Er trägt Neresheim im Herzen

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Alfons Kinzler, 77, ist "unter dem Kloster" glücklich und weiß so ziemlich alles über die Härtsfeldstadt.

Alfons Kinzler kennt die Härtsfeldstadt wie kaum ein Zweiter. Sein Wissen ist aus Liebe und Leidenschaft zur Heimat entstanden. Alte Fotografien will er für die Nachwelt bewahren.

Neresheim

Kriegsende, der Vater vermisst, Wohlstand war ein Fremdwort: Geboren und aufgewachsen ist Alfons Kinzler, 77, im sogenannte Martin-Knoller-Haus in der Klosterallee 4. Es waren lebhafte und auch glückliche Kinderjahre. "Ich kenne das ganze Kloster und die ganze Umgebung und war auch viel mit dem Opa unterwegs. Was wir früher alles gemacht haben", sagt er stolz und mit einem Leuchten in den Augen. Das Spazieren gehen hat er sich bis heute erhalten und ist fast täglich mit dem Fahrrad rund um Neresheim unterwegs. Oft fuhr er mit seiner Schättere-Freikarte – der Vater hatte bei der Härtsfeldbahn gearbeitet – auch nach Aalen und zum Kocherursprung.

Nach der Schule dann die Lehre als Maschinenbauer bei Grupp in Neresheim. Letztendlich die eigene Firma draußen vor den Toren der Stadt. Dazu das Engagement in vielen Vereinen. Aktiv betrieb er Segelfliegen und Fußball, war in der Skiabteilung. Seine größten sportlichen Erfolge feierte er als Ringer in Königsbronn. Kämpfte dort gegen Olympiateilnehmer und die Aalener Ostalb-Bären. Dazu war er unter anderem Kirchengemeinderat, Vorsitzender des Vereins Jugend- und Bewährungshilfe, Schöffe in Ellwangen oder auch 40 Jahre Nachtwächter am Gumpendonnerstag. "Ich habe so richtig viel erlebt", sagt der 77-Jährige. Nicht zu vergessen: Ehefrau Sieglinde und die beiden Kinder. Neresheim zu verlassen, das kam für ihn nie in Frage. Doch weltfremd ist er beileibe nicht: Der Beruf führte den Spezialisten für hydraulische Pressen viel ins Ausland.

Erinnerungen ans Kloster

Seine ersten Erinnerungen mit dem Kloster sind ganz besondere: Jeden Abend schickte ihn die Mutter hoch zur Pforte. Dort gab es eine Kanne Milch und ein Brot. "Ab und zu sollte ich sagen, dass wir Besuch haben", erinnert er sich. Denn dann gab es von den Mönchen einen Schöpfer Milch mehr und vielleicht ein zweites Brot. "An Martini ist dann immer ein Pater gekommen und es gab Nüsse und Äpfel. Da haben wir uns gefreut wie die Schneekönige", blickt er zurück und ergänzt: Ich kenne noch alle Patres beim Namen.

Beim Zuhören wird einem bewusst: Dieser Mann ist ein begnadeter Erzähler. Im wahrlich positivsten Sinn gemeint. Wenn man ihm zuhört, ist man mittendrin im Geschehen: Fast meint man, das pulsierende Leben in der Oberamtsstadt zu spüren, alte Geschichten zu erleben, Napoleon mit seiner Garde über das Härtsfeld reiten zu sehen oder beim Bau der Härtsfeldbahn dabei zu sein. "Fang ja nicht an", ermahnt ihn Frau Sieglinde oft scherzhaft, wenn Besuch angesagt ist. Sie weiß warum: "Ich kann tage- und nächtelang erzählen", lacht Alfons Kinzler. Dabei hilft ihm sein phänomenales Gedächtnis: "Ich kann mir Namen und Zahlen sehr gut merken", sagt er. Dieses Talent, die Liebe zu Neresheim und dem Härtsfeld und eine Leidenschaft zum Sammeln ergeben ein einzigartiges Wissen.

Ich kann tage- und nächtelang erzählen.

Alfons Kinzler Neresheimer

Ein eigenes Heimatmuseum

Dazu sind die Räume in seinem Haus in der Dischinger Straße ein großes Neresheim-Heimatmuseum. An den Wänden Bilder. Die Motive: Neresheim, meist mit Kloster. Dazu alte Stiche mit Postverbindungen oder auch eine Landkarte der Pfarrgemeinde von 1803.

In den Schubladen finden sich, sauber abgeheftet, die Ausgaben des "Amts- und Intelligenzblattes von Neresheim", der damaligen Tageszeitung, von 1840 bis 1890. Weiter geht es im Fundus: Rund 250 Gebetsbücher und Bibeln besitzt Adolf Kinzler, dazu so gut wie sämtliche Literatur über Neresheim.

Und dann noch einen wahren Schatz: endlos viele Fotografien und vor allem Postkarten von Neresheim, darunter die wohl allererste Fotografie der Stadt. Die hat er über lange Jahre hinweg mit wahrer Leidenschaft zusammengetragen und ist jetzt dabei, alles zu sortieren und zu scannen. Daraus soll eine CD werden, um alles der Nachwelt zu erhalten.

Hier sind die alten Postverbindungen zu sehen.
Rund 250 Bibeln und Gebetsbücher hat Kinzler gesammelt.

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