Martin Wenzel übersteht Corona – und jetzt kommt's hart

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Er hat den Mut für einen offenen Erfahrungsbericht: Neresheims Stadtkämmerer Martin Wenzel. Der 63-Jährige hat sich Ende Oktober mit SARS-CoV-2 infiziert und ist nach einem eher milden Verlauf zum "Long-Covid-Patient" geworden.

Der Neresheimer Stadtkämmerer hat sich Ende Oktober mit dem Coronavirus infiziert. Jetzt erzählt er seine Geschichte.

Neresheim

Heute ist es wohl das erste Mal seit 1982, dass ich bei einer Sitzung des Gemeinderates fehle", bedauert Neresheims Stadtkämmerer Martin Wenzel. Der 63-Jährige ist im Oktober an Covid 19 erkrankt. "Ich kann kaum das bisschen Schnee vor meiner Garage wegräumen und kann mir nur ganz schwer vorstellen, wie es weitergeht", beschreibt er seinen Gesundheitszustand und seine Lebenssituation.

Wenzel beschreibt, wie er die Anfänge der Krise erlebt hat. "Wegen einer Vorerkrankung meines Herzens gehöre ich zur Risikogruppe und ging deshalb schon im April ins Homeoffice." Im Neresheimer Rathaus habe man von Anfang an alle Coronaregeln streng umgesetzt. Angesichts der wenigen Fälle, von denen er in der Folge gehört habe, ist Wenzel nach einigen Wochen relativ optimistisch an seinen Arbeitsplatz im Rathaus zurückgekehrt. "Ich vertraute auf die getroffenen Schutzmaßnahmen und mein Immunsystem." Mit den Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und der Maskenpflicht habe er sich gut arrangieren können.

Im Sommer entspannte sich die Coronasituation bekanntlich. Wenzels Urlaubsreise Anfang Oktober verlief ohne Probleme.

Wie und wo sich der Stadtkämmerer angesteckt hat, lässt sich nicht sagen. "Trotz der Nachverfolgung. "Bei aller Vorsicht muss ich mich Ende Oktober mit Beginn der zweiten Coronawelle infiziert haben", sagt der 63-Jährige.

Zunächst hatte er, wie er erzählt, nur leichte Symptome: Trockenheit im Rachen, Schnupfen und Husten. "Auch fühlte ich mich ziemlich antriebslos." Zeitgleich mit dem positiven Testergebnis seien erstmals leichte Gliederschmerzen und der völlige Verlust des Geruchsinns auf. In häuslicher Quarantäne durchlebte ich dann einen recht milden Verlauf – ohne Fieber.

Zwei Wochen später bekam ich plötzlich bei meinen Hustenanfällen starke Atemnot, die sich weiter verstärkte – bis hin zu Schwindelanfällen.

Martin Wenzel leidet an den Folgen von SARS-CoV-2

Atemnot und Panik

Mit Ende der Quarantäne Mitte November galt er als gesund und nicht mehr ansteckend. Doch damit endet für ihn nicht die Geschichte um SARS-CoV-2. Zunächst konnte er kräftige Gerüche wieder wahrnehmen. Aber der starke Husten blieb. "Zwei Wochen später bekam ich plötzlich bei meinen Hustenanfällen starke Atemnot, die sich weiter verstärkte – bis hin zu Schwindelanfällen. Dabei musste ich mich oft sehr beherrschen, um nicht in Panik zu verfallen."

Hausarzt und Gesundheitsamt seien übereinstimmend der Meinung, dass dies Folgeerkrankungen der Coronainfektion sind und nicht von Wenzels Vorerkrankungen des Herz- Kreislaufsystems herrühren. "Mein Hausarzt verordnete mir ein Asthmaspray und stufte mich als ‘Long Covid-Patienten' ein." Der Arzt habe gesagt, mehr könne er im Moment nicht für ihn tun.

Auch in den Wochen darauf verspürte der 63-Jährige keine Besserung. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich. Schwindel und Erschöpfung, schon nach geringer körperlicher Betätigung, nahmen zu. Weshalb Wenzel sich nun in Behandlung eines Lungenfacharztes begeben will. Die Wartezeit ist, wie auch bei anderen Fachärzten, lang. "Bis dahin hoffe ich, dass mich mein Optimismus und der Rest an Humor, den ich besitze, über die schwierige Zeit tragen."

Vor diesem Hintergrund wünscht sich Martin Wenzel, sich mit Leidensgenossen auszutauschen um sich gegenseitig Mut machen zu können. Er hofft, dass es mehr Anstöße gibt, dass sich Ärzte mit diesen Langzeitfolgen beschäftigen und dass begleitend Studien ausgearbeitet werden, um geeignete Behandlungsformen bis hin zu Rehabilitationsmaßnahmen zu entwickeln und zu schaffen.

Kontaktmöglichkeiten und Selbsthilfegruppen

Wie die bundesweite Selbsthilfeunterstützungsstelle NAKOS mitteilt, gibt es erste Selbsthilfegruppen, die sich zum Thema Corona-Folgen treffen. Mehr Infos gibt's unter nakos.de

Selbsthilfegruppen-Treffen sind während der Pandemie nur online möglich; weitere Onlineangebote sind www.c19Langzeitbeschwerden.de oder der bereits bestehende Schweizer Verein www.leben-mit-corona.ch

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