Kreis will für Umfahrungen kämpfen

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Neresheims Ortsdurchfahrt ist zu eng für die vielen Fahrzeuge, die hier täglich durch müssen.
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Kreistag stellt einstimmig die Notwendigkeit von Ortsumfahrungen für Neresheim und Ohmenheim fest, und wird sich für die Aufnahme beider Projekte in den Bundesverkehrswegeplan einsetzen.

Neresheim
Neresheim darf Hoffnung schöpfen. Der Kreistag unterstützt das Bestreben, Ortsumgehungen für Neresheim und Ohmenheim zu schaffen und will die Maßnahmen zur Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan 2030 anmelden. Der wird wohl 2023 fortgeschrieben, was Gelegenheit für neue Anträge gibt.
„Das ist großartig. Es ist noch ein weiter Weg, aber der erste Schritt ist getan. So weit waren wir noch nie. Vielen Dank an den Kreistag und die Landkreisverwaltung“, freut sich Bürgermeister Thomas Häfele nach der Sitzung am Dienstagabend.
Der Kreistag hat einstimmig die Notwendigkeit von Ortsumfahrungen für Neresheim und Ohmenheim festgestellt und beschlossen, dass der Landkreis sich für die Aufnahme beider Maßnahmen in den Bundesverkehrswegeplan einsetzt. Weiter wurde beschlossen, dass, falls weitere Verkehrsuntersuchungen nötig sein sollten, Neresheim diese vornimmt.
Gefreut hat Häfele auch, wie er sagt, dass die Nordvariante für eine Umfahrung Neresheims vom Gremium einhellig als beste Lösung betrachtet wird.
Die Lage ist unstrittig: Mitten durch Neresheim und Ohmenheim verläuft die B466, die Nördlingen und Heidenheim verbindet. Fußgänger haben kaum Platz, wenn sich Laster durch die Stadt drängen. „Die historische Altstadt lässt keine Veränderungen zu. An manchen Stellen haben wir nur 40 Zentimeter für Fußgänger, wenn sich zwei 40-Tonner begegnen, ist das gefährlich.“ Mit Sätzen wie diesen hat Häfele in seinem Wortbeitrag das Gremium überzeugt. Aber auch die Verkehrszahlen und die Situationsbeschreibung, die die Stadt Neresheim dem Kreistag an die Hand gegeben hatte, liefern gute Argumente: Dass die Lage in Neresheims Innenstadt für Fußgänger gefährlich ist, hat bereits 2004 ein Gutachten des Büros Dr. Brenner und Münnich belegt. Hinzu kommen Belastungen durch Lärm und Abgase.
Stark befahren ist die B466. Die Verkehrsuntersuchung des Landkreises für die B29neu hat, als Nebeneffekt, ergeben, dass sich täglich im Schnitt 9.000 Fahrzeuge, davon 770 Lkw, durch die Ortsdurchfahrt Neresheim drängen. Die Prognose bis 2030 sagt täglich 13.000 Fahrzeuge (1.010 Lkw) voraus. Nicht berücksichtigt ist dabei eine mögliche Südumfahrung Nördlingens, die wohl noch mehr Verkehr aufs Härtsfeld brächte. Die Untersuchung des Landkreises hat auch gezeigt, dass Maßnahmen auf der B466 unabhängig von der B29 zu sehen sind.


Die Planfalluntersuchung von Modus Consult vom Februar 2021 bestätigt die starke Belastung beider Ortsdurchfahrten und zeigt auf, wie Ortsumfahrungen im Zuge der B466 Entlastung bringen kann. Mit einer Ortsumfahrung, so das Ergebnis der Studie, ließe sich im Zuge der B466 eine Verkehrsbelastung zwischen 4.900 und 5.000 Kfz pro Tag bündeln. Der Anteil des Schwerverkehrs ist mit zehn bis zwölf Prozent hoch, was die Bedeutung der Verbindung zwischen Heidenheim und Nördlingen unterstreicht. Die Umfahrung würde zu einer Belastungsabnahme von 3.300 Fahrzeugen in Neresheim und 2.900 Fahrzeugen in Ohmenheim führen. Im Bereich des Schwerlastverkehrs sei die Reduzierung besonders hoch. Hier könne eine Reduzierung der Schwerverkehrsmengen von bis zu 430 Lastern am Tag erreicht werden, prognostizieren die Verkehrsplaner. Neresheims Gemeinderat hat sich mehrmals mit verschiedenen Optionen zur verkehrlichen Entlastung befasst und plädiert für eine Nordumfahrung Neresheims. Und dies aus guten Gründen: Diese Trasse nutzt die bisherige Straße teilweise, bedeutet die kürzeste Streckenführung, reduziert somit den Flächenverbrauch und ist bereits im Flächennutzungsplan, sowie im Regionalplan enthalten. Durch die Umfahrung Neresheims kann die Fahrtstrecke um knapp 1,3 Kilometer verkürzt werden, was dem Klima hilft. Klar ist für den Gemeinderat aber, dass die Trasse so geplant wird, dass es zu keiner Lärmbelastung für die bestehenden Wohngebiete in der Sohlhöhe kommt.

Machbarkeitsstudie steht an

Neresheim werde sich jetzt an eine Machbarkeitsstudie machen, kündigt Häfele an. Die werde ergeben, was die Umfahrungen kostet, wie deren Verlauf sein kann und wie die Nordtrasse mit dem Flächennutzungsplan vereinbar ist. „Bis zum Spätsommer 2022 hoffen wir hier auf Ergebnisse“, blickt Bürgermeister Häfele optimistisch in die nahe Zukunft.

Applaus im Neresheimer Gemeinderat

Die Freude an diesem Mittwochabend im Neresheimer Gemeinderat ist groß. Für Bürgermeister Thomas Häfele gibt es Applaus von den Stadträtinnen und Stadträten als er mitteilt, dass der Kreistag das Neresheimer Anliegen einer Ortsumfahrung unterstützt. Der Schultes dankt erneut Landrat Dr. Joachim Bläse und den Kreistagsmitgliedern, aber auch den Neresheimer Räten. „Sie haben sich sehr viel Zeit genommen und das Thema gemeinsam erarbeitet“, sagt Häfele.

Nun sei der nächste Schritt, die Machbarkeitsstudie so schnell wie möglich auf den Weg zu bringen. Dazu werde man die finanziellen Mittel im Neresheimer Haushaltsplan einstellen. Sobald der Etat verabschiedet sei, werde man die Studie in Auftrag geben, sagt Häfele und nennt als Zeitfenster „bis März“. Er rechne damit, dass bis im Sommer dann untersucht sei, wie die Trasse topographisch verlaufen könne und was sie kostet.

„Das wird noch ein weiter Weg, aber das Kreistagsvotum war ein wichtiger erster Schritt“, sagt der Schultes. aki

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