Tangenten fürs Nadelöhr Neresheim

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Im Flächennutzungsplan sind die beiden Ortsumfahrungen Ohmenheim und Neresheim ausgewiesen. Damit würden beide Orte deutlich vom Verkehr entlastet. Grafik: ca
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Die Neresheimer CDU-Fraktion erläutert die Problematik und die Notwendigkeit von Ortsumfahrungen für Ohmenheim und Neresheim. Was Landrat und Bürgermeister dazu sagen.

Neresheim

Die Gemengelage ist komplex. Den Aufschlag macht die CDU-Fraktion im Neresheimer Gemeinderat vergangene Woche mit ihrem Antrag für zwei Ortsumfahrungen: die für Neresheim und die für Ohmenheim. Damit die Ortsdurchfahrten von Stadt und Dorf entlastet werden.

Einen Antrag in die gleiche Richtung stellt dann auch die FDP-Kreistagsfraktion im Landkreisparlament in dieser Woche. Wie wichtig die beiden Anträge sind, zeigt sich darin, dass zudem Landrat Dr. Joachim Bläse und Bürgermeister Thomas Häfele Stellung nehmen.

Nach der Initiative im Gemeinderat erläuterte die CDU-Fraktionsspitze an diesem Donnerstag nun die Details, wie Neresheim aus ihrer Sicht innerörtlich vom Verkehr entlastet werden müsse. „Wenn wir jetzt nicht reagieren, passiert in den nächsten Jahrzehnten auf dem Härtsfeld nichts“, begründet Martin Grupp eingangs die Initiative. Der Fraktionssprecher der CDU im Gemeinderat macht in seinen Erläuterungen wiederholt deutlich: So kann das nicht weitergehen. „Bis 2027 müssen Planungen fertig sein, damit unsere 'Wünsche im nächsten Bundesverkehrswegeplan nach 2030 berücksichtigt werden“, sagt Grupp. Nur was in diesem Plan fixiert sei, könne realisiert werden. Aber gebaut sei deswegen noch lange nichts.

Kreistag gefordert? Vor diesem Hintergrund sei jetzt der Kreistag gefordert, um seinen Teil beizutragen, dass der Verkehr, der durch Neresheim und Ohmenheim rollt, reduziert werde. Was Martin Grupp damit meint? Die Kreisräte müssten sich für die Ortsumfahrung aussprechen und eine Planung anstoßen – wie das für Ortsumfahrungen im Virngrund mit Erfolg geschehen ist. „Dort haben sich die Bürgermeister zusammengeschlossen und entlang der L 1060 mit dem Kreistag gemeinsam für Eggenrot, Röhlingen und Zöbingen Umgehungsstraßen auf den Weg gebracht“, sagt Grupp. Indirekt fordert der Neresheimer Fraktionssprecher mit diesem Beispiel ein, dass sich das Kreisparlament geschlossen hinter Neresheim und dessen Forderung nach zwei Umgehungsstraßen stellt. Was nach der Meinung Grupps bisher so nicht geschehen sei. „Bürgermeister Thomas Häfele fehlt bisher jede Unterstützung“, sagt Grupp.

Der FDP-Antrag: Doch ganz so alleine sind die Neresheimer wohl nicht. Tags zuvor hatte die Kreistagsfraktion der FDP auf den auf kommunaler Ebene gestellten CDU-Antrag reagiert und ebenso einen Antrag formuliert: Die Landkreisverwaltung möge „die Aufnahme der B 466 in den Bundesverkehrswegeplan 2030 unterstützen“ und „eine Machbarkeitsstudie für die Ortsumfahrungen durchführen“.

Das sagt der Landrat: Zudem meldet sich Joachim Bläse zu Wort. Der Landrat verweist jedoch darauf, dass nicht nur Neresheim Forderungen formuliert: „Wir spüren derzeit, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger sowie Kommunen Gedanken machen über die Verkehrssituation in den Ortsdurchfahrten.“ Vor allem Lärm und Luftverschmutzung seien ein Thema. Bläse nimmt die Anliegen der Härtsfelder ernst, wenn er betont, dass er mit der Stadt Neresheim dazu bereits im Austausch sei. „Den Antrag der FDP möchte ich zunächst mit der Stadt und Bürgermeister Häfele diskutieren, denn der Hauptimpuls sollte von der Kommune ausgehen“, sagt er und fügt an: „Selbstverständlich unterstützen wir die Stadt beim weiteren Vorgehen, so wie wir dies auch in anderen Städten und Gemeinden getan haben.“

Fakten vor Ort: Sowohl der Flächennutzungsplan als auch der Regionalplan weisen Ortsumfahrungen für Neresheim und Ohmenheim aus. „Entsprechende Flächen sind frei gehalten“, betont CDU-Fraktionskollege Nikolaus Rupp. Der Elchinger Ortsvorsteher spielt ebenfalls darauf an, dass er und seine Fraktion das mit 112 Quadratkilometer flächenmäßig sehr groß Neresheim in puncto Ortsumfahrungen nicht ausreichend vom Kreistag unterstützt fühle.

Der Verkehr in Zahlen: „Die Zahlen aus den Untersuchungen der Verkehrsströme, die der Kreis in Auftrag gegeben hat, geben uns recht“, sagt Bürgermeister Thomas Häfele auf Nachfrage. Da sei von aktuell 9200 Fahrzeugen täglich die Rede und 770 Schwerlastern. Nach der Prognose steige die Anzahl auf 1000 Schwerlast- und 13 000 Fahrzeuge im Jahr 2035. „Das sind 3800 Fahrzeuge und 230 Schwerlastfahrzeuge täglich mehr“, rechnet Häfele vor. Der Schultes verweist auch auf bisherige Annahmen, nach denen Neresheim durch die B 29n entlastet werde, sollte die Ortsumfahrung von Bopfingen - Trochtelfingen und Pflaumloch verwirklicht werden. „Das macht in der Summe dann lediglich 1000 Fahrzeuge weniger pro Tag aus.“ Durch Neresheim und Ohmenheim würden dann immer noch, so Häfele 12 000 Fahrzeuge rollen. Deshalb brauche das Härtsfeld eigene Umgehungsstraßen. Nur so lasse sich eine erhebliche Entlastung für die Anwohner realisieren. Das zeige ein Gutachten. „Das geht von 5000 Fahrzeugen weniger pro Tag in den betroffenen Ortsdurchfahrten aus“, sagt der Schultes.

Wenn wir jetzt nicht reagieren, passiert in den nächsten Jahrzehnten auf dem Härtsfeld nichts.“

Martin Grupp, CDU-Fraktionsvorsitzender

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