Herzenssachen in der zweiten Heimat

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Der Platz vor der Wildschützhütte des Schwäbischen Albvereins Lauchheim bietet nicht nur Rüdiger Backes einen grandiosen Ausblick
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Musik und der Albverein prägen sein Leben. Warum sich Rüdiger Backes als gebürtiger Pfälzer in Lauchheim „sauwohl“ fühlt und wie er half, die„Sieben Zwerge“ ins Leimental zu bringen.

 Lauchheim

Ich fühle mich hier sauwohl und möchte nicht mehr weg“, sagt Rüdiger Backes und meint damit nicht nur den Platz an der Wildschützhütte, die einen der besten Ausblicke über die Stadt bietet. „Zentral wohnen, fußläufig überall hinkommen und trotzdem ruhig leben“, nennt der 67-jährige Pfälzer, was ihm an Lauchheim gefällt. „Und, dass du mit ein paar Schritten in der Natur bist.“

Im Jahr 1989 hat er seinen Lebensmittelpunkt in dem Städtchen unter der Kapfenburg gefunden. „Wenn ich sehe, wie sich Lauchheim seitdem entwickelt hat, ist das bahnbrechend. Nach dem Bau der Umgehungsstraße im Dezember 1992 haben wir ein schönes verkehrsberuhigtes Stadtzentrum bekommen.“

Auf die Ostalb hat es Backes nach seinem Staatsexamen als Sonderpädagoge verschlagen. Erst nach Bopfingen und dann zusammen mit seiner Frau Rosemarie nach Lauchheim. „Anfangs war mein Hang immer noch mehr Richtung Pfalz, meinem Geburtsort Speyer am Rhein und dem Kohlhof, wo ich aufgewachsen bin“, blickt Rüdiger Backes zurück. „Irgendwann habe ich gedacht, du musst wissen, wo du hingehörst und begonnen meine Fühler in Lauchheim auszustrecken.“

Mit den „Wildschützkrähen“ des Schwäbischen Albvereins fing alles an. „Musik war von Kindesbeinen ein ganz wichtiger Bestandteil meines Lebens. Da lag es nahe, dass ich dort auch mitsingen würde. Dafür wäre ich nie auf die Idee gekommen, zu wandern. Das war nicht so meins“, sagt einer, der inzwischen den Jakobsweg mit seinen 2800 Kilometern von Nürnberg bis zur Atlantikküste absolviert hat und sich als Vertrauensmann beim Schwäbischen Albverein Lauchheim engagiert. 

Der „Motor“ Rüdiger Backes erzählt von „Waldzwergen“ und wie an der Deutschorden-Schule die Ganztagesbetreuung mit wöchentlichen Wanderungen eingeführt wurde.  „Das war der Moment, wo aus dem Alt-Verein wieder der Albverein geworden ist“, sagt er ganz bewusst und freut sich, dass die Vorstandschaft alles mitgetragen habe.

Einen Glücksgriff nennt Backes dazu die Familiengruppe und als jüngstes „Kind“ eine Radlergruppe. „Damit haben wir bei den Mitgliederzahlen die 300-er Marke geknackt.“

Gleichermaßen wichtig seien Sozialkontakte. „Deshalb bin ich heilfroh, dass wir wieder wandern dürfen. Etwas Vorlaufzeit braucht es noch. Dann öffnen wir für Vereinsmitglieder endlich wieder die Wildschützhütte.“

Als sich Rüdiger Backes vor Jahren den Traum eines eigenen Obstgartens verwirklicht, war die Stadt Lauchheim gerade auf der Suche nach Platz für einen Waldkindergarten. „Ich habe gleich ein Stück meines Grundstücks im Leimental zur Verfügung gestellt.“ Er klingt euphorisch: „Ein Waldkindergarten bietet völlig andere Möglichkeiten. Und es gibt Kinder, für die es das einzig Richtige ist.“ Für die „Sieben-Zwerge“ ist die Lage am Waldeck idyllisch und auch der „Zwergen-Opa“, wie Rüdiger Backes dort meist genannt wird, ist froh, wenn die Kinder beim Äpfellesen mithelfen.

Seit dem Jahr 1999 ist Rüdiger Backes Stadtrat. Anfangs durch ein Ausgleichsmandat und zuletzt ganz vorne auf der Liste mit den meisten Stimmen. Was ihn freut. „Da kann ich wohl nichts falsch gemacht haben.“ In der Kommunalpolitik sieht er immer noch Entwicklungspotenzial. Stillstand sei nichts. Eingebettet zwischen Albtrauf und B 29 könne sich die Stadt Lauchheim aber mehr als sehen lassen.

Sein Resümee: „Man sagt zwar immer, es gibt nur eine Heimat. Ich habe eine Heimat - die Pfalz - da bin ich groß geworden. Aber ich bin einer der glücklichen Menschen, dem man eine zweite Heimat geschenkt hat in Lauchheim. Darauf bin ich stolz, deswegen fühle ich mich hier wohl.“

Bekannter Kopf

May

Gabriele May lebt für Vereinssport. Schon als Kind hat sie Basketball gespielt - bis zur Bundesliga. In Lauchheim ist sie seit 17 Jahren im SVL-Vorstand. Ihr Traum von einem Sportstätten-Gesamtkonzept wird wahr - neues Rasenspielfeld und eine Mehrzweckhalle. „In der Halle wird viel mehr möglich“, meint May. Sie ermuntert andere, beim SV mitzuwirken. „Es muss ja nicht immer das große Amt sein. Wenn jeder seine Talente einbringt, geht es weiter nach vorne.“ we

Instagram-Fotomotiv

Beliebtes Ausflugsziel und Fotomotiv, die Kapfenburg.

Schloss Kapfenburg: Es ist das meistfotografierte Wahrzeichen Lauchheims und nirgendwo wird mehr fotografiert als auf Schloss Kapfenburg in Hülen. Tausende strömen alljährlich zur Kapfenburg, die 1311 erstmals urkundlich erwähnt wurde und damals den Grafen von Öttingen gehörte. Seit Oktober 1999 existiert dort die Internationale Musikschulakademie, ein Ort für Probenaufenthalte von Musikern. Regelmäßig gibt es Konzerte und alljährlich das große Festival.

Schon gewusst?

Dieses Wappen führte Lauchheim bis 1978.

Lauchheim, der Name hat nix mit Lauch zu tun. „Locha“ bedeutet im Fränkischen „Ort an der Grenze“, weiß Altbürgermeister Werner Kowarsch. Das alte Wappen reicht zurück bis 1350. Zwei gekreuzte grüne Lauchstengel auf weißem Grund hat Ritter Eberhard von Lauchheim einst als „redendes Wappen“ geführt. Nach dem Zusammenschluss mit Hülen (1974) und Röttingen (1975) wurde das Wappen um Stauferkreuz (Hülen) und Hirschstange (Röttingen) ergänzt. 

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