Ein Straßenbahnwaggon voll Milch

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Neben der Ernährungssicherung der Bevölkerung steht heute zunehmend die Gesunderhaltung der Tiere, das Tierwohl und die Nachhaltigkeit im Fokus.

Der Rinderzuchtverein Neresheim zieht seine Jahresbilanz.

Neresheim. Im Rinderzuchtverein Neresheim sind 48 milchviehhaltende Betriebe mit 3732 Kühen zusammengeschlossen. Neben den großen Einheiten der Zuchtverbände haben über alle Nutztierarten hinweg auch kleinere regionale Zusammenschlüsse der Züchter in Vereinen lange Tradition. Damit soll der Zusammenhalt gestärkt, und Austausch und Geselligkeit gepflegt werden. Auch dieses Jahr kann nun jedoch aufgrund der Corona-Verordnungen keine Vereinsversammlung stattfinden. Aber im Gegensatz dazu pausieren die Kühe natürlich keineswegs; sie haben wieder für sehr beachtliche Leistungen gesorgt.

Hohe Lebensleistung

Vier Kühe haben neu eine Lebensleistung von mehr als 100000 Liter Milch erreicht. Das sind quasi die Oldstars des Vereines: Aloisia vom Betrieb Simpert Dangelmaier, Simmisweiler (110168 Liter, geb. 2009, Vater Hupsol), Amore, Raunft GbR, Katzenstein (104192, 2006, Webal), Deisy, Wiedenmann GbR, Kösingen (103239, 2009, unbekannter Vater) und Ruby, Schröppel GbR, Mörtingen (100991, 2007, Waterberg). In der Reihung davor steht noch die Kuh Amalie (geb. 2005, Vater Romsel) mit 13 Kalbungen und 107033 Liter Milch aus dem Betrieb Karl Weber, Beuren, die jedoch schon letztes Jahr für das Überschreiten der 100000-Liter-Marke geehrt wurde. Interessant ist dabei, dass deren Vater, der Besamungsbulle Romsel, ebenfalls aus dem Vereinsgebiet stammt. Dieser wurde nämlich vom Simpert Dangelmaier in Simmisweiler gezüchtet.

Mit 100000 Liter Milch könnte man einen neuen Stadtbahnwagen der Stuttgarter Straßenbahnen randvoll anfüllen. Diese Kühe haben in ihrer durchschnittlich 10jährigen Karriere als Milchkuh konstant jahrein, jahraus jeweils 120 Verbraucher mit Frischmilcherzeugnissen versorgt. Es fällt auf, dass im weiteren Verlauf der Liste der Lebensleistungen, das sind also dann die Tiere, die kurz vor dem Erreichen der 100000 Liter stehen, immer wieder Kühe aus denselben Betrieben zu finden sind, wohingegen die Väter völlig verschieden sind. Damit ist also klar, es ist keine Frage der Vererbung oder Veranlagung. Vielmehr zeigt es, dass Fütterung und Gesunderhaltung in diesen Betrieben optimal ist. Unter diesem Gesichtspunkt ist eine weitere Kennzahl die Lebensleitung bei Abgang in einem Betrieb. Hier steht der Betrieb Mayer GbR, Hülen mit 50995 Liter an der Spitze. Bei Familie Mayer verlässt in der Regel also eine Kuh erst den Betrieb, wenn sie mehr als 50000 Liter Milch gegeben hat. Die Kühe werden alt, es müssen weniger neue Jungkühe nachrücken, und ganz nebenbei ist es für den Betrieb auch sehr wirtschaftlich. Es folgen die Betriebe Raunft Gbr, Katzenstein, Wiedenmann GbR, Kösingen und Jürgen Mayer, Aufhausen mit jeweils über 40000 Liter Lebensleistung bei Abgang.

Indikator für Tierwohl

Die Tierzucht als solches schreitet voran, aber sie verändert sich auch. Ursprünglich das Hauptaugenmerk ausschließlich auf die Ernährungssicherung der Bevölkerung gelegt, ist heute daneben zunehmend die Gesunderhaltung der Tiere, das Tierwohl und die Nachhaltigkeit in den Fokus gerückt. In allen Zeiten hat gegolten, und so wird es auch in Zukunft sein: Erfolg hat nur derjenige, der Freude an seiner Arbeit und an seinen Tieren hat.

  • 2000 Pack Butter pro Kuh und Jahr
  • Die höchsten Herdendurchschnitte erzielten dieses Jahr die Betriebe Wiedenmann Gbr, Kösingen (11398 kg Milch, 831 Fett und Eiweiß kg), Simpert Dangelmaier, Simmisweiler (10691 bzw. 812 kg), Raunft GbR, Katzenstein (10390 bzw. 781 kg), Jörg Launer, Demmingen (9611 bzw. 732 kg), Mayer GbR, Hülen (9151 bzw. 730 kg), Raunecker GbR, Frickingen (10026 bzw. 729 kg), Humpf GbR, Hülen (9762 bzw. 713 kg), Karl Kieninger, Simmisweiler (8925 bzw. 712 kg), Manfred Geis, Hohlenstein (8997 bzw. 711 kg), Markus Scherer, Neresheim (9823 bzw. 710 kg), Robert Burkhardt, Simmisweiler (8590 bzw. 708 kg) und Eugen Brenner, Dorfmerkingen (8842 bzw. 707 kg).
  • Die Reihung erfolgt nach den Fett- und Eiweiß-Kilo, weil somit Milchmenge, Fett-% und Eiweiß-% gleichermaßen repräsentiert ist. Jede Kuh aus diesen Herden produziert damit mindestens rund 2000 Päckchen Butter im Jahr.

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