Was die Musikschule Neresheim plant

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Beim Musikschultag im vergangenen Herbst haben Schülerinnen und Schüler ihr Können gezeigt.
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Der Leiter der städtischen Bildungseinrichtung Benjamin Zierold erläutert, wie es um die Musikschule auf dem Härtsfeld steht, wo es klemmt und was für die Zukunft wichtig ist.

Neresheim

Die Corona-Pandemie war für Schulen einschneidend und für Kulturbetriebe existenzbedrohend. Eine Musikschule ist beides: Bildungs- und Kultureinrichtung. Der wichtige Beitrag, den die kulturelle Bildung für die Gesellschaft leistet, fehlte vielen, als diese nicht mehr möglich war. „Besonders die fehlende Gemeinschaft hat in allen Bereich der Gesellschaft Spuren hinterlassen“, sagt Benjamin Zierold, Leiter der städtischen Musikschule Neresheim.

Teamgeist mit Musik

Für den Neustart nach Corona ruft der Musikschulleiter deshalb „die Gemeinschaft als großes Ziel“ aus. Bereits seit einiger Zeit begegnen sich Lehrer und Schüler wieder im Unterricht. Die Kontakte zwischen den Schülern, zwischen den Kollegen, zwischen Lehrern und Eltern und zwischen den Musikern und ihrem Publikum normalisieren sich.

„Als neues und zusätzliches Angebot will die Musikschule „Togetherness“-Zeiten anbieten“, sagt Zierold. Was das ist? Man trifft sich und macht Musik, indem man gemeinsam musiziert, Musik hört, über Musik spricht und indem man viel über die Musik lernt. Am Ende sei, so der Musikschulchef, ein gemeinsamer Auftritt nur ein Teilergebnis. Weil Schüler und Lehrer gemeinsam Zeit verbringen und gemeinsame Interessen pflegen, wirke das viel nachhaltiger. „In einer Gemeinschaft treten die Beteiligten in Beziehungen, Beziehungen zu anderen, aber auch zu dem, womit man sich gemeinsam beschäftigt“, sagt Zierold. So wachse, weil man gleiches mache und  gleiche Interessen habe, eine Gemeinschaft, deren Teamgeist weit über ein Konzert hinausreiche.

Instrumente bauen

Ganz praktisch geht es bei jenen Angeboten zu, die Werkstatt- oder Ateliercharakter haben. Es soll Workshops geben beispielsweise zu „Songwriting“ und „Bandcoaching“, zum Instrumente selbst bauen und kreativen Arbeiten. „Auch externe Teilnehmer und Teilnehmerinnen sind willkommen“, sagt Zierold.

Ein Neustart

Ganz neu startet die Musikschule Neresheim mit dem Projekt „gesunde musikschule“ vom Zentrum für Musik, Gesundheit und Prävention in Kooperation mit dem Freiburger Institut für Musikermedizin und der Barmer GEK. Die Musikschule verfüge nun, so deren Leiter, über eine ausgebildete Mentorin, die allen Schülerinnen und Schülern wie auch den Musikerinnen und Musikern in den Vereinen beratend zur Seite stehe.

Sorgen um den Nachwuchs

Große Sorgen um den musikalischen Nachwuchs machen sich neben der Musikschule auch die Orchester, Chöre und Vereine - nicht nur auf dem Härtsfeld. Die Musikschule will deshalb die Zusammenarbeit mit den Partnern aus Bildung und Kultur wieder intensivieren. Was sich da tut, schildert Zierold: „Neben Musikkursen in den Kindergärten auf dem gesamten Härtsfeld und Unterrichtskooperationen in den Schulen – von der Bläserklasse bis zum Bandprojekt – ist für die langfristige Qualitätssicherung eine gute Verzahnung von musikalischer Ausbildung und Vereinsleben enorm wichtig.“ Die Musikschule sei hier kompetenter und unverzichtbarer Partner. „Wir freuen uns auf viele neue gemeinsame Projekte.“

Wunsch: Musikschul-App

Die Zeiten von Fernunterricht und elektronischer Kommunikation haben die Schwachstellen der bisherigen Digitalisierung gezeigt. Deshalb ist eine entsprechende Erneuerung in diesem Bereich ein weiteres großes Projekt der Musikschule. „Stundenpläne und Anwesenheitslisten in Papierform sollten längst der Vergangenheit angehören, ebenso einige tausend gedruckte Seiten Gebührenbescheide, An- und Abmeldebestätigungen“, sagt der Musikschulchef, der sich eine „Musikschul-App“ wünscht. Dann wäre die Kommunikation zwischen Schüler und Lehrer viel leichter.

Für all diese Pläne sind Voraussetzungen notwendig. Zierold spricht dabei von passenden Räumen, technischer Ausstattung, von Personal - und von Geld, das den Kommunen nach Corona fehlt. „Deshalb wird manches nicht so schnell gehen und für anderes müssen gute Kompromisse gefunden werden“, sagt er. Doch das Wichtigste ist, so Zierold weiter vorhanden: „Das Bewusstsein, wie wichtig eine gute Musikschule für die Stadt ist.“

Wir freuen uns auf viele neue gemeinsame Projekte.“

Benjamin Zierold, Musikschulleiter

Die Musikschule in Zahlen

An der städtischen Musikschule Neresheim unterrichten  18 Musikschullehrerinnen und -lehrer insgesamt 638 Schülerinnen und Schüler.

Neben den Aufwendungen für das Personal stehen der Musikschule im Jahr 2022 insgesamt 22 000 Euro für Unterrichtsmittel, Noten, Wartung der Instrumente, Büroausstattung und Arbeitsmittel, die Teilnahme an Lehrerfortbildungen oder für die Durchführung von Veranstaltungen zur Verfügung. 

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