Härtsfeld-Museumsbahn

Sich einmal wie ein Lokführer fühlen

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Werner Kuhn im Führerstand seines T33. Für den Mitfahrer ergeben sich dabei völlig neue Perspektiven.
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Wer ganz vorne im Zug sitzt, fühlt sich wie mittendrin in den 1960er Jahren. Wie immer gehört die erste Fahrt des Regelfahrtages der Härtsfeld-Museumsbahn dem T33.

Neresheim

Nur kurz betätigt Werner Kuhn im Führerstand das laute Signalhorn seines T33. Dann dreht er konzentriert den Fahrregler ein bisschen nach rechts und schon setzt sich langsam der Triebwagen im Bahnhof Neresheim in Bewegung. Wie immer gehört die erste Fahrt des Regelfahrtages der Härtsfeld-Museumsbahn dem T33.

Kuhn hat ihn 1984 schrottreif in Amstetten entdeckt. Dorthin war der dieselbetriebene „Schlepptriebwagen“ nach der Schließung der Härtsfeldbahn im April 1972 auf Umwegen gekommen. Zuerst fuhr er auf der Kleinbahn Bremen-Tarmstedt bevor er, dann modernisiert, 1956 zum Sommerfahrplan auf der Härtsfeldbahn anfing.

Jetzt rollt er perfekt restauriert auf der Museumsbahnstrecke und stellt das Modernste an Zugmaterial dar, das jemals offiziell hier entlanggerollt ist.

Langsam lässt jetzt Werner Kuhn den T33 durch die Bahnhofsanlage rollen. Auffallend dabei ist sofort das „alte“ Zuggefühl. Es rattert und kreischt ein wenig in den Kurven. Jeder Gleisstoß ist innen fühl- und gut hörbar. So war das damals in den 1950er und 1960er Jahren.

Langsam gleitet die Landschaft vorüber

Schön ist der Blick aus den großen Panoramascheiben und langsam nähert sich der Zug dem beschrankten Bahnübergang über die Straße Richtung Härtsfeldsee. Toll, das einmal in langsamer Fahrt aus anderer Perspektive zu sehen und zu erleben. Dann geht es auch schon zum ersten Haltepunkt „Steinmühle“. Weiter lässt Werner Kuhn dann seinen geliebten T33 mit beschaulichen 25 Stundenkilometern entlang der Egau zum Bahnhof „Sägmühle“ rollen. Dort geht es auf der Neubaustrecke über den Haltepunkt „Iggenhausen“ bis zur neuen Endstation „Katzenstein“ am Härtsfeldsee. Langsam gleitet dabei die Landschaft an einem vorüber. Man kann sich kaum sattsehen und das Gefühl ist irgendwie einzigartig.

In Katzenstein packt Werner Kuhn dann seine Unterlagen zusammen und wechselt zum zweiten Führerstand ans andere Ende des Triebwagens. Das Zugfahrzeug wird umgesetzt. „Wir müssen ziehen, nicht schieben“, lacht Kuhn dabei. Dann geht es zurück zum Hauptbahnhof nach Neresheim. Auffallend wie konzentriert alles abläuft. Absprachen und Einfahrgenehmigung in den Bahnhof gibt es über Funk. Ein faszinierendes Hobby. Da werden nicht nur Kinderträume wahr.

Im Bahnhof ist dann für die vielen Besucher echter Rangierbetrieb angesagt. Der T33 muss aufs Ausweichgleis. Die Dampflok holt den Beiwagen ab. Hängt ihn zusätzlich an die alten Waggons dran. Das muss sein. Denn viele Besucher drängen sich schon am Bahnsteig.

Dann schiebt die alte Dampflok den langen Zug langsam in den Bahnhof. „Unten müssen wir einen halben Kubik Wasser nachfüllen. Ein Wagen mehr, alles voll besetzt und die neue Strecke ist doppelt so lang“, lacht Heizer Michael Ebert. Da staunt der Laie dann doch: Denn rund 700 Liter hat die Lok im Kessel, in den Tanks dann noch einmal 1500 Liter. Das ist halt Mechanik wie vor weit über 100 Jahren.

„Da hängt viel Herzblut drin.“

Michael Ebert,, Heizer auf Lok 12
Handarbeit ist angesagt beim Betrieb der Museumsbahn. Hier beim Umsetzen der Lok 12 am Bahnhof Katzenstein. Hintergrund: Die Lok muss immer vorne sein. Die Zügen müssen gezogen werden, nicht geschoben.
Das Flair alter Mechanik auf dem Führerstand der Lok 12. Hier werden nicht nur Kinderträume wahr.
Werner Kuhn im Führerstand seines T33. Für den Mitfahrer ergeben sich dabei völlig neue Perspektiven.

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