"Alte Linde": Klassische Küche, und doch ein bisschen anders

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Marc Mohring (rechts) und Fritz Gemeinhardt betreiben die Alte Linde gemeinsam.
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Wie Marc Mohring und Fritz Gemeinhardt aus der rustikalen Wirtschaft in Waldhausen ein Restaurant im modernen Landhausstil machen.

Aalen-Waldhausen Wer die „Alte Linde“ von früher kennt, der staunt: Aus dem einst rustikalen Landgasthof ist ein Restaurant im schicken Landhausstil geworden. Geblieben ist der Grundriss, komplett verändert sind Einrichtung und Gestaltung, im Restaurant wie im Nebenzimmer. Stoffbezogene Stühle, Sofas, Bänke, gediegene Echtholztische, warme Naturtöne wie Beige, Braun, Grün und Grau erinnern eher an Wohnzimmer als an Wirtschaft. Statt Fliesen nun moderner Boden in Holz-Optik, Teile der Wände und Decke bekleiden echte Pflanzen und echtes Moos. Ein Hingucker, aber mit Funktion: „Unser Ziel war auch, den Geräuschpegel zu senken“, sagt Fritz Gemeinhardt, einer der beiden Betreiber.

Die Speisekarte

„Essen ist ein Bedürfnis, Genießen ist eine Kunst“ – das ist die Philosophie von Marc Mohring und Fritz Gemeinhardt. Vor sechs Jahren hat das Paar die „Alte Linde“ übernommen. Sie setzen auf qualitativ hochwertiges Essen, „aber kein Schicki-Micki oder so was wie Molekularküche“, betont Mohring. Beide sind bekennende Fans der klassischen Küche. Der Schwerpunkt liegt auf gutbürgerlichen sowie internationalen Gerichten. Wann immer möglich, stehen Gerichte mit Produkten der jeweiligen Saison auf der bewusst überschaubar gehaltenen Speisekarte. Marc Mohring: „Ich bin kein Fan davon, im Dezember Erdbeeren zu verkaufen.“ Gerade sind die Tagesempfehlungen beispielsweise Steinpilze, lecker mit Bandnudeln, aber auch Wild, Ente oder Gans. Auf der regulären Karte: Schnitzel, Rostbraten, Maultaschen oder Kässpätzle, Klassiker eben, „und doch immer ein bisschen anders“, sagt Koch Mohring. So gibt es das Wiener Schnitzel beispielsweise mit „Alte Linde“-Hausfritten. Das sind Kartoffelstäbchen, hausgemacht, mit ein bisschen Schale dran, ein wenig naturbelassen. Oder das Gemüsecurry: unter anderem mit Süßkartoffeln und Edamame, einer besonderen Sorte Sojabohnen. Oder Kässpätzle: In der „Alten Linde“ mit dem Siegel „Chef’s Spezial“. Mohring findet: „Es gibt keinen Grund, Kässpätzle lieblos zu machen. Frisches Gemüse vom Markt statt einfarbiger Käsepampe und ein ordentlicher Bergkäse statt günstigem Industriekäse, das schmeckt man einfach.“

Zutaten aus der Region

Kartoffeln und Eier kommen vom Bauernhof aus Ebnat, Gemüse tagesfrisch vom Markt, Fleisch vom Metzger in Neresheim, Wild von der Ostalb, „und die Enten sind bei uns aus dem Bayerischen und nicht aus Polen“, zählt Mohring auf. Das sichere einen bestimmten Qualitätsstandard, sei aber schon in der Beschaffung teurer als der Einkauf im Großhandel, was sich im etwas höheren Preisniveau auf der Speisekarte niederschlage.

In der „Alten Linde“ sei das klassische Wiener Schnitzel „selbstverständlich“ vom Kalb, ebenso das Cordon Bleu, betont Mohring. Und das klassische Handwerk: Alles werde frisch zubereitet, Soßen oder Brühen aus dem Päckle sind verpönt, beides werde handgemacht. Und die Optik: Das Bund Spargel beispielsweise wird aufgepeppt, indem es wie ein Geschenk verpackt wird. Zudem arbeite man nach Möglichkeit „mit ausgebildetem Fachpersonal“; unter anderem mit Sandra Funk aus dem ehemaligen „Adler“ in Unterkochen als Restaurantleiterin. Zehn Mitarbeitende inklusive Aushilfen sind zurzeit bei der „Alten Linde“ in Lohn und Brot.

Zwei mit besonderer Geschichte

 Der 40-jährige gebürtige Ellwanger Marc Mohring hat Gastronomie sozusagen mit der Muttermilch eingesogen; seine Eltern betrieben dort über Jahrzehnte den Stiftskeller. Mohring lernte Restaurantfachmann, studierte Betriebswirtschaft, doch die Gastronomie ließ ihn nicht los. Parallel zum Studium jobbte er im Restaurant auf der Kapfenburg, war anschließend dort mehrere Jahre beschäftigt. Sein Mann Fritz Gemeinhardt (37) stammt aus einer Hotelierfamilie in Aschaffenburg. Nach der Ausbildung zum Hotelfachmann sattelte er den „Bankkaufmann“ drauf, arbeitete in verschiedenen Hotels in ganz Deutschland, zuletzt in Lübeck. Kennen lernten sich die beiden auf der Wiesn in München. Gemeinhardt zog vom Norden auf die Ostalb. Managt seither den Restaurant- und den Hotelbetrieb der „Alten Linde“ mit 30 Zimmern. Für Einkauf und Küche ist Marc Mohring zuständig.

Im siebten Jahr der Selbstständigkeit

In den Jahren ihrer Selbstständigkeit haben sie am Image der „Alten Linde“ konsequent gearbeitet, ließen sich auch von Corona-Lockdowns nicht entmutigen. Schufen den modernen Biergarten vor der Tür, nahmen nach und nach Erneuerungen vor, zum Beispiel bei Geschirr und Besteck, und nun die nagelneue Inneneinrichtung. Auch wenn das Restaurant in Waldhausen bei vielen Aalenern noch immer nicht „auf dem Radar“ sei – so langsam spreche sich herum, dass sich ein Besuch lohne, sagt Fritz Gemeinhardt. „Die Leute, die uns schätzen, schätzen uns wegen der Qualität.“

Gut zu wissen: Was die „Alte Linde“ bietet

Besonders beliebt:  Schwäbischer Zwiebelrostbraten vom Rib-Eye, Cordon Bleu vom Kalbsrücken, Kässpätzle mit echtem Bergkäs

Das Schmankerl: Gemüse-Curry vegan, mit Süßkartoffel und Edamame, Curry-Cocos-Sauce, Cashewkernen und Basmatireis, 17,80 Euro.

Das teuerste Gericht: Schwäbischer Zwiebelrostbraten mit Schmelz-Zwiebeln, Grüne-Bohnenvariation und Spätzle: 27,80 Euro. 

Günstigstes Gericht:  Kässpätzle mit Bergkäs, Marktgemüse, Rahm und Zwiebeln oder Geschmälzte Maultaschen mit schwäbischem Kartoffelsalat – beides je 13,80 Euro. 

À la-carte-Restaurant und Nebenzimmer: jeweils 50-60 Sitzplätze. Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen. Tischreservierungen unter: Tel. (07367) 2001. 

Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch, 17.30 bis 22 Uhr. Donnerstag u. Freitag Ruhetag. Samstag 17.30 bis 22 Uhr, Sonntag u. Feiertage: 11.30 bis 14 Uhr und 17.30 bis 21 Uhr. Außerhalb der Öffnungszeiten nach Vereinbarung.

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Ein Blick in das neu gestaltete Restaurant: warme Töne, wohnliche Optik.
Der Zwiebelrostbraten: ein "Renner" in der Alten Linde
Auch das Nebenzimmer der "Alten Linde" wurde umgestaltet.

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