Viel Lärm um einen Rumms

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Die Betreiber des Steinbruchs in Hülen suchen den Dialog. Der Sprengmeister erklärt Erschütterungen, Schwinggeschwindigkeiten und weshalb es jüngst sehr laut war.

Lauchheim-Hülen

Erst hupt es, dann folgt ein Rumms. Wenn dann noch der Geruch von Schwefel in der Luft liegt, hat der Sprengmeister ganze Arbeit geleistet. Im Steinbruch am südlichen Waldrand bei Lauchheim-Hülen wird Weißjura-Muschelkalk abgebaut. Weil es während der Betriebszeiten immer wieder zu Sprengungen kommt, haben Ortschaftsrat Hülen und Schotterwerk Schneider zu einer Info-Veranstaltung ins Bürgerhaus "Alte Schule" geladen.

Die beiden Geschäftsführer Rolf und Volker Schneider wollen mit den Bürgern ins Gespräch kommen und Beschwerden klären. Dabei erfahren rund 30 Bürgerinnen und Bürger, an welchen Stellschrauben bei Sprengungen gedreht werden kann und was das Schotterwerk Schneider nach fast 55 Jahren in Hülen vorhat.

Einvernehmen zählt

"Uns ist es ganz wichtig, dass wir im Einvernehmen mit den Bürgern aus Hülen unseren Steinbruch umtreiben", schickt Rolf Schneider vorneweg. Dass es in den vergangenen Monaten vermehrt zu Beschwerden kam, bedauert er. Ein routinierter Sprengmeister sei lange Zeit ausgefallen und eine Vertretung hätte dessen Arbeit übernehmen müssen. Manche Sprengungen, bei denen es gefühlt etwas mehr gewackelt habe, wären dabei sicher vermeidbar gewesen. "Es ist aber nicht so, dass jemand mutwillig die Hülener ärgern wollte." Nun sei die Stammbesetzung wieder komplett.

So läuft eine Sprengung

Wie eine Sprengung im Steinbruch abläuft, erklärt Sprengmeister Horst Schmeckenbecher aus Ummenhofen, dem Hauptsitz des Schotterwerks. "Eine Sprengung ist nicht nur eine einzige große Explosion, sondern setzt sich aus vielen kleineren Explosionen zusammen. Dabei werden in der Felswand zehn bis 15 Bohrlöcher mit jeweils 25 kg Sprengstoff gefüllt und mit Millisekunden Abstand gezündet."

Anders als bei langandauernden Sturmböen würde bei einer Sprengung das Gelände nur in kurze Schwingungen versetzt, was der Gebäudesubstanz der nahen Wohnhäuser weitaus weniger schade. Anhand von Messergebnissen verdeutlicht Schmeckenbecher, dass die maßgebliche Schwinggeschwindigkeit zumeist unter 0,5 Millimeter pro Sekunde liegt. "Unser Bestreben ist es, immer unter dem vorgegebenen Anhaltswert von 5 mm/sec zu bleiben." Eine Untersuchung der Universität Wien gehe sogar noch weiter, denn darin heiße es: "Das Risiko einer Schadensverursachung bei Schwinggeschwindigkeiten unter 12 mm/sec ist praktisch gleich Null."

Über Stellschrauben, an denen bei Sprengungen gedreht werden könne, berichtete Rolf Schneider. "Es sind die Anzahl der Bohrlöcher, die Wahl der Zünder und die Lademenge." Bei letzterer gelte "je weniger, desto größer die Erschütterungen", denn wenn das Material nicht herauskönne, verlagere sich der Druck nach hinten in den Berg.

Räumliche Neuausrichtung

"Nur noch ein paar Jahre, dann wird es besser", verspricht Schneider, denn mittel- bis langfristig wolle man sich vom Ort entfernen. "Wir müssen dorthin, wo wir verwertbares Material finden. Und das ist weiter in Richtung Waldhausen."

Bedenken mancher, die fürchten der Steinbruch könne zunehmend in Richtung Hülen rücken, müssten somit zerstreut sein. Und auch vieles andere scheint geklärt, denn nur wenige beteiligen sich an der Fragerunde.

Weshalb der Knall bei Sprengungen so unterschiedlich sei, möchte ein Anwohner wissen, was Schmeckenbecher mit möglichen Hohlräumen im Gestein und der Windrichtung erklärt. Und auch, was für Auswirkungen es auf Erschütterungen ergebe, wenn der Steinbruch weiter Richtung Waldhausen rückt, interessiert. "Nicht dort, wo die Steinbrocken herausfallen, sondern nach hinten in Richtung Felswand, sind die Erschütterungen am schlimmsten", so Schmeckenbecher. Ein Anwohner, der schon lange an der Ortsgrenze Hülens wohnt, wünscht sich, im Vorfeld über anstehende Sprengungen informiert zu werden.

Seitens der Geschäftsführung erklärt Rolf Schneider am Ende, das jeder kommen könne, wenn etwas im Argen liege. "Wir sind gläsern und haben nichts zu verbergen. Das Allerwichtigste ist, dass wir zusammenarbeiten."

Hülens Ortsvorsteherin Eva Rösler ist am Ende zufrieden: "Ich hoffe, dass die Bürger das Angebot des Schotterwerks Schneider auch annehmen."

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