Wie eine Entwicklung für Neresheim möglich bleibt

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Im Technischen Ausschuss der Stadt Neresheim ging es um den Regionalplan 2035. Der Plan ist Grundlage dafür, wo und wie sich die Kernstadt und ihre zahlreichen Ortsteile in den nächsten 15 bis 20 Jahren weiterentwickeln kann. Foto: Sandro Brezger
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Wo die Neresheimer der Schuh drückt mit Blick auf die Fortschreibung des Regionalplans 2035. Welche Potenziale eingefordert werden und wo Kritik geübt wird.

Neresheim

Der Regionalverband Ostwürttemberg schreibt den Regionalplan 2035 in einem längeren Planungsprozess fort. Mit dem neuen Plan, der zu vielfältigen Themen Auskunft gibt, soll die räumliche Entwicklung der Region geordnet und gesteuert werden.  So wird festgelegt, wo nur Landwirtschaft möglich ist, wo Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen), Neubau- oder Gewerbegebiete realisiert werden können oder verboten sind und welche Verkehrsstraßen wo verlaufen. Mit den geplanten Vorgaben des Regionalverbands für die gesamte Gemarkung von Neresheim und seinen Teilorten hat sich jetzt der Technische Ausschuss der Stadt befasst. Die Ausschussmitglieder wie auch Bürgermeister Thomas Häfele machten in der Sitzung deutlich: Sie sind mit der aktuellen Planung an zahlreichen Stellen nicht zufrieden.

Der gültige Regionalplan hätte bis 2010 gelten sollen. Noch ist er durch keinen neuen ersetzt. Das hat Bürgermeister Thomas Häfele zu der Aussage veranlasst, dass man davon ausgehen müsse, dass der neue Plan bis weit in die 2040er Jahre hineinreichen werde. „Deshalb ist es wichtig, was drin steht. Der Regionalplan 2035 weist aus, was in den nächsten Jahren auf unserer Gemarkung möglich ist“, sagte der Schultes. Es gehe darum, jetzt, rechtzeitig Wünsche zu artikulieren und diese dem Gemeinderat zu empfehlen.

Zwei bedeutende Unterschiede erläuterte Häfele dann auch gleich eingangs der Sitzung. Vorrang und Vorbehaltsflächen. Vorrang bedeutet, so Häfele, da lässt sich nur sehr aufwendig mithilfe eines sogenannten Zielabweichungsverfahren etwas ändern. Indessen könnten Kommunen Änderungen bei Vorbehaltsflächen eigenständig mit den Fachbehörden im Genehmigungsverfahren abwägen.

Die neuralgischen Flächen

Los geht es mit der Kernstadt. Gleich an fünf Stellen kritisieren Häfele und die Ausschussmitglieder die vorgelegte Planung. Für den neuen Teil des Gewerbegebiets im Riegel ist eine Erweiterung vorgesehen. Jedoch nicht dort, wo sie, laut Häfele, sinnvoll sei. „Wir sollen einen Fichtenwald abholzen, anstatt im direkten Anschluss an das neue Areal eine weitere Fläche für Gewerbe ausweisen zu können.“ Das Stadtoberhaupt schlug einen Tausch der Flächen vor.

Was die Entwicklung blockiert

Auf die Wunschliste der Neresheimer kam auch eine Fläche südlich der B 466 beim Härtsfeld-Center. Hier dürfe man sich nichts blockieren. „Wir müssen hier nichts bauen, aber wenn es in 10 oder 15 Jahren Pläne gibt, ist auf einer landwirtschaftlichen Vorrangfläche nichts zu machen“, wies der Bürgermeister hin.

Auch die Entwicklung des Lehnert-Areals sei vom Regionalplan 2035 betroffen. „Wir brauchen hier die Möglichkeit, das bauliche Potenzial zu nutzen“, so Häfele. Weitere Punkte auf der Liste sind die Sohlhöhe und die Kösinger Siedlung, wo Änderungen für Wohnbebauung im Fokus stehen.

Bei der Diskussion um die Vorrangflächen für Dorfmerkingen gab es vor allem zwei wesentliche Kritikpunkte. Die Möglichkeiten Neubaugebiete sinnvoll abzurunden müsse erhalten bleiben. „Dort, wo Entwicklung bereits geschieht, wird sie durch den neuen Regionalplan gestoppt“, sagte Häfele mit Blick auf das aktuelle Neubaugebiet. Dort und auch sonst in Dorfmerkingen müsse man sich die Option einer sinnstiftenden Weiterentwicklung offenhalten.

Beim Gewerbegebiet im Nordwesten des Dorfes gab es ebenfalls Einwände gegen Vorrangflächen für die Landwirtschaft. Ortsvorsteher Joachim Schicketanz erinnerte an eine Firma, die den Ort verließ, weil keine Entwicklungsmöglichkeit bestand. „Das sollte nicht nochmals geschehen.“

Fläche für weitere Tinyhäuser

Für den Kösinger Ortsteil Rotenberg wünschen sich die Ausschussmitglieder Flächen für zwei weitere Reihen Tinyhäuser.

Kritik aus Dehlingen

Anstelle von Vorrangflächen für PV-Anlagen in Dehlingen, plädierten die Gemeinderäte für Vorrangflächen Landwirtschaft. „Wir tragen bereits mit neun Windkraftanlagen zur Energiewende bei, da müssen nicht noch auch Freiflächen-Photovoltaikanlagen auf unserer Gemarkung stehen“, kritisierte der Ohmenheimer Ortsvorsteher Manfred Reimer.

Was alle Dörfer betrifft

„Ich wusste gar nicht, wie gut unsere Härtsfelder Böden sind“, sagte Bürgermeister Häfele in Anbetracht der vielen landwirtschaftlichen Vorrangflächen, die die Entwicklung der Kernstadt wie auch die der zahlreichen Ortsteile einschränkt. Sämtliche Teilorte trugen dazu bei, die Liste der Wünsche und Anregungen zum Regionalplan 2035 zu füllen. In der Regel waren das Änderungen, um aus landwirtschaftlichen Vorrang- Vorbehaltsflächen zu machen – mit dem Ziel in den nächsten Jahrzehnten die Option zu haben, die Dörfer, wie auch die Kernstadt, sinnvoll weiter zu entwickeln. „Wir brauchen das Potenzial für eine gestaltbare Zukunft“, forderte Häfele am Ende mit Blick auf die Regionalplaner ein.

Die Empfehlung der TA-Mitglieder an den Gemeinderat war je nach Ort und Situation einstimmig oder mit großer Mehrheit.

Gemeinderatssitzung Häfele verwies darauf, dass das Thema Regionalplan auch Thema im Gemeinderat am kommenden Montag, 21. November, um 17.30 Uhr in der Härtsfeldhalle sei.

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