„Trott-art“ für mehr Selbstwertgefühl

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Gemeinschaftsprojekt beim Bildhauer-Workshop: Aus einem großen Sandsteinblock entsteht das Objekt einer verzweifelten und zerrissenen Frau.
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„Enthaltung des inneren Schweinehundes“ und „Schwarze Madonna“ heißen unter anderem die Werke, die bei einem Bildhauer-Workshop des Vereins Trott-war für sozial benachteiligte Menschen entstehen.

Fleinheim

Stolz und glücklich präsentiert Murat Taskin (38) im Kunst-Workshop „Trott-art“ des Stuttgarter Vereins Trott-War im idyllischen Fleinheim seine „Schwarze Madonna“. Die hochwertig wirkende Skulptur ist aus schwarzem Diabas gearbeitet. Einem harten Stein mit schöner Maserung. Die hohe Qualität der Arbeit kommt nicht von ungefähr. Murat Taskin hat Kunst studiert an der Freien Kunstschule in Stuttgart. Hat seinen Abschluss gemacht in Richtung Bildhauer und Maler. Dann lief es für ihn nicht so gut.

Eine neue Chance

Bei Trott-War bzw. Trott-art hat er jetzt eine Chance. Demnächst wird der Verein eine Kunstwerkstatt eröffnen und Murat Taskin dort die Leitung übernehmen. So kommt er wieder in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.

„Murat ist ein richtiger Macher, der von früh morgens bis spät abends arbeitet“, sagt Helmut Schmidt, Trott-War-Geschäftsführer. Murat Taskin hat neben den beiden Bildhauermeistern im Camp auch eine Führungsrolle. Das Gemeinschaftsprojekt der Teilnehmerinnen und Teilnehmer liegt in seinen Händen. Aus einem großen Sandsteinblock entsteht dabei ein weiblicher Torso, verzweifelt wirkt die Frau. Dann wird der Block in vier Teile zersägt und diese in verschiedene Richtungen verrückt. „Eine verzweifelte Frau ist dann noch zerrissen“, beschreibt Murat Taskin das Projekt.

Ein paar Meter weiter arbeiten andere Teilnehmer an ihren Werken. Dabei ist Andrezj Estko. Der gebürtige Pole lebt seit 40 Jahren in Deutschland, ist deutscher Staatsbürger und wurde 2018 wegen seines ehrenamtlichen Engagements zum „Stuttgarter des Jahres“ gewählt. Seine Skulptur zeigt vier Hände, die etwas halten. „Enthaltung des inneren Schweinehundes“ nennt er sein Werk.

Seit 2019 organisiert der Stuttgarter Obdachlosenverein „Trott-War“ jetzt schon jährlich einen Workshop zusammen mit interessierten und handwerklich geschickten wohnsitzlosen Menschen unter der Anleitung von Künstlern. Seit zwei Jahren im idyllischen CVJM-Heim im Wald oberhalb von Fleinheim. Neben unbehauenen Steinen dienen auch Holz, Ton, Sandstein und Gips als Rohmaterial für die dreidimensionalen Schöpfungen. „Das kreative Arbeiten stärkt die sozial benachteiligten Frauen und Männer und gibt ihnen Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen. Es ist schön zu sehen, wie sie mit und an ihren Projekten wachsen“, beschreibt der Trott-War-Geschäftsführer Helmut Schmid. Gesponsert werde das Camp übrigens von Porsche.

Echte Macher: Trott-war-Geschäftsführer Helmut Schmid (l.) und Murat Taskin.
Beim Kunst-Workshop „Trott-art“ in Fleinheim entstehen tolle Objekte.

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