Poetry Slam erobert das Härtsfeld

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Das furiose final four ist vorbei. Jetzt muss das Publikum entscheiden: (v.l.) Moderator Jens Hoffmann, Thomas Eiwen aus Rosenheim, die Siegerin Leonie Löwe-Krieg aus Kassel, punktgleich mit auf dem ersten Platz aber freiwillig zurückgetreten auf Platz 2
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Acht Slammerinnen und Slammer treten mit ihren Texten in der Härtsfeldhalle in einen besonderen Wettstreit. Wie das Publikum den Sieger kürt.

Neresheim

Klar weiß jeder, was ein „Poetry Slam“ ist. Genau. Mit einer klassisch-braven Autorenlesung oder einem zahmen Dichterwettstreit hat das so viel zu tun wie Golfen mit American Football. Mindestens.

Am Freitagabend in der Härtsfeldhalle in Neresheim war das so zu erleben: Acht Poets, sieben Minuten für jeden. Texte selbst verfasst und selbst vorgetragen. Mit viel Mimik, Gestik und auch Körpereinsatz. In der ersten Runde immer zwei gegeneinander. Dann noch mal vier im Finale gegeneinander.

Den Sieger kürt das Publikum über Stärke und Dauer des Beifalls. Fairer und direkter geht’s nicht. Geboten war Lyrik, Prosa, Storys und Rap. Auch ein Liebesgedicht. Lustiges und Ernsthaftes mit viel Tiefklang. Schade nur, dass kein Poet aus der Region dabei war.

Die perfekte Mischung kommt nicht von ungefähr: „Unsere Slamily (Kunstwort aus „Slam“ und „Family“) hat rund 1500 Mitglieder“, erstaunen am Anfang die Veranstalter. So waren in Neresheim drei aus dem Raum Kassel dabei, auch aus München, Schwabach oder Rosenheim. Bandbreite in jeder Hinsicht, sogar vom Dialekt. Was es zu gewinnen gab? Ein paar kleine Bottle „Neresheimer Äpfele“. Das ist ein Schnaps. Aber wahrscheinlich war Gewinn und Gewinner am Freitag nicht ganz so wichtig. Es ging um die Sache an sich, dazu gab es jede Menge Livemusik vom Duo „2Klangwelten“ und vor der Tür standen die Nördlinger Fladenpiraten mit ihrem Foodtruck. Marcel Kraft, Käptn der der Fladenpiraten, ist mit im Veranstalterteam der „Rieser Poetry Slam“.

Dort hat Jens Hoffmann die künstlerische Leitung und macht auch die Moderation. Auf der Bühne gibt er auch gleich das „Opferlamm“. Das ist der, der das Publikum mit einem eigenen Text aufwärmen darf. Natürlich außerhalb der Wertung.

Bleibt die Frage, was einen zur Teilnahme an einem Slam bringt? In der Pause gibt Finalist Thomas Schmid, 52, ein paar Antworten: „Mein Nachbar und ich wollten uns nur noch Besonderes schenken. Er bekam einen Halbmarathon. Ich einen Slam“. Das war vor zehn Jahren und seitdem hat es den Lehrer für Deutsch und Französisch „so richtig gepackt“.

So wie ihm geht es wohl allen, die mitmachen. Das spürte man in jeder Sekunde. Ein wunderbarer Abend.

Hintergrund: Der erste Poetry Slam fand am 20. Juli 1986 in Chicago statt. Veranstalter war der Gedichte schreibende Bauarbeiter Marc Kelly Smith, der seitdem als Begründer des Poetry Slams gilt.

Siegerduo: Leonie Löwe-Krieg aus Kassel, punktgleich mit auf dem ersten Platz aber freiwillig zurückgetreten auf Platz 2 Thomas Schmid aus Schwabach.
Finalist Thomas Eiwen aus Rosenheim
Punktgleich mit auf dem ersten Platz aber freiwillig zurückgetreten auf Platz 2: Thomas Schmid aus Schwabach
Finalist Raphael Breuer aus München.
Unglaublich Power und gekürte Siegerin: Leonie Löwe-Krieg aus Kassel

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