Strapazen und tiefstes Glücksgefühl

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Von Strapazen und tiefstem Glücksgefühl: Der Extrembergsteiger und -skifahrer Hans Kammerlander (66) war am Freitagabend in der Neresheimer Härtsfeldhalle zu erleben.
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Der Extrembergsteiger und -skifahrer Hans Kammerlander vermittelt in Neresheim vor allem auch seine innersten Empfindungen.

Neresheim

Hans Kammerlander am Freitagabend in der Härtsfeldhalle. Das war multimedial der Einblick in ein Leben, das sich wohl die meisten der rund 250 Besucher nicht einmal im Ansatz vorstellen können. „In der Jugend war es die Leidenschaft. Als Profi dann der Ehrgeiz. Jetzt im Alter finde ich wieder zur Leidenschaft zurück“, sagt Kammerlander im Rückblick auf sein Leben. Im Prinzip ist das eine einzige Abenteuergeschichte: Schon als 8-jähriger bestieg er seinen ersten Berg. Heimlich folgte er dabei einem Touristenpaar hinauf auf den Großen Moosstock (3059) oberhalb seines Heimatortes Ahornbach im Südtiroler Tauferer Ahrntal. Hier ist er geboren. Hier lebt er bis heute. Bodenständig und heimatverbunden. Trotzdem zog es ihn immer wieder fort. Mit 18 hatte er mit Partner Werner Beikircher bereits die großen Touren im kombinierten Fels-Eis-Gelände und in den klassischen Nordwänden von Matterhorn, Eiger und Grandes Jorasses gemeistert. „Auch mal in einer Jeans, weil ich die Kletterhose vergessen hat“, kommentiert Kammerlander vor den lachenden Zuschauern die Bilder aus seinen Jugendtagen und schloss dieses Lebenskapitel mit den Worten: „Jetzt hörten für mich die Alpen auf“. Reinhold Messner öffnete ihm dann 1982 mit einer gemeinsamen Expedition zur ersten Durchsteigung der Cho-Oyu-Südwestwand den Weg zu den ganz hohen Bergen der Welt. In der Folge bestieg Hans Kammerlander 12 der 14 Achttausender. Immer häufiger wählte er dabei eine Kombination schneller bis superschneller Aufstiege und die oft extremen Abfahrten mit Skiern für den Rückweg. So gelang ihm 1990 die erste Abfahrt über die Diamir-Wand am Nanga Parbat. 1996 fuhr er als erster Mensch vom Everest über die Nordwand mit Skiern bis ins Basislager. Der Aufstieg zum Everest in 16 Stunden und 40 Minuten ist bis heute die schnellste Besteigung der Nordwand des höchsten Berges der Erde. Für die eigentlich unmögliche Abfahrt benötigte er gut sechs Stunden. „In 24 Stunden war alles vorbei“ kommentierte er dabei ruhig und gelassen ein Foto mit einem schier unglaublichen Blick über die Bergwelt des Himalayas. Genau das ist wohl das Erfolgsgeheimnis der Vorträge des Hans Kammerlander. Er schafft es in hohem Maße, persönliche Gefühle zu vermitteln. Der Zuschauer ist praktisch mitten drin in Erlebnis, Abenteuer und übermenschlicher Strapazen. Staunt ungläubig über Training und Vorbereitung für die Expeditionen. Erlebt im Vortrag den Tod von Kameraden, das Leid, die Erschöpfung aber auch die grandiosen Augenblicke des Erfolgs. Dazu zeigt Kammerlander auch die unschönen Seiten des extremen Bergtourismus mit Müllbergen am Everest und setzt praktisch als Kontrapunkt dazu sein hohes persönliches Engagement für soziale Projekte. 26 Schulen, 3 Kinderheime und jüngst sogar eine Kinderblindenschule hat er in Nepal eröffnet. Toller Typ.

(Mehr Info unter www.kammerlander.com)

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