Kelch kehrt nach 500 Jahren zurück

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Hier, wo heute die Sühnekapelle steht, auf dem Auerheimer Berg, befand sich wohl die Neresheimer Richtstätte.
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Welche Sensation Stadtarchivar Dr. Holger Fedyna fürs Wochenende nach Neresheim holt. Eröffnung am Samstag um 13.30 Uhr. Der Kelch ist nur wenige Tage zu sehen. 

Neresheim

Tatort Neresheim.“ Unter diesem warten ab dem heutigen Samstag in der neuen Ausstellung des Härtsfeldmuseums spannende Einblicke in die „Kriminalgeschichte von Stadt und Amt“, wie der ehrenamtliche Archivar, Dr. Holger Fedyna, der auch diesmal derjenige ist, der die Ausstellung des Museums konzipiert, ankündigt.

Da ist beispielsweise die der Elchinger Magd Barbara Eberlin, am 18. September 1735 des Kindsmords angeklagt. Die 36-Jährige hatte ihrem Säugling nach der Geburt die Nabelschnur abgerissen, den Kopf gedrückt und es im Stroh unter dem Bett versteckt, wie der herbeigerufene Landphysiker bezeugte. Verwesungsgestank ließ die Tat ans Licht kommen. Im Urteil des Gerichts heißt es, dass „die Inquisitin Barbara Eberlin als eine Vorsätz. (liche) Kinder Mörderin mit dem schwerd vom Leben zum Todt gebracht werden solle“. Zwei Tage später fand die Elchingerin auf der Neresheimer Richtstätte ihr Ende.

Auch zu ihrer Geschichte, der der Richtstätte, also des Neresheimer Hochgerichts, hat Fedyna ein Banner gestaltet. Auf diesem berichtet er, wie sie wohl Mitte des 13. Jahrhunderts auf dem Auernheimer Berg (dort, wo heute die Sühnekapelle steht) errichtet wurde – vermutlich im Zuge des Urbanisierungsprozesses und der Aufwertung der Stadt als Vogtei beziehungsweise Amtssitz. Und warum sie oft in schlechtem Zustand und gar nicht nutzbar war.

Wie beispielsweise auch in folgendem Fall. Dem des Pfeifers Johannes Mund aus Dorfmerkingen. Der für seine neue Liebe seine Ehefrau mit „großer Gewalt“ erschlug. Genau an diesem Ort, an dem sich heute das Heimatmuseum befindet, damals aber das Oberamtshaus war, trat im November 1756 das Blutgericht zusammen. Mund wurde an den Pranger geführt und der Stab über ihm gebrochen. Auch was hinter diesem Ausdruck steht, erklärt Museumsleiter Fedyna.

Sensation zum Stadtfest

Sein absoluter Stolz, für Kenner eine Sensation und Höhepunkt der Ausstellung ist aber etwas ganz anderes: ein Kelch, wahrscheinlich aus dem Jahre 1498, aus Silber gezogen und dann vergoldet, mit gotischer Inschrift und drei Wappen, auch dem Neresheimer, der normal sicher in einem Tresor in der Oettinger Kirche St. Jakob verwahrt ist, dessen Geschichte in Neresheim begann.

Und zwar so: Zwei Räuber, so ist es in der Stadtchronik zu finden, waren übers Härtsfeld gezogen. Nein, diesmal waren keine Einheimischen die Täter. Sie überfielen bei Neresheim einen Kaufmann aus St. Gallen. Raubten ihm Goldmünzen und Leben. Noch am selben Tag wurden sie gefunden und verhaftet, vier Tage später auf der Richtstätte gerädert. Anschließend entstand die Idee, mit der bei den Verbrechern gefundenen Beute, vermutlich in einer Augsburger Goldschmiede, einen Sühnekelch fertigen zu lassen. Für das Seelenheil des Ermordeten. Seit Jahrhunderten hat das wertvolle Stück seinen Platz in der Oettingen Kirche.

Die Theorien, wie er dorthin kam, was ein räuberischer Graf damit zu tun haben könnte und wer ihn in Auftrag gegeben hat – das ist eine weitere Kriminalgeschichte, auf deren Spur sich die Besucher der Ausstellung nun machen können. Die Gelegenheit, den Kelch selbst, der erst ein einziges Mal öffentlich ausgestellt war, zu sehen, gibt’s nur am Stadtfest-Wochenende.

Und das auch nur, weil das ausgeklügelte Sicherheitskonzept der Stadt nun abgesegnet wurde. Unter anderem wird ein Sicherheitsmann den Kelch nicht aus den Augen lassen.

Höhepunkt zum Stadtfest-Wochenende

Eröffnet wird die Ausstellung im Härtsfeldmuseum (Hauptstraße 22) am Samstag, 25. Juni, m 13.30 Uhr. Während des Stadtfestes sind sie und ihr Highlight, der Kelch, am Samstag von 13.30 bis 7 Uhr und am Sonntag von 11 bis 17 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung selbst ist bis zum Ende des Blühenden Neresheims am 18. September immer sonntags von 13.30 bis 16 Uhr zu besuchen. Der Kelch aber muss zurück in seinen Tresor. 

Der Kelch ist normalerweise in einem Tresor in Oettingen.

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