Wohin Hans-Josef Joas pilgert

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Jetzt heißt es erst einmal Abschied nehmen: Hans-Josef Joas (69) macht sich am kommenden Montagmorgen froh gelaunt von Ohmenheim zu Fuß auf nach Santiago de Compostela. Rund 2500 Kilometer in 90 Tagen.

Der Ohmenheimer will 2500 Kilometer in 90 Tagen absolvieren. Was er sich von der Pilgerreise verspricht und wie die Strecke während der Corona-Pandemie zu bewältigen ist.

Neresheim-Ohmenheim

Nein, seine fast 70 Jahre sieht man ihm wahrlich nicht an. Schlank und gut trainiert ist er. Nimmt regelmäßig an Stadtläufen teil und läuft den Ipf-Ries-Halbmarathon. Auch der Arzt bescheinigt ihm beste Gesundheit. Somit sind körperlich schon mal die Voraussetzungen für sein Mammutprojekt bestens. Das führt ihn nach Santiago de Compostela.

"Aber Vieles spielt sich dann wohl eher im Kopf ab", vermutet Hans-Josef Joas. Das glaubt man glatt, wenn man einfach nur mal die nackten Zahlen seines Vorhabens betrachtet. Rund 2500 km Strecke in 90 Tagen. Zu Fuß mit einem rund zwölf Kilogramm schweren Rucksack. Keine Pausentage bisher geplant. Rund 30 Kilometer am Tag hat er sich vorgenommen.

Allein das wäre in "normalen" Zeiten schon eine echte Herausforderung. Zurzeit kommen dann noch diverse Einschränkungen dazu. Die Übernachtungsmöglichkeiten sind weitgehend geschlossen. Die eigentlich perfekte Infrastruktur auf den berühmten und beliebten Pilgerwegen momentan weitgehend lahmgelegt. Die Grenzen waren natürlich auch zu. Ob er überhaupt durchkommt, weiß er bis jetzt noch nicht.

Aber Joas ist bestens vorbereitet, hat die Route akribisch geplant. "Ich mache mich einfach auf den Weg und schaue von Tag zu Tag, was da kommt. Aber ich muss auch niemandem etwas beweisen", hat er sich vorgenommen und weiß, dass es wohl erst einmal ein paar Tage dauert, bis er sich vom Alltag soweit runterfährt, dass er sich mental auf den Weg und die Situation einlassen kann.

Ich bin neugierig, freue mich darauf, unterwegs zu sein

Hans-Josef Joas Ohmenheimer Pilger

"Ich bin neugierig, freue mich darauf, unterwegs zu sein, Leute zu treffen und Landschaften aus Sicht des Wanderers wahrzunehmen", nennt Joas als seine Motivationsgründe. Ein bisschen Abenteuerlust ist natürlich auch dabei, auch die Geschichte des Weges ist interessant und auch der religiöse Aspekt spielt eine Rolle. Wenn auch keine so große. Trotzdem bekommt er am Sonntag in Flochberg auch seinen Pilgersegen. Was zu seiner langen Tour dazugehört? Der Pilgerausweis der Deutschen Jakobsgesellschaft. Den hat er freilich auch dabei.

Am Montag ganz früh geht es dann los. Das Ziel ist ganz klar Compostela. Doch zuerst geht es mal nach Giengen, Hürben, Herbrechtingen. Dann weiter nach Thalfingen und Ulm und über Oberdischingen bis nach Meersburg.

Dann über den See rüber in die Schweiz nach Frankreich und dort bis zum Zusammentreffen der verschiedenen Routen in der Kleinstadt Pied-de-Port am Fuße der Pyrenäen. Hier wird sich dann vor allem zeigen, ob der Weg durch Spanien offen ist und wie weit Joas dann noch kommt.

Und wenn es nicht klappt? "Dann schenke ich mir den Rest des Weges nächstes Jahr zum 70. Geburtstag", lacht er im Wissen, dass er "ein Beißer ist, der nicht so schnell aufgibt". Na dann "Hals und Beinbruch" und eine gute Zeit.

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