Wo Bürokratie Innovation erdrückt

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SPD-Politiker zu Besuch bei der ADK Modulraum GmbH in Neresheim (von links): Dr. Carola Merk-Rudolph, Andreas Stoch, Sebastian Schmid (Leiter Projektteam) und Robert Kohler (geschäftsführender Gesellschafter).

SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch und Landtagskandidatin Dr. Carola Merk-Rudolph zu Gast bei der ADK Modulraum GmbH in Neresheim. Dort wünscht man sich einheitliche Regeln.

Neresheim

Mir fehlt der Austausch mit Menschen und damit all das Schöne am Wahlkampf. Wir sind doch soziale Menschen", sagt Dr. Carola Merk-Rudolph am Samstagnachmittag im Neresheimer Industriegebiet "im Riegel". Ihr Wahlkampfleiter Helmut Gentner hatte das Treffen bei ADK organisiert. Man kennt sich gut: Gentner war Leiter der DRK-Pflegeschule in Ellwangen, ADK hat dort modular gebaut.

Seit 2004 ist das Neresheimer Unternehmen mit dieser Geschäftsidee am Markt. Ein Erfolgsmodell. "Es ist der Wahnsinn, was hier entstanden ist. Ich bin hellauf begeistert", kommentierte Merk-Rudolph den steilen Aufstieg des Unternehmens dann bei einem Rundgang durch die weitläufige Fertigungshalle. "Wir wollen wissen, wo der Schuh drückt", fasste anschließend Andreas Stoch, SPD-Spitzenkandidat im Ländle, die Intention des Parteibesuchs auf der Ostalb zusammen.

Eine Art Heimspiel für ihn: Stoch ist 1969 in Heidenheim geboren und in Giengen aufgewachsen. Zurück zur Frage wo denn der Schuh drückt. "Wir haben das Glück, dass uns Corona nicht so bedrückt", fasst Firmenchef Robert Kohler das aktuelle Thema Nummer eins zusammen. In der weitläufigen Fertigungshalle und den drei Verwaltungsgebäuden gebe es genug Platz für die Maßnahmen. Auch die Auftragslage sei prima.

Kohlers persönliche Meinung zu Corona: "Das hat die Politik bisher parteiübergreifend sehr gut gemanagt. Es läuft viel besser, als ich gedacht hatte. Schon lange vor Corona haben wir Labore zur Erforschung von Ebola, der Vogelgrippe oder der Rinderpest gebaut. Da hatte es über fünf Jahre gedauert, bis man Testergebnisse und Impfstoff hatte." Weiter auf dem Rundgang: Große Zelte auf dem Gelände wecken die Neugier. "Die stehen hier nur vorübergehend. Darin befindet sich die neue Deutsche Botschaft für Islamabad", erläutert Kohler den staunenden Zuhörern.

In absehbarer Zeit gibt es keinen Bausand mehr auf der Erde.

Robert Kohler Firmenchef ADK Modulraum

Weiter geht's: "Homeoffice ist bei uns kaum möglich. Unsere Ingenieure und Entwickler brauchen riesen Datenmengen. Das klappt nicht", fasst Kohler dann das Thema Breitbandausbau zusammen und spart auch nicht mit einem Seitenhieb auf die fehlenden Pflichten der Anbieter. Entwarnung kommt dazu von Bürgermeister Thomas Häfele, der auf den jüngst erhaltenen Zuschuss für die Stadt verweist. Wo drückt also der Schuh am meisten? Die "erdrückende" Bürokratie und "das Fehlen einer einheitlichen Bundesbauverordnung", nennt Kohler und erläutert: "Bauen könnte viel günstiger sein. Aber wenn wir etwas für Baden-Württemberg konstruieren, können wir es in keinem anderen Bundesland sonst anbieten. Warum muss es so viele endlose Unterschiede in den Bestimmungen geben?"

Kleines eingängiges Beispiel: In jedem Bundesland seien etwa die Vorgaben für die Zimmergrößen in Pflegeheimen anders und vieles mehr. Fazit des Firmenchefs: "In den nächsten zehn Jahren wird es eine dramatische Wandlung auf dem Bausektor geben."

Natürlich liefert Kohler auch gleich den Hintergrund dazu: "Die Zementindustrie verursacht ein Drittel des industriellen CO2-Ausstoßes und in absehbarer Zeit gibt es keinen Bausand mehr auf der Erde", führt er aus und nimmt die Antwort auf die nächste Frage gleich vorneweg: "Wüstensand funktioniert nicht. Der ist vom Wind zu glatt geschliffen und verhakt sich nicht."

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