Knabenchor verzaubert Abteikirche

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Die Sängerknaben der Chors „capella vocalis“ gaben ein Konzert im Kloster Neresheim.
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Das renommierte Ensemble „capella vocalis“ aus Reutlingen begeistert sein Publikum im Kloster Neresheim mit Werken unterschiedlichster Epochen.

Neresheim

Corona hinterlässt deutliche Spuren: Das kulturelle Leben im Neresheimer Kloster fährt auf absoluter Sparflamme. Die großen Klosterkonzerte sind sogar seit langem für 2021 komplett abgesagt. Wie schön, jetzt endlich wieder einmal ganz besondere Eindrücke erleben zu dürfen. Zu Gast in der Weite der Abteikirche war musikalische Elite: Der renommierte und vielfach ausgezeichnete Knabenchor „capella vocalis“ aus Reutlingen unter dem Dirigat von Christian Bonath hatte sich für ein Konzert angesagt.

Mit dabei: Stephen Blaich als Begleitung am Piano und auch solo an der beeindruckenden Holzhey-Orgel. Leider verloren sich, den Bestimmungen entsprechend, nur rund 80 Besucherinnen und Besucher auf den Bänken im Kirchenschiff. Doch die Erwartung war deutlich spürbar. Und sie wurden auch genauso deutlich erfüllt.

Schon allein der Einmarsch der rund 30 Sängerknaben zeugt von Disziplin. Die Aufstellung über die ganze Breite der Kirche geschah schnell und fast schon zackig. Auf Kommando dann Masken ab, Notenblätter hoch, eine kurze Konzentrationsphase mit beeindruckender Gestik und Mimik des Dirigenten und losgeht es.

Ohne begleitende Worte wird das „I will sing with the spirit“ von John Rutter intoniert. Beeindruckend vom ersten Ton an die Klasse der Reutlinger Knaben. Hoch geschulte Stimmen. Klar und akzentuiert. Die hohe Disziplin ist auch in diesem Augenblick zu spüren. Immer wieder aber blitzt auch der Spaß auf, mit dem die Sänger zu Werke gehen – erkennbar am Lächeln zwischen Dirigent und Sängern.

Nach dem modernen Einstieg ist Barock angesagt. „Capella vocalis“ nimmt sich des Leipziger Thomaskantors Johann Sebastian Bach und einer „Motette für Chor zu vier Stimmen und basso continuo“ mit Namen „Sei Lob und Preis mit Ehren“ an.

Es folgten Werke von Camille Saint-Saëns, Anton Bruckner, Johannes Brahms und Francis Poulenc. Den Schlusspunkt John Rutters zeitgenössisches Werk „Look at the world“.

Knapp zwei Stunden hochkarätiger Knabenchor, passend aufgelockert, beeindruckend interpretiert und ergänzt durch die „Sonate F-Dur“ von Carl Philipp Emanuel Bach und eine Suite von Louis-Nicolas Clérambault, einem französischen Komponisten und Organisten aus dem 17. Jahrhundert. Ein Hochgenuss fürwahr.

Leider mit einer kleinen Einschränkung: Den Pandemiebestimmungen folgend hat sich der Knabenchor über die ganze, wirklich die ganze Breite des Kirchenschiffes aufgestellt. Wer die Akustik der Abteikirche kennt, wird wissen, was das bedeutet: Der lange Nachhall verwässert, laienhaft ausgedrückt, die klare Reinheit der Stimmen. Ein Vergleich dazu mit den jungen Sängern auf der großen Empore aufgestellt wäre sicher interessant gewesen. Trotzdem: endlich wieder ein hochkarätiges Konzert oben im Kloster. Unbedingt mehr davon.

So eine „Bühne“ will genutzt werden. Auch könnten mit Kamera und Beamer die Akteure von der Empore leicht im Innenraum gezeigt werden. Ideen dafür gäbe es sicher viele.

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