Von der Härtsfeldsonne verwöhnt

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Stadtgärtner Klaus Siegl und Mitarbeiterin Renata Pratschke setzen am neuen Neresheimer Versuchsweinberg die ersten Rebstöcke. Hoffentlich scheint die Härtsfeldsonne auch schön fleißig.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt Neresheim haben in bester Südlage unterhalb des Klosters einen Versuchsweinberg angelegt. Die ersten Reben sind gesetzt.

Neresheim

Mittwochmorgen. Es hat aufgehört zu regnen. Sogar die Sonne spitzt durch die tiefhängenden Wolken. Fast so, als wäre sie neugierig und wüsste schon, dass beim neueste Neresheimer Projekt ihre Mithilfe besonders gefragt sein wird. Am neuen, 400 Quadratmeter großen Weinbergsgelände, unterhalb des Klosters zwischen Allee und Ulrichstraße, ist dafür schon alles vorbereitet.

Alle Genehmigungen sind da, die Grasnabe ist abgetragen, der Boden tiefgründig gelockert und Stadtgärtner Klaus Siegl und Mitarbeiterin Renata Pratschke beginnen, die jungen Reben zu setzen. Für Renata, aus Ungarn stammend, ist es eine ganz besondere Freude: „Ich komme ja aus einer Winzerfamilie. Das ist fast wie zuhause“, sagt sie. Zum Pflanzen geben die beiden großzügig besseren Boden rund um die Wurzeln. „Ist halt schon ein wenig steinig“, kommentiert dazu der Stadtgärtner.

Bei der Auswahl der Rebsorten stand Armin Hochstatter von der Brennerei Spielberger in Schweindorf der Stadt zur Seite. Er hat gute Beziehungen zu einer Rebschule und spezielle Sorten fürs Härtsfeld ausgesucht, die besonders pilz- und kälteresistent sind.

„Es ist spannend, ob wir hier wieder etwas hinbekommen. Vor allem mit Blick darauf, dass es früher hier schon mal Weinberge gab“, freut sich Bürgermeister Thomas Häfele auf die neue Neresheimer Attraktion.

Ein Stück Härtsfeldgeschichte

Die Geschichte des Weinbaus auf dem Härtsfeld beschreibt Neresheims Stadtarchivar Dr. Holger Fedyna. Eine verkürzte Zusammenfassung: In der Tat wurde in und um Neresheim grob datiert „im Mittelalter“ auch Wein angebaut. In Ohmenheim gibt es noch eine Flurbezeichnung mit dem Namen „Weinberg“. Der örtliche Faschings- und Brauchtumsverein hat passend dazu das Häs der „Weinbergweible“. Auch zeigt ein Ausschnitt aus dem Deckenfresko von Johann Michael Zink (1733) im Kapitelsaal des Neresheimer Pfarrhauses wahrscheinlich den Landdekan Anton Mack, zugleich Stadtpfarrer in Neresheim, mit Geistlichen des Neresheimer Landkapitels beim Weinbau – vermutlich in einem Flurstück am Auernheimer Berg, das ebenfalls den Flurnamen „Weinberg“ trug. Klimatische Veränderungen, fortwährende Kriege und vor allem die starke Konkurrenz eingeführter Weine und des heimischen Bieres kann man dann als Gründe für den Niedergang der früheren Weinbaukultur auf dem Härtsfeld nenen. Man darf ihm wünschen, dass er „süffig“ wird, der neue „Neresheimer Klosterberg“ oder wie die Südlage irgendwann vielleicht einmal heißen wird.

Ich komme aus einer Winzerfamilie.“

Renata Pratschke, Mitarbeiterin Stadtgärtnerei

Neue Rebsorten und die Oechsle

Die Sorten: Relative neue, pilz- und kälteresistentere Sorten werden versuchsweise am Neresheimer Weinberg angebaut und heißen Muscaris, Sauvitage, Laurot und Pinotin. Dazu gibt es 20 Stöcke mit Tafel/Esstrauben, unter anderem russische Züchtungen, die die Kälte besser vertragen.
Erste Kelterversuche übernimmt Armin Hochstatter. Ist die Zahl der Öchsle hoch genug und der Wein gut trinkbar, will man in Neresheim weitersehen.

Der Oechsle-Wert bezeichnet die Zuckerkonzentration in einer Traube und ist entscheidend für die spätere Qualität und Trinkbarkeit eines Weines. Neben dem Boden spielt die Sonne dabei die entscheidende Rolle.han

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