Ortrun Scherer schließt Buchhandlung

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1996 übernahm Ortrun Scherer das Schreibwarengeschäft der Brüder Ledl in der Hauptstraße und baute es zur Buchhandlung aus. Nun möchte sie das Geschäft aufgeben, um mehr Zeit zu haben.

"Ich fühle mich wunderbar und will in Zukunft mehr Zeit für anderes", sagt Ortrun Scherer und gibt in diesem Jahr ihr Geschäft in Neresheim auf.

Neresheim

Es waren immer tolle Erlebnisse und Begegnungen", erinnert sich Ortrun Scherer an das, was ihr in den 25 Jahren Buchhandlung immer am Wertvollsten war: Die insgesamt 41 hochkarätigen und in großem Umkreis viel beachteten Autorenlesungen mit bis zu 160 Besuchern. Große Namen waren dabei. Viele Auftritte, die einem lange im Gedächtnis blieben. Doch zurück zum Anfang. 1996 übernahm Ortrun Scherer in Neresheim das Schreibwarengeschäft der Brüder Ledl in der Hauptstraße und baute es zur Buchhandlung aus.

2005 dann der Umzug ins viel größere Ladengeschäft genau gegenüber. Ein Problem: "Das damals gebaute Einkaufszentrum am Stadtrand hat uns dann viel Umsatz gekostet", fasst Ortrun Scherer zusammen. Trotzdem hat sich Scherer extrem engagiert: Schulklassen kamen in die Buchhandlung, rund 200 Bücher hat sie jährlich verschenkt, dazu Lesetüten und Lesekoffer für die Schüler und vieles mehr.

Belohnt wurde sie dafür mit einer großen, treuen und sich auch immer wieder verjüngenden Zielgruppe: "Es war ein ständiges Geben und Nehmen", sagt sie im Rückblick und ergänzt: "Die vielen Gespräche mit den Kunden haben mir richtig viel gegeben".

Der Ist-Zustand in Kurzform: Eine erfüllende berufliche Aufgabe, tolle Mitarbeiter mit denen es viel Spaß macht. Auch in Coronazeiten läuft der Verkauf von Zeitschriften und Schreibwaren, auch der Online-Shop mit Auslieferung oder Abholung der Bücher funktioniert prima. Dazu die DPD- und GOA-Agentur. Warum also grade jetzt das Ende in absehbarer Zeit?

"Ich habe ein wunderbares Lebensgefühl und es war einfach lange genug", fasst Ortrun Scherer zusammen. Eine Nachfolge? "Für letztendlich so wenig Geld, ohne Urlaub und dann auch noch samstags arbeiten fängt heute niemand mehr so einen Job an", ist sich Ortrun Scherer sicher. Es sei denn er wäre hoch motiviert.

Ich möchte endlich auch mal morgens in meinen Garten gehen.

Ortrun Scherer Buchhändlerin in Neresheim

Geboren ist Ortrun Scherer am 12. März 1957. Vater Ottmar Engelhardt war lange Rektor der Härtsfeldschule, hat sich dazu als Heimatforscher, Buchautor, Journalist und mit Radiosendungen einen Namen gemacht hat. Ein Mann voller Ideen und Leidenschaften. Vieles davon findet man in Tochter Ortrun wieder. Nach der Ausbildung zur Buchhändlerin ging sie nach Stuttgart zu einem Buchgroßhandel.

Dann die Hochzeit 1981. Es kamen drei Kinder, sie lebte zwei Jahre mit ihrem Mann in den USA. Nach der Rückkehr dann der Aufbau der Buchhandlung zur heutigen Bedeutung. "Seit 25 Jahren lebe ich dieses Geschäft", fasst sie ihre Leidenschaft zusammen.

Wie es danach weitergeht? "Ich bin leidenschaftliche Gärtnerin und habe 1900 Quadratmeter Garten. Da freue ich mich darauf. Außerdem nehme ich seit acht Jahren Klavierunterricht beim besten Klavierlehrer der Welt, Hermann Durner von der Neresheimer Musikschule. Auch will ich endlich wieder Klassik in Ruhe hören." Dazu malt Ortrun Scherer noch Aquarell und spielt für SV Neresheim aktiv Tischtennis. Langeweile? "Sicher nicht", lacht sie.

Was sie sich für die Zukunft ihrer Heimatstadt wünscht? "Ein lebendige Innenstadt ohne Schwerlastverkehr und mit einer Fußgängerzone rund um Rathaus und Marienplatz. Wenn ich 15 Jahre jünger wäre, würde ich mit meinem Geschäft näher in die Stadtmitte gehen und dort so richtig lebendig machen", sagt sie und hat dabei ein Glitzern in den Augen.

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