockpfad von Maria Buch zum Kloster wandert findet man etwa auf halbem Weg links im Wald den markanten „Napoleonsfelsen“.
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Wie eine markante Felsformation unweit des Klosters Neresheim im Volksmund zu einem bedeutenden Namen kam und wie Sie dorthin kommen.

Neresheim

In Neresheim hält sich bis auf den heutigen Tag die Bezeichnung „Napoleonfelsen“ für einen Felsvorsprung auf der Anhöhe des Flurstücks Schuhhäule bei Maria Buch. Nicht zu übersehen auf der linken Seite, wenn man auf dem „Barockpfad“ von Maria Buch in Richtung Kloster wandert. Die französische Fahne weht dort im Wind und am Triumphbogen in Paris erinnert eine Inschrift an eine „Schlacht bei Neresheim“. War etwa der große kleine Korse wirklich einmal hier? Wer auf solche oder ähnliche Fragen fundierte Antworten sucht, ist bei Neresheims Stadtarchivar Dr. Holger Fedyna in den absolut besten Händen. Hier ein kleines bisschen Härtsfeldschichte in vier Punkten:

1 Die Schlacht bei Neresheim 1796: In den Sog der Ereignisse um die Französische Revolution wurde auch das Härtsfeld gerissen. Besonders die Schlacht von Neresheim am 11. August 1796 erlangte dabei traurige Berühmtheit. Im Vorfeld formierten sich große Truppenkontingente der kaiserlichen Armee und der Franzosen im Osten Schwabens. Von Bopfingen bis Gundelfingen verlief die Frontlinie. Österreich hatte rund 43 000 Soldaten zusammengezogen, die Franzosen knapp 45 000. Die Truppenkontingente konzentrierten sich auf dem Härtsfeld. Erzherzog Karl von Österreich übernachtete am 2. August 1796 im Neresheimer Pfarrhaus, zog sich aber tags darauf nach Nördlingen zurück. Seinen Gegner fand er im französischen General Jean Victor Moreau. Die Franzosen marschierten schließlich am 8. August in Neresheim ein. Generalität und Offizierskorps logierten im Kloster. Am 11. August ergriff Erzherzog Karl die Initiative. Hauptangriff der Österreicher zielte auf Schweindorf, Kösingen, Hofen, Dunstelkingen und Dischingen. Am heftigsten tobten die Kämpfe bei Dunstelkingen. Plünderungen und Gewalttaten gegen die Bevölkerung gab es von beiden Seiten. Die Menschen suchten Schutz im Kloster. Für Übergriffe machten die Pfarrberichte speziell die Franzosen verantwortlich. Vor allem Frauen und junge Mädchen wurden Opfer der Soldaten. Die Schlacht selbst ging militärisch gesehen unentschieden aus. Napoleon hielt die Operation aber für so bedeutsam, dass er Neresheim in den Pariser Triumphbogen aufnehmen ließ.

2 Der „Napoleonfelsen“: Zwar stand der große Korse nie auf diesem Felsen, weil er ganz einfach nie in Neresheim war. Aber der Überlieferung nach sprach ein französischer General, wahrscheinlich Jean Victor Moreau, vom Felsen herab zu seinen dort lagernden Truppen. Damals war der Hang nicht so bewaldet wie heute.

3 Die Trikolore heute? Eine Gruppe von aktiven Heimatliebhabern um den früheren Stadtbaumeister Egon Weber, Werner Köhl, Erich Weber und Vinzenz Mühlberger hat sich der Geschichte des Felsens angenommen und macht nun mit dem Hissen der Trikolore darauf aufmerksam.

4 Der erste fliegende Härtsfelder: „Die Franzosen brachten auch eine Reihe von technischen Neuerungen“, bemerkt Dr. Fedyna noch. So fuhr ein Heißluftballon am 17. August 1796 von Großkuchen über Neresheim nach Auernheim, um die Frontlinie zu beobachten. Der aus Flochberg stammende Benediktiner Pater Paul Lasser ließ es sich nicht nehmen, am Tag darauf mit den französischen Offizieren im Schiffchen des Ballons in die Luft zu steigen. Der Neresheimer Mönch war somit ziemlich sicher der erste Härtsfelder, der die Schönheit der Landschaft von ganz oben sah.

  • Themenpfad auf dem Härtsfeld: der Barockpfad
  • Der Themenpfad beginnt am Parkplatz vor der Abtei Neresheim. Er führt um die Abtei herum durch den Wald am „Napoleonfels“ vorbei und zur Waldkapelle Maria Buch. Weiter zum ehemaligen Schafstall dem „Abeleshof“ und über die landwirtschaftliche Zufahrt, den „Gaulweg“, wieder zurück zum Ausgangspunkt. Insgesamt zehn Informationstafeln am Weg. Länge: etwa 4 Kilometer.

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