Wie trotz Corona eine Hochzeit gelingt

  • Weitere
    schließen
+
Mit einem Cabrio machen sich die frisch Verheirateten auf den Weg von Neresheim nach Dehlingen. Vom Straßenrand aus werden Caroline und Paul Wörle fotografiert.
  • schließen

Paul und Caroline Wörle, er aus Dehlingen auf dem Härtsfeld, sie aus dem elsässischen Dehlingen, heiraten standesamtlich. Was die beiden erlebt haben.

Neresheim-Dehlingen

Wer mag sie nicht, die Geschichten mit Happyend. Eine solche hat Paul Wörle erlebt. Vor dem glücklichen Ende steht für den Dehlinger und seine Herzensdame Caroline jedoch eine Berg- und Talfahrt der Gefühle.

Begonnen hat seine Geschichte bereits vor Jahren. Als er nach Dehlingen ins Elsass reiste. Dehlingen auf dem Härtsfeld und das französische Dehlingen sind seit 1982 befreundet. Regelmäßig besuchen sich die Dehlinger gegenseitig. Und wie das Leben so spielt, verliebt sich Paul in Caroline. 2018 verlässt die Elsässerin ihre Heimat und zieht aufs Härtsfeld. "Welch Liebesbeweis", sagt Paul Wörle über den Umzug in ein anderes Land mit einer anderen Sprache. Glücklicherweise hat Caroline während der Schulzeit zehn Jahre deutsch gelernt.

Nach der Verlobung im Jahr 2019 beginnen die Planungen für die Hochzeit. "Im Jahr 2020 die standesamtliche Trauung, im nächsten Jahr ein rauschendes Fest", sagt Paul Wörle.

Auch für die standesamtliche Trauung werden umfangreiche Pläne geschmiedet. Ein Junggesellenabschied, nach der Trauung Livemusik, eine Kanone, aus der es "Gold regnet", ein großer Sektempfang, ein Essen und feiern bis in den Abend. Dazu soll Carolines französische Familie aus Dehlingen anreisen. Doch dann kommt die Corona-Krise. Frankreich und Deutschland machen die Grenzen dicht. Der Lockdown lässt alle Träume platzen.

Muss die Hochzeit abgesagt werden? "Wir haben keine Minute daran gedacht, die Trauung zu verschieben", erinnert sich Paul. Schon alleine deswegen, weil die für die grenzüberschreitende Hochzeit nötigen Papiere in zweisprachiger Ausfertigung nur ein halbes Jahr lang gelten. Und vor allem auch, weil im nächsten Jahr am selben Datum kirchlich geheiratet werden soll. Dafür sind Pfarrer, Kirche, Restaurant, Musiker und alles andere schon fix.

Heiraten geht auch in coronalen Zeiten – trotz Lockdown. Nur ohne Trauzeugen – lediglich die Neresheimer Standesbeamtin Daniela Stoll und eine Dolmetscherin dürfen neben dem Paar in einem Raum sein – und das mit Abstand.

An ein Fest ist nicht zu denken. Statt Party traute Zweisamkeit. "Wir lassen Pizza in unsere Wohnung liefern und essen frisch getraut alleine, lesen die Glückwünsche, die per WhatsApp eingehen, und telefonieren mit den Eltern", erzählt Paul über die erste Reaktion auf die Corona-Beschränkungen.

Wir haben keine Minute daran gedacht, die Trauung zu verschieben.

Paul Wörle heiratet während der Corona-Krise

Ein wenig wehmütig sind Paul und Caroline schon; beide sind Familienmenschen, hätten gern Vater, Mutter, Geschwister und Oma am wichtigsten Tag ihres Lebens dabei. Mit all den Emotionen, die damit verbunden sind. "Wenn etwa mit einem Taschentuch die Träne am Augenwinkel weggewischt wird", meint Paul. Oder die Küsschen links und rechts.

Dann werden die ersten Lockerungen angekündigt. Das Konsulat in Berlin bestätigt sie. "Das war für uns wie ein Silberstreif am Horizont", betont Caroline und Paul stimmt ihr zu.

Dann geht sprichwörtlich die Sonne auf. Die standesamtliche Hochzeit wird zum grandiosen Fest. Dank der neuen Regelungen dürfen nun 14 Personen bei der Trauung – mit Abstand – dabei sein. Pauls Eltern, Jutta und Harald, Carolines Eltern Patrick und Jacqueline sowie alle Geschwister des Brautpaars mit deren Freundinnen und Freuden.

Standesbeamtin Daniela Stoll hält eine berührende und sehr persönliche Traurede; die Ringe mit eingraviertem Datum werden getauscht. Lieder werden gespielt, Reis gestreut, Fotos gemacht.

Dann geht es im offenen Cabrio auf Tour. Vorbei am Samariterstift, wo Caroline arbeitet. "Da haben die Menschen uns zugewunken", freut sich die 27-Jährige. Weiter geht es nach Dehlingen. Dort auf dem elterlichen Hof ist der Sektempfang vorbereitet. Carolines Kollegen stehen – alles mit Abstand und den Vorgaben entsprechend – Spalier; mit einem Herz aus Rosen. Und Paul trägt Caroline über die "Schwelle" des Herzens.

Doch damit nicht genug. Wer auf den Hof will, um zu gratulieren, muss "Wegegeld" entrichten, das Brautpaar eine mit Süßigkeiten gefüllte Piñiata aufschlagen. Am Ende steigen zahllose pinke Luftballons in den Abendhimmel und auf sämtlichen Sekt- und Hugoflaschen sind Caroline und Paul abgebildet.

Die beiden sind bewegt, auch davon, wie der Garten gestaltet ist. "Ich mag gar nicht daran denken, wenn das alles wegen Corona ins Wasser gefallen wäre", sagt der 25-jährige Paul. Und auf die Frage, ob das im nächsten Jahr bei der kirchlichen Hochzeit noch zu toppen sei, sagt er mit einem Augenzwinkern: "Davon bin ich fest überzeugt."

Es hat doch noch geklappt: Nach allem Hin und Her freuen sich die beiden auf ihr Fest.
Bei der Trauung im Neresheimer Rathaus sind neben der Standesbeamtin und der Dolmetscherin nur die Trauzeugen, die Eltern und die Geschwister des Brautpaars dabei.

Zurück zur Übersicht: Neresheim

WEITERE ARTIKEL