In Waldhausen liegen die Nerven blank

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"Alles im Zeitplan", heißt es auf der Baustelle der Kita in Waldhausen. Am Dienstag sollte dazu im Ortschaftsrat über die Vergabe der Gewerke für die Außenanlage vorberaten werden, jedoch waren die Sitzungsunterlagen noch nicht fertig.

Kita, Ampel statt Kreisverkehr und Atommüll-Endlager: Zu Beginn und am Ende der Sitzung wurde es im Ortschaftsrat so richtig emotional.

Aalen-Waldhausen

Schweres Foul gleich in der ersten Spielminute der Ortschaftsratssitzung: Herbert "Joe" Brenner, Ex-Ortsvorsteher und politisch unter anderem im Ältestenrat aktiv, regte sich mächtig auf. Erstens, weil Referent Harald Wirth, der städtische Beauftragte für Jugendbeteiligung, nicht pünktlich um 19 Uhr vor Ort ist. Vor allem aber zweitens über die Absetzung eines von nur zwei Tagesordnungspunkten: "Das glaubt doch kein Mensch. Da steckt doch wieder etwas dahinter. Das ist keine Art und Weise. Das lasse ich mir nicht bieten", schimpfte er in Richtung Ortsvorsteher Patriz Gentner und verlies nach kurzer Debatte am das Gemeindehaus.

Was war geschehen? Kurzfristig hatte die Stadt die Vorberatung zur Vergabe der Arbeiten an der Außenanlage der neuen Kita von der Tagesordnung genommen. Begründung: "Die Unterlagen sind nicht rechtzeitig fertig geworden."

Gentner dazu: "Für die Außenanlagen ist noch viel Zeit. Das macht doch nichts aus." Während Joe Brenner wütend den Saal durch die obere Tür verlies, kam Wirth zwei Minuten später durch die andere Tür herein. Wirth war zuvor im Ortschaftsrat Wasseralfingen gewesen. Übrigens: In Waldhausen hatte man laut Ortsvorsteher auf früheren Wunsch von Herbert Brenner die Sitzung extra eine halbe Stunde früher als üblich angesetzt.

Debatte über Jugendgremium

Vielleicht ganz gut, dass Brenner nicht mehr da war, denn auch Wirths Sitzungsunterlagen waren nicht vollständig und müssen nachgereicht werden. Dies hat aber mit der schnellen Entwicklung der Lage in Sachen Jugendgremium zu tun. Bisher gab es nicht genug Unterschriften für den Antrag von politischen Jugendverbänden auf Einrichtung eines Jugendgemeinderates. Jetzt sind weitere dazu gekommen und zwingen die Stadt, tätig zu werden. Wirth zieht momentan durch die Ortschaftsräte und stellt dort drei Konzepte politischer Jugendbeteiligung in der Gesamtstadt vor – zwei haben politische Jugendorganisationen, eines OB und Verwaltung ausgearbeitet.

§Die beiden ersten Konzepte gehen sehr in Tiefe, Konzept drei soll eher pragmatische Züge aufweisen§, erklärte Wirth. Differenzen, Abstimmungsbedarf und Fragen gab es viele. Etwa ob und wie das Gremium gewählt werden soll, welche Altersgrenzen es geben und wie die Beteiligung an der politischen Arbeit insgesamt aussehen soll.

Tenor im Gremium: "Auf dem Teppich bleiben und nicht abheben". Soll heißen: Erst mal klein anfangen und schauen, was sich auf Dauer realisieren lässt. Entscheidung dazu gab es im Waldhäuser Rat dazu keine. Empfehlung auch nicht. Wirth nahm die Anregungen mit ins Rathaus zur weiteren Bearbeitung.

Ja ist denn schon Wahlkampf?

Die Emotionen kochten am Ende. Karl Dambacher (CDU) echauffierte sich über die "Ampelanlage statt Kreisel" am neuen Knotenpunkt Ebnat-Ost der grade im Bau befindlichen Nordumfahrung. "Das habe ich in der Zeitung gelesen. Ein Schildbürgerstreich erster Güte", wetterte er unter anderem und verlangte vehement eine Neuplanung.

"Das ist eine Bundesstraße", warf Gabriele Ceferino Conception (Bündnis 90/Die Grünen) zaghaft ein. "Dann muss man an den Scheuer gehen", ließ sich Dambacher ebenso wenig beirren wie von der Tatsachen einer abgeschlossenen Gesamtplanung und dem erfolgten Baubeginn. Letztlich hätten auch die anderen Räte gerne einen Kreisverkehr gehabt und sprachen sich dafür aus. Allerdings mit spürbar mehr Realitätssinn.

Dem nicht genug: "Ich habe in der Zeitung auch gelesen, dass bei uns das Endlager für Atommüll vorgesehen ist. So ein Blödsinn bei dem Karstboden. Da müssen wir alle dagegen kämpfen. Vor allem auch die Presse", führte Dambacher nicht minder aufgebracht und lautstark aus.

Einwände des Ortsvorstehers, dass dies nicht der Tatsache entspräche und niemand in den nächsten zehn bis 20 Jahren etwas Genaues sagen könne, konnten Dambacher nicht beruhigen. Tipp: Klärung bringt ein Klick auf www.bge.de oder die Website des BUND.

Kompliment für die Schule

Versöhnliches zum Ende: "Zwei Kolleginnen haben ihre Stunden erhöht, damit das Aufkommen geleistet werden kann", informierte Ortsvorsteher Patriz Gentner über die Arbeit in Coronazeiten an Waldhausens Schule. Gemeistert wurde dort praktisch doppelte Arbeit durch die Schule vor Ort und Homeschooling. "Dafür müssen wir ein ganz großes Kompliment weitergeben", lobte Gentner unter dem Beifall des Gremiums.

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