Klosterkonto: Geld für Sanierung

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Die dubiosen Finanzaktionen von Altabt Norbert Stoffels beschäftigen noch immer die Staatsanwaltschaft in Krefeld und das Oberlandesgericht in Stuttgart. Inzwischen steht fest, das Kloster Neresheim nutzt die 1,4 Millionen Euro auf dem Aalener Konto. Es wird das Geld für die Renovierung der Ökonomiegebäude einsetzen.

Zwei dubiose Konten mit insgesamt 4,5 Millionen Euro sind im vergangenen November im Nachlass des verstorbenen Abts Norbert Stoffels aufgetaucht. Anscheinend hat niemand im Umfeld des verstorbenen Klosteroberen der Benediktiner-Abtei von den Konten in Aalen und in Krefeld gewusst. Stoffels hat auf diesen heimlich die Millionen geparkt. Seit 1992 rund 1,4 Millionen Euro in Aalen, seit Anfang 2010 zirka drei Millionen Euro in Krefeld. Da völlig unklar war, woher das viele Geld stammt, hat der Leiter des Neresheimer Klosters, Prior-Administrator Pater Albert Knebel, einen Steuerberater und einen auf Wirtschaftsrecht spezialisierten Rechtsanwalt eingeschaltet. Aufgabe war und ist, die Finanzströme auf den beiden Konten zu ermitteln. Für das Aalener Konto hat der Wirtschaftsprüfer mittlerweile herausgefunden, woher das Geld kommt. "Es ist klar nachzuvollziehen, dass die 1,4 Millionen Euro Spenden und Zuwendungen für das Kloster sind", erklärt Markus Wieser von einer Münchener PR-Agentur, die das Kloster mit der Pressearbeit betraut hat. Den Einnahmen stehen, so der PR-Experte, Ausgaben etwa für Orgelpfeifen oder die Finanzierung von Klosterfesten gegenüber. Allerdings sei noch immer völlig unklar, weshalb Altabt Stoffels die Gelder nicht offiziell über die Klosterbücher verbucht habe, sondern geheime Transaktionen daraus gemacht habe. Dieses Aalener Konto werde auch entsprechend verwaltet, damit kein Schaden entstehe. So werde Geld, sofern nötig, erneut angelegt, um eine Rendite zu erzielen. "Das Kloster wird mit dem Geld die anstehende Sanierung der Ökonomiegebäude mitfinanzieren", erklärt Markus Wieser. Indessen unberührt bleiben weiterhin die rund drei Millionen Euro auf dem Krefelder Konto. Von diesen beansprucht der Krefelder Rechtsanwalt Walter Marcelli – gegen den die Staatsanwaltschaft noch ermittelt – gut eine Million Euro.

Mit dem zivilen Rechtsstreit um die Million befasst sich das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart, weil Marcelli in Berufung gegangen ist. Seit etwa vier Wochen liegen die Akten den Stuttgarter Richtern vor. "Es geht in drei Berufungsverfahren um 1,059 Millionen Euro", bestätigt auf Nachfrage Stefan Schüler, Sprecher des OLGs in Stuttgart. Zwei betreffen den 80-jährigen Rechtsanwalt; in einem weiteren Verfahren vertrete dieser zwei Klägerinnen. Richter Schüler nennt die drei Aktenzeichen und ordnet diesen auch die Geldsummen zu, um die es geht: 407 000 Euro im Verfahren des Klosters und der beiden Damen; 300 000 und 352 000 Euro im Verfahren Marcelli gegen das Kloster Neresheim. Noch prüfe ein Richter, der so genannte Berichterstatter, die Akte und erstelle ein Gutachten. Dieses liege noch nicht vor. Damit stehe auch der Termin für die Verhandlung der drei Berufungsverfahren vor einem der 20 Zivilsenate des Oberlandesgerichts aus. Da zudem die Krefelder Staatsanwaltschaft weiter im Fall der rätselhaften Klostermillionen ermittelt, wie der dortige Pressestaatsanwalt Axel Stahl bestätigt, ist nicht auszuschließen, dass der Senat beim Oberlandesgericht beschließt, das Verfahren auszusetzen. Dann könnten die Stuttgarter Richter die Ergebnisse der Krefelder Staatsanwaltschaft mitberücksichtigen.

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