Warum Kultur Geld kosten darf

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Bürgermeister Thomas Häfele begrüßt das Publikum in der Härtsfeld-Sport-Arena, wo die Big Band der Bundeswehr am 30. November zu Gast war.
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Bürgermeister Thomas Häfele steht Rede und Antwort zum Neresheimer Kulturherbst, zu hochkarätigen Künstlern und das Budget dafür im Haushalt.

Neresheim

Zwei grandiose Konzerte innerhalb einer Woche - die weltbekannten Wiener Sängerknaben und die renommierte Big Band der Bundeswehr mit Comedian Markus Maria Profitlich. Der Neresheimer Kulturherbst hat Neresheim über seine Grenzen hinaus bekannt gemacht. Jetzt hat SchwäPo-Redakteurin Ulrike Schneider mit dem Schultes über die kulturellen Glanzlichter gesprochen.

SchwäPo: Sie haben einen beeindruckenden Veranstaltungskalender mit hochkarätigen Künstlerinnen und Künstlern. Wer hat das organisiert und wie ist es gelungen, so namhafte Ensembles und Solisten zu gewinnen? 

Thomas Häfele: Federführend organisiert werden die Veranstaltungen von unserem Kulturamt. Aber natürlich packen noch viele andere mit an, beispielsweise das Hausmeisterteam oder der Bauhof. Ich bin sehr stolz auf meine Mitarbeiter. Die Künstler wissen und schätzen, dass sie in Neresheim gut betreut werden. Aber um hochkarätige Kultur zu bieten, ist eine gute Vernetzung notwendig. Außerdem hat sich Neresheim bei den Künstlern und vielen Gästen einen Namen gemacht. Das hilft sehr. 

In kurzem Zeitabstand haben die weltbekannten Wiener Sängerknaben und die fantastische Big Band der Bundeswehr mit Markus Maria Profitlich in Neresheim gastiert. Wie kam das zustande? Wie haben Sie das empfunden?

Bei den Wiener Sängerknaben hatte ich den Eindruck, dass hier der Auftrittsort, die Abteikirche ausschlaggebend war. Es hatten sich wohl auch andere Städte der Region um die Sängerknaben beworben. Aber die Neresheimer Abteikirche ist eben schon etwas Herausragendes. Bei der Big Band der Bundeswehr haben uns Kontakte zur Bundeswehr geholfen. Wir können unseren Bürgern deshalb als kleine Stadt erstklassige Kultur bieten. Und es kommen viele Besucher von außerhalb und lernen Neresheim neu kennen. Die Künstler sind begeistert von der familiären Atmosphäre und natürlich von der Stadt.  

Hilft das Kulturprogramm zum Renommee der Härtsfeldstadt?

Auf jeden Fall. Durch unser Kulturprogramm hat die Bekanntheit Neresheims deutlich zugenommen. Wir haben gezeigt, dass wir als kleine Stadt große Events hinbekommen. Dafür bekommen wir viel Lob und Zuspruch aus der gesamten Region. Ich denke, das ist auch mit ein Grund, dass uns das Land Baden-Württemberg die Heimattage im Jahr 2024 zutraut.

Haben Sie die Kultur in Neresheim bewusst forciert?

Ich bin davon überzeugt, dass Kultur wichtig ist für eine Stadt und seine Bevölkerung. Es geht dabei nicht darum, irgendwelche Feste auszurichten. Kultur ist identitätsstiftend und ein immer wichtiger werdender Standortfaktor. Man muss seiner Bevölkerung auch kulturell etwas bieten, wenn man konkurrenzfähig bleiben will. Gerade die Pandemie hat doch gezeigt, wie sehr wir die Kultur vermisst haben. Daher ist mir der Kulturbereich auch so wichtig. Und wenn ich die ausgelassene Stimmung oder die Begeisterung bei den Besuchern erlebe, weiß ich, dass dieser Weg der Richtige ist. Und noch etwas ist wichtig: Wir müssen auch unseren jungen und jung gebliebenen Einwohnern etwas bieten. Dazu tragen insbesondere die Feste bei und ich bekomme viel Unterstützung von jungen Besuchern.

Es gibt aber auch Kritik. Man spricht von „zu viel Kultur, zu vielen Festen“ und von „zu teuer“? Stimmt das?

In diesem Jahr hatten wir schon viele Veranstaltungen. Das lag aber auch daran, dass aufgrund der Pandemie viel verschoben und nachgeholt werden musste. Der gute Besuch unserer Veranstaltungen zeigt aber auch, dass viele Menschen froh waren, wieder kulturelle Veranstaltungen besuchen zu können. Besonders das „Blühende Neresheim“ im Sommer ist ein Selbstläufer geworden. Kultur kostet Geld, das ist klar. Im Haushalt 2023 haben wir beispielsweise rund 180 000 Euro für Kulturausgaben eingestellt. Dem stehen Einnahmen von rund 80 000 Euro entgegen. Ich denke, bei einem 40-Millionen-Euro-Etat ist das überschaubar. Dafür bekommen wir ein breites, hochwertiges und buntes Angebot für alle Bürger in Neresheim. Und es ist pure Werbung und Marketing für unsere Stadt.

Was antworten Sie Ihren Kritikerinnen und Kritikern?

Ich erläutere die Vorteile für die Menschen, unseren Standort und unser Stadtmarketing. Vor allem aber lade ich sie recht herzlich zu unseren Kulturveranstaltungen ein. Wer die Freude der Menschen erlebt hat, der sieht das Positive.

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