Viel Expertenlob für Wisent-Projekt

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Wisente auf dem Härtsfeld – ein Pilotprojekt.
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Die zwei Härtsfeld-Kommunen Neresheim und Nattheim planen ein in Baden-Württemberg einzigartiges Pilotprojekt mit Wisenten. Im September soll es losgehen.

Neresheim

Die Info-Veranstaltung in der Härtsfeldhalle war quasi der Auftakt einer Informationsreihe, zu der Bürgermeister Thomas Häfele mit Dr. Alois Kapfer, dem Vorsitzenden des Vereins „Naturnahe Weidelandschaften“ und Professor Dr. Rainer Luick von der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenberg zwei Granden in Sachen Natur- und Landschaftsschutz eingeladen hatte.

Häfele unterstrich bereits in seiner Begrüßung, was sich anschließend wie ein roter Faden durch die Veranstaltung zog: „Ich bin überzeugt, dass es keine bessere Form des Naturschutzes gibt als große Weideflächen.“

Man wolle Begeisterung wecken für die Beweidung, eröffnete Dr. Alois Kapfer seinen Vortrag, bei dem die Besucher auf eine Reise durch Mitteleuropa mit vorbildhaften Vorzeigeprojekten mitgenommen wurden. Am Anfang habe die Weide gestanden. Heute sei hierzulande nicht mehr viel übrig geblieben. Folge: Seit fünfzig Jahren nehme der Artenschutz kontinuierlich ab. Biodiversität könne nur erreicht werden mit mehr Weidetieren in der Landschaft in extensiver und naturnaher Form. Das Projekt der Härtsfeld-Gemeinden mit Wisenten als große Pflanzenfresser sei absolut nachahmenswert. Diese seien seit Jahrmillionen ein wesentlicher Bestandteil natürlicher und naturnaher Öko-Systeme. Schließlich seien Flora und Fauna in einer engen Koevolution von Pflanzen und Pflanzenfressern entstanden.

Kapfer zeigte auch Beispiele von Hutewäldern nach dem Stil, wie ein solcher in Oberkochen auf dem Volkmarsberg geplant ist. Das Härtsfeld sei ursprünglich als „Hardt“ eine riesige Weidelandschaft gewesen. Leider gebe es auch einen drastischen Rückgang der Schafbeweidung. Die Weide sei prädestiniert für Strukturvielfalt und sorge für ein Blütenangebot über die gesamte Vegetationsperiode hinweg. „Wir brauchen Artenvielfalt und Biodiversität für Natur- und Artenschutz. Deswegen müsse man mehr Tiere in die Landschaft bringen. Bunte Wiesenblumen bedeuteten keinesfalls, dass die Welt in Ordnung sei.

Professor Dr. Rainer Luick informierte über die notwendigen Rahmenbedingungen, sprach über biologisch-zentrierte Beweidung und eine Biodiversität-fördernde Nutzvieh-Beweidung. Auch von Luick gab es ein Sonderlob für Bürgermeister und Gemeinderat, die gemeinsam das Wisent-Projekt angeschoben hätten. Solche Beispielprojekte seien wichtig, um dem Ziel der biologischen Vielfalt einen Pusch zu verleihen. Es dürfe nicht sein, dass Naturschutzgesetze am Wald aufhörten. Man müsse in ökologischen Prozessen denken und da gebe es keine Grenzen. Beweidung sei eine sinnvolle und notwendige Strategie nicht nur für den Naturschutz, sondern auch für die Agrar- und Forstwirtschaft. Die Haltung von Weidevieh unterschiedlichster Art, auch ganzjährig, sei „ein Schlüssel, um die diversen gesellschaftlichen Ansprüche nach Tierwohl, Klimaschutz und dem Stopp des Biodiversitätsverlusts zusammenzubringen.“

So geht die Info-Reihe weiter:

Freitag, 23.Juli, 15 Uhr: Exkursion zum Beweidungsprojekt mit Auerochsen nach Bopfingen-Kerkingen, Treffpunkt 15 Uhr am Bahnhofsplatz Neresheim. Anmeldung unter der Tel-Nummer: (07326) 8112.

Samstag, 11.September, Treffpunkt 7 Uhr, Bahnhofsplatz Neresheim: Exkursion zum Beweidungsprojekt „Wilde WaldWeiden“, Tagesausflug nach Kappel-Grafenhausen zum Beweidungsprojekt mit Salers-Rindern und Konik-Pferden. Anmeldung unter Tel: (07326) 8112.

Dienstag, 21.September, 19 Uhr: Info-Veranstaltung „Wisent und Waldweide“ mit Bürgermeister Thomas Häfele, Landschaftsarchitekt Andreas Walter vom Büro „PlanwerkStadt“ und Dr. Johannes Riedl vom Wisent-Gehege. Der Ort wird noch bekanntgegeben.

Ich bin überzeugt, dass es keine bessere Form des Naturschutzes gibt.“

Thomas Häfele, Bürgermeister
Dr. Alois Kapfer

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