Zwei reisen ins Gestern und Heute 

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Sandra Wörle (l.) und Karin Scheble stehen nach 35 Jahren wieder vor dem Rathaus der französichen Partnerstadt von Neresheim, Aix-en-Othe.
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Vor 34 Jahren waren Karin Scheble und Sandra Wörle beim ersten Schüleraustausch zwischen Neresheim und Aix-en-Othe dabei. Was die beiden Härtsfelderinnen einst und jetzt erleben.

Neresheim

Ein Vierteljahrhundert besteht nun die Neresheimer Städtepartnerschaft mit dem französischen Aix-en-Othe. Eine Delegation aus Neresheim besuchte das  Departement Aube, in dem Aix-en-Othe liegt. Und zum Stadtfest waren unter den Gästen erneut zahlreiche Franzosen aus dem  „großen Osten“, zu der die Region im Südosten von Paris zählt.  Sandra Wörle und Karin Scheble sind zwei Härtsfelderinnen, die in diesem Jahr ihre Liebe zu diesem Teil in Frankreich entdeckt haben.

Diese  Verbundenheit begann bei den Feierlichkeiten in Aix-en-Othe. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Doch für Karin und Sandra war die Reise in die Region Champagne nicht ihre erste. Vor fast genau 34 Jahren waren die beiden Siebtklässlerinnen der Härtsfeldschule zum Schüleraustausch per Omnibus in Aix. „Alles, bevor die eigentliche Städtepartnerschaft begann“, sagt Karin Scheble.

Initiatorin: Marlies Hau

Die Initiative zum Schüleraustausch kam von Französischlehrerin Marlies Hau. „Am Schwarzen Brett hingen Porträts von Schülerinnen und Schüler der französischen Partnerschule, dem College“, erinnert sich Karin ans Jahr 1987. Auf den Blättern standen Name, Adresse und Hobbys - plus ein Foto vom potenziellen Austauschpartner oder der -partnerin. „Wir haben mit einem ersten Brief Kontakt hergestellt“, erzählt Sandra, die aus Ohmenheim stammt, heute aber in Dunstelkingen lebt. Die beiden Schulfreundinnen verfassten diesen in Französisch. Die Antwort kam auf Deutsch. „Damals gab es noch kein Smartphone, mit dem WhatsApp & Co. eine schnelle Kommunikation ermöglicht hätten“, sagt Karin. So gab es auch Postkarten zu Weihnachten oder von der Urlaubsreise.

Spannende Angelegenheit

So sei dieser Austausch schon im Vorfeld eine spannende Sache gewesen. Vor allem auch, weil Karins Austauschpartner ein Schüler war. „Ich hätte mir mit 15 damals ein Mädchen gewünscht“, erzählt sie. Doch auch diese „Konstellation“ habe ihre Begeisterung nicht geschmälert. „Das Programm war klasse“, bewertet Sandra den Aufenthalt in der Champagne. Die beiden deutschen Schülerinnen haben ihre Austauschpartner Jérémy und Sylvie in den Unterricht am Collège d'Othe et Vanne begleitet. Aber auch Ausflüge in die Umgebung, etwa nach Troyes, standen auf dem Programm. Der Tag in Paris hat die beiden aber besonders beeindruckt. „Wir vom beschaulichen Härtsfeld in eine pulsierende Millionenmetropole, das war gigantisch. Damals waren wir noch überhaupt nicht weltgewandt“, sind sie sich einig und erzählen vom Louvre und der Mona Lisa, von Montmartre und den Künstlern, von der Champs Élysées mit ihren Luxusboutiquen und von Notre-Dame, damals noch mit ihrer charakteristischen Silhouette.

Sylvie und eine Party

Die Abende verbrachten die beiden in „ihren jeweiligen Familien“. „Wir haben mit Händen und Füße geredet“, erinnern sich die beiden Freundinnen. Die Verständigung habe immer geklappt. Auch bei der Geburtstagsparty von Sylvie. „Die war besonders schön, weil wir so ganz privat gefeiert haben, Franzosen mit Deutschen“, erzählt Sandra. Die gesamte Austauschgruppe sei eingeladen gewesen. „Wir hatten eine tolle Zeit“, ergänzt Karin.

Während bei Karin nach der Heimreise der Kontakt zu Jérémy schnell abgebrochen ist, tauschten Sandra und Sylvie noch zwei Jahre Briefe aus.  Sandra und Karin hätten die Freundschaft gerne weiter aufrechterhalten.

Neuanfang nach 35 Jahren

Jetzt, 34 Jahre später, gibt es nun einen Neuanfang. Aus dem Schüleraustausch ist eine Städtepartnerschaft entstanden. Mit dem Städtepartnerschaftsverein fahren die beiden 49-jährigen Angestellten nun zum zweiten Mal nach Aix. Nicht alleine. Sandras Sohn Fabian ist auch mit von der Partie. Als Vertreter der Jugendinitiative.

Natalie, die Tochter von Karin wäre auch gerne dabei gewesen. Aber die Abschlussprüfung habe das verhindert. „Unsere Teilnahme war eine spontane Entscheidung“, erzählt Karin. Die sich gelohnt habe. Sie lernen Elisabeth kennen. Sie lebt in Vulaines, einem Ort unweit von Aix. Im Nachbarhaus von Elisabeth, einer familiären Pension, waren Sandra und Karin untergebracht. Elisabeth fungierte als „Chauffeurin“ der beiden. Die drei sind sich sympathisch. Der Samen der Freundschaft ist gestreut.  Selbst wenn die drei teilweise mit Hilfe einer Übersetzungs-App kommuniziert haben. „Wir haben Elisabeth und viele nette Franzosen kennengelernt, haben eine großartige Gastfreundschaft erlebt und hatten jede Menge Spaß“, sagt Karin und Sandra stimmt ihr zu.

Freude auf die Fahrt zu Freunden

Auch wenn ein Treffen auf dem Neresheimer Stadtfest in diesem Jahr aus persönlichen Gründen nicht geklappt hat. Der Kontakt ist da. Der Samen der Freundschaft soll gedeihen. „Wir wollen weiterhin in Verbindung bleiben, das ist heute mit den sozialen Medien wesentlich einfacher als früher“, sagt Karin und freut sich schon jetzt auf die nächste „Fahrt zu Freunden“.

Ein Bild aus dem Jahr 1988. Karin Scheble und Sandra Wörle waren mit diesem Bus in Aix-en-Othe zum Schüleraustausch.
Sandra Wörle und Karin Scheble vor 34 Jahren

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