Ein Flüchtling wird zum Zimmerer

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Omar Ceesay ist vor vier Jahren aus Gambia geflüchtet. Nun ist er Zimmerer im Holzbaubetrieb von Sven Oppold. Seine Gesellenprüfung hat er mit Bravour bestanden.

Wie sich ein junger Mann aus Gambia in einem Holzbaubetrieb in Westhausen zum Zimmerer ausbilden lässt und welche Unterstützung er dabei erfährt.

Westhausen

Omar Ceesay setzt den Akkuschrauber an und zieht die letzten Holzschrauben fest. Zuvor hat er die Schiebetüre eingebaut - nun ist das Gartenhäuschen fertig. Der junge Mann mit Schildmütze und rotem Sweatshirt ist Zimmerer von Beruf. Gelernt hat er im Holzbaubetrieb Oppold in Westhausen. Seine Gesellenprüfung hat er vor wenigen Wochen mit Bravour bestanden. „Omar ist im Ostalbkreis der erste Asyl-Azubi, der im Zimmerer-Handwerk seine Ausbildung beendet hat. Er ist ein fähiger Typ und ein Pfunds-Kerle“, lobt ihn sein Chef Sven Oppold.

Dabei ist es gerade mal vier Jahre her, dass der damals 17-jährige alleine aus Gambia nach Deutschland geflüchtet sei. „Als er in Westhausen ankam, hat er keine Wort Deutsch verstanden“, erzählt Oppold von seiner ersten Begegnung mit Omar Ceesay. Er sei damals gefragt worden, ob er nicht etwas Arbeit für ihn hätte. „Wir waren gerade mit dem Bau des Kindergartens in Westhausen beschäftigt und konnten jede Hilfe gebrauchen.“ Erst war es nur für eine Woche in Form eines Praktikums. „Omar hat alles schnell kapiert - was ein Schlegel ist oder was eine Sparrenhex.“ Während wir uns den Balkenzug noch in Zeichensprache vorstellen, erzählt Oppold weiter: „Sogar einen Monat später hat Omar immer noch das richtige Werkzeug gewusst. Dazu war er vollkommen schwindelfrei.“ Da war es schnell klar, dass er den gambischen Flüchtling zum Zimmerer ausbilden wollte.

Dass aber die Mühlen der Bürokratie das Vorhaben zu einem derart schwierigen Unterfangen machen würden, hätte sich Oppold eher nicht vorstellen mögen. „Schon seit Beginn seiner Ausbildung, wussten wir nie, wie lange Omar bei uns bleiben darf.“ Immer und immer wieder wurde dessen Aufenthaltsgenehmigung nur verlängert und selbst die Zukunft bleibt unsicher.

Als Oppold mit seinen Mitarbeitern als Betriebsausflug einen Segeltörn machen will, kann Omar Ceesay nicht mit. Er dürfe das Land nicht verlassen, so heißt es. „Dafür haben wir ihm einen Teil seines Führerscheins gesponsert“, so Oppold, der über unzählige andere Unterstützer weiß. Mit deren Hilfe gelingt es Omar Ceesay sogar bereits im zweiten Lehrjahr günstig an eine Wohnung zu kommen und auch bei der Suche nach einem Auto wurde er unterstützt. Im Praxisteil des dritten Lehrjahrs ist der junge Mann mit dem freundlichen Lächeln bereits einer der sechs Besten. Nur in der Theorie steht er knapp auf der Kante. Mit dem flüssigen Lesen hapert es noch. Sven Oppold nimmt sich Zeit. Unzählige Samstage trifft er sich mit seinem Lehrling, um mit ihm zu lernen. Auch unter den Berufsschullehrern gibt es welche, denen ihre Freizeit für nichts zu schade ist. Und so schafft es Omar Ceesay schließlich nach dreieinhalb Jahren Lehrzeit seinen verdienten Gesellenbrief als Zimmerer in Händen zu halten.

Das Gartenhäuschen, an dem wir uns treffen, ist für den jungen Zimmerer schon lange keine große Herausforderung mehr. Klettert er doch zumeist in schwindelnder Höhe auf Dachstühlen herum. Dass der Beruf des Zimmerers so vielfältig ist, gefällt ihm. „Ich könnte mir gut vorstellen, später einmal eine Weiterbildung zum Polier zu machen“, verrät Omar Ceesay. Sein Chef will ihn dabei unterstützen. „Das Zeug dazu hat er.“ Für Oppold steht fest: „Omar Ceesay zum Zimmerer ausbilden zu dürfen hat sich gelohnt.“ Dass andere Betriebe ihm nacheifern und den Aufwand nicht scheuen, ist sein Wunsch. Ein noch größerer, dass sein Geselle für immer in Deutschland bleiben darf. Doris Weber

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