Tour auf Biberspur im Egautal

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Von einem Aussichtspunkt am Wegesrand auf dem Weg von Neresheim nach Dischingen kann man aus einiger Entfernungen einen Biberbau sehen.
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Bitte nicht stören: Wo sich die fleißigen Baumeister einen faszinierenden Lebensraum mit deutlich höherer Artenvielfalt geschaffen haben.

Neresheim

Vor 26 Jahren haben sie die ersten Spuren gefunden. „Mitte der 1990er Jahre konnten wir dann Biber vom Esszimmer aus beobachten, wie sie sich häuslich eingerichtet haben. Beim Vespern legen sie sich im Wasser auf den Rücken und fressen genüsslich ihre Holzstangen. Das ist faszinierend“, schwärmen Inge Muff-Bongers und Reinhard Bongers von ihren ersten Begegnung mit den großen Nagetieren im Egautal, praktisch direkt vor ihrer Haustüre. Die Bongers sind auch im NABU Neresheim engagiert und wohnen an einem der wohl idyllischsten Orte in weitem Umkreis. Neresheim, Härtsfeldwerke 10.

„Wir sind genau am Tag nachdem die ersten Bagger angerückt waren hier in das ehemalige Büro und Wohngebäude der Kalkwerke eingezogen“, beginnen sie einen kurzen Rückblick und die Erklärung folgt gleich: „Praktisch das ganze Egautal wurde vor 36 Jahren als ökologische Ausgleichsmaßnahme für den Bau der Autobahn A7 angelegt“. Vorher war dort mehr oder weniger Industriegebiet. Letzte Zeugnisse sind in der Nähe des Wohnhauses der Bongers noch gut zu sehen wenn man dem Rad- und Wanderweg von Neresheim in Richtung Dischingen folgt. Das ehemalige Maschinengebäude etwa. Auch das Vereinsheims der Bienenzüchter, das früher einmal der Pferdestall war.

Doch zurück zu den Bibern: „Wir machen Führungen auf Biberspur im Egautal und wollen damit eine Lanze für den Biber brechen und Verständnis wecken. Denn wenn man versteht, wie der Biber lebt, kann man auch mit ihm umgehen. Mit unseren Führungen wollen wir aber ganz sicher keine Menschen ins nähere Biberrevier locken“, erläutert Inge Muff-Bongers und räumt mit einem Lachen auch schnell mit gängigen, aber absolut falschen Vorurteilen auf: „Biber fressen keine Fische und sind ganz sicher auch keine Schädlinge“. Natürlich könne es Probleme geben wenn etwa Wiesen und Äcker betroffen seien. „Aber es gibt immer einen Weg“ ist Reinhard Bongers sicher und ergänzt: „Aber von einer Konfliktsituation sind wir hier im Egautal weit entfernt.“ Nach einem kurzen Fußmarsch dann ein Blick auf die Egau. Wer genau hinschaut, kann unten am Wasser einen Biberbau entdecken.

Aber die scheuen Tiere wird man wohl kaum sehen. Erstens sind sie überwiegend nachtaktiv. Dann, wie gesagt, sehr scheu und außerdem gibt es gar nicht so viele in einem Revier. „Es leben immer nur das Elternpaar und zwei Generationen der Jungtiere zusammen. Kommen neue Junge, werden die Älteren weggejagt“, erläutern die Bongers.

Die Biber haben es sich hier bei den einmal künstlich angelegten Egauteichen so richtig biber-gemütlich häuslich eingerichtet, mehrere verschieden große „Wohnungen“ gebaut und so nebenbei leiten sie auch das Wasser nach ihren Bedürfnissen um. Sogar auf den immer häufigeren Wassermangel hier an der Egau können sie sich einstellen. „Entweder bauen sie dann entsprechend Dämme oder sie graben sich sogar bis zum Grundwasser durch. Die großen Nager sind unglaublich intelligent“, erklären die Bongers weiter.

Woran man schon von weitem erkennt, wo Biber leben? „Am Artenreichtum im Gebiet und auch am Aussehen der Weiden. Die wirken immer frisch und jung“, erklärt Reinhard Bongers. Den Hintergrund liefert er auch: „Pflanzen und Biber gehen eine Art Symbiose ein. Durch das Abfressen der Weiden werden auch die Wurzeln stärker. Ist es dem Baum einmal zu viel, produziert er einen Bitterstoff den die Biber nicht mögen und ihn dann in Ruhe lassen.“

Wenn man versteht, wie der Biber lebt, kann man auch mit ihm umgehen.“

Inge Muff-Bongers und Reinhard Bongers, bieten Biber-Führungen an
  • Biber-Geschichte von Reinhard Bongers erzählt
  • „Der letzte Biber ist im Süden Deutschlands 1834 geschossen worden. Bis auf einige wenige Biber an der Elbe war er fast vollständig ausgerottet. In den 1960er Jahren ist in Bayern an der Donau ein Wiederansiedlungsprojekt gestartet worden, das richtig gut funktioniert. Seitdem breiten sich die Biberfamilien die Flüsse hoch aus. Das Egautal bei Neresheim ist ein tolles Revier. Weitere Reviere in der Nähe sind zwischen Härtsfeldsee und Dischingen und auch bei der Wasserversorgung gibt es ein sensationelles Feuchtgebiet. Wo Biber leben, nimmt die Artenvielfalt enorm zu und sie könnten auch den idealen Hochwasserschutz schaffen. Vorausgesetzt es gibt genug Wiesenflächen, auf denen sich das Wasser ausbreiten kann.“
Vor 36 Jahren ist das Egautal als ökologische Ausgleichsfläche für den Bau der Autobahn A7 angelegt worden.
Die Biberfreunde Inge Muff-Bongers und Reinhard Bongers sind beim NABU aktiv und leben draußen im Egautal.

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