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Zum Wasserskilift am Friedberger See

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Karte Tour Neresheim Friedberger See
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Übers Härtsfeld ins Donau- und ins Lechtal zu einem beliebten Freizeitsee. Und durch eine von Gletschern geformte Landschaft wieder zurück.

Neresheim

Straßen, die durch topfebene Landschaft führen, müssen nicht unbedingt langweilig sein. Das hat der Reporter bei seiner Tour ins Lechtal gelernt.

Diesmal startet er in Neresheim, am Bahnhöfle der Museumsbahn. Von dort aus gleich rauf den Ulrichsberg, vorbei am Kloster und an der nächsten Kreuzung rechts. Durchs Tiefental nach Hohlenstein, über Kösingen nach Forheim. Zwischen den beiden letzteren Orten überquert man die Landesgrenze. Und man erlebt dabei eine Seltenheit: In Württemberg ist die Straße besser als in Bayern. Kommt nicht oft vor, aber bereits in Forheim ist die Sache wieder ausgeglichen.

Sanft fällt das Härtsfeld dem Donautal zu. Hier bestimmen Wald und Landwirtschaft das Leben. Die Getreideernte ist in vollem Gange und allenthalben verursachen die monsterhaft großen Mähdrescher Staubwolken apokalyptischer Ausmaße.

Über Amerdingen und Diemantstein nach Bissingen. Von dort soll’s auf der Staatsstraße 2221 durchs Kesseltal ins Donautal gehen. Doch in Kesselostheim ist die Ortsdurchfahrt gesperrt. Diesmal kein Schleichweg, kein Durchkommen. Eine freundliche Postbotin weist dem Reporter den Weg: Zurück nach Bissingen, vor dem Ort (an der großen Molkerei) links und über Brachstadt zurück zur Staatsstraße. Es ist nicht die offizielle Umleitung, aber die Zahl der Autos, die unterwegs sind, zeigt, dass sie gut angenommen wird.

Man trifft in Donaumünster im rechten Winkel auf die B 16, und wenn man nach Rain am Lech will, muss man links. Der Reporter düst dann von Rain aus am Ostrand des Lechtals entlang, Richtung Aichach, später Thierhaupten. Die Straße weist zwar weder Gefälle noch Steigungen auf, hat aber flotte Kurven, und die allermeisten davon sind übersichtlich. Über Thierhaupten geht’s nach Rehlingen und wenig später beim Weiler Au biegt der Tourenfahrer nach links, um einen Abstecher hoch zum Schloss Scherneck zu machen. Die haben dort einen schönen Biergarten. Doch am Vormittag um Elf ist ihm noch nicht nach einem Mittagessen, nach Bier schon gar nicht. Doch nach einem Cappuccino und einem Stückle Apfelkuchen.

Als er wieder unten im Lechtal ist, brettert er über Mühlhausen zur A 8, fährt knapp drei Kilometer Richtung München, um die Autobahn bei der Ausfahrt Friedberg wieder zu verlassen. Vor der Stadt stößt er auf die B 300. Links weg, gleich wieder links und das Sträßle bringt ihn zu den Parkplätzen am Friedberger See.

Der Baggersee ist fast rund, etwa 450 Meter im Durchmesser und maximal 15 Meter tief. Parkplätze und Zutritt sind kostenlos, es gibt eine umfangreiche Infrastruktur. Nicht nur Umkleiden und Duschen. Man findet das Restaurant „Seehaus“ mit Café und Bar, zwei ortsfeste Pommesbuden; in einer gibt’s sogar Pizza. Der Friedberger Baggersee gilt als beliebtester Freizeitsee im Wittelsbacher Land. Wer die Voraussetzungen erfüllt, kann tauchen. Das Beste kommt zum Schluss: Der See hat einen Wasserskilift. Dafür braucht es kaum Voraussetzungen: „Badehose, Handtuch und gute Laune“, verkündet die Internetseite. Schwimmen muss man können. Und natürlich braucht es Geld. Die Sache funktioniert so: Man wird ähnlich wie beim Ski-Schlepplift an einem Bügel (den man natürlich in den Händen hält) auf einem 900 Meter langen Rundkurs übers Wasser gezogen; auf Wasserskiern oder einem Wakeboard, wie man will. Geschwindigkeit: zwischen 30 und 50 km/h. Grundausrüstung wird gestellt, Helm oder Neoprenanzug kann man leihen. Den Reporter hat es gejuckt, das auszuprobieren. Aber die Schlange war ihm dann doch zu lang. Irgendwann mal, wenn keine Sommerferien sind. Da geht er lieber eine Runde schwimmen, ganz ohne Wartezeit.

Als er am Kiosk etwas gegessen hat und wieder trocken ist, startet er die Rückfahrt. Er lässt sich auf der B 300, die gleichzeitig mal die B 17 ist, durch Augsburg führen, folgt dem Hinweis auf Memmingen. Lust hätte er schon, sich mal wieder die Fuggerei anzusehen, doch Motorradkluft und Temperaturen sprechen dagegen. Dafür stellt er fest: In Augsburg sind die Straßen und Richtungen solide schwäbisch ausgeschildert. Ohne Navi geht es im Zickzack um die Innenstadt rum und schließlich in Richtung Ulm. Ganz ohne irgendwelche Zweifel.

Vor dem Dorf Vogelsang verlässt der Reporter die B 300. Er will über Horgau, Zusmarshausen und Altenmünster vom Lech- ins Donautal wechseln. Dabei durchquert er Augsburgs „Westliche Wälder“, einen Naturpark, der insgesamt 1200 Quadratkilometer umfasst. Die Alpengletscher der Riß-Eiszeit haben das Gebiet vor 200.000 von Jahren geformt, Schuttberge und Endmoränen liegenlassen. Sodass später die Straßenbauer gezwungen waren, kurvige Berg- und Talbahnen anzulegen, was dem Motorradpiloten besondere Freude bereitet.

Nach Wertingen geht es dann runter ins Donautal nach Dillingen. Dort ist Neresheim ausgeschildert, das man auf lebhafter Strecke entlang der ehemaligen Härtsfeldbahn über Wittislingen, Ballmertshofen und Dischingen erreicht. Am Bahnhof der Museumsbahn werden 194 Tageskilometer angezeigt.

Übrigens ist die Ortsdurchfahrt Neresheim im August wegen Bauarbeiten gesperrt. Die offizielle Umleitung führt über Dorfmerkingen und Ohmenheim. Aber wenn man sich gleich östlich des Härtsfeldcenters ins Wohngebiet schlägt, und bereit ist, langsam den Autos hinterher zu tuckern, dann klappt das auch so.

  • Augsburg ist mit derzeit etwa 300.000 Einwohnern nach München und Nürnberg die drittgrößte Stadt Bayerns. Sie geht zurück auf ein 15 v. Chr. gegründetes römisches Heerlager und die spätere römische Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum. Im 13. Jahrhundert löste sich die Stadt von der Bischofsherrschaft, wurde Reichsstadtund häufiger Schauplatz von Reichstagen, die unter anderem von den Kaufmannsfamilien Welserund Fuggerfinanziert wurden.
  • Die „Fuggerei in Augsburg ist die älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt, eine Stadt in der Stadt mit 67 Häusern und 142 Wohnungen sowie einer eigenen Kirche.
  • Weitere Informationen: Schloss Scherneck: www.schloss-scherneck.de
  • Friedberger See: www.wittelsbacherland.de
  • Wasserskilift: www.chill-and-wake.de
  • Augsburg: www.augsburg.de
  • Fuggerei: www.fugger.de
Liegewiese am Südufer des Friedberger Sees, aufgenommen an einem warmen, sonnuigen Wochentag währenhd der Sommerfreien 2021.
Ein Wasserskilift zieht Wasserski- und Wakeboard-Fahrer über eine Strecke von 900 Metern im Karree über den Friedberger Baggerseee.
Biergarten auf Schloss Scherneck, am Ostufer des Lechtals.
Bissingen im Kesseltal
Blick aufs Dorf Unterringingen zwischen Amerdiungen und Diemantstein.-

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