Der Winzer aus Lauchheim

  • Weitere
    schließen
+
Eric Schönherr, Winzer: Den Verkaufserlös seines ersten eigenen Weins will er spenden.
  • schließen

Eric Schönherr hat einen für Ostälbler ungewöhnlichen Beruf. Sein erster eigener Wein kommt jetzt auf den Markt. Warum er den Erlös nicht sich selbst, sondern einem besonderen Verein gönnt.

Lauchheim

Wenn Eric Schönherr seinen Beruf erwähnt, blickt er oft in erstaunte Gesichter. Der 24-Jährige aus Lauchheim, ein waschechter Ostälbler, ist Winzer.

Geboren in Ellwangen, aufgewachsen und zur Schule gegangen unter der Kapfenburg – da sind Weinberge weit. Und doch wusste Eric Schönherr schon als Zehnjähriger, was er mal werden will. Die Initialzündung gab's in Südtirol, im Urlaub mit der Familie. Seine Mutter hat beruflich mit Wein zu tun, man besuchte ein Weingut. Der Knirps durfte mit zu den Rebstöcken und in die Keller, zu den riesigen Fässern.

Der Geist war buchstäblich aus der Flasche; zurück auf der Ostalb, stand für ihn fest: Ich will Winzer werden! Auch diverse Ferienjobs in metallverarbeitenden Firmen änderten nichts an seinem Entschluss – im Gegenteil: „Sieben, acht Stunden am Tag an einer Maschine stehen, das ist nicht meins. Lieber verdiene ich etwas weniger, aber gehe die nächsten 50 Jahre gern zur Arbeit.“

Also Realschulabschluss an der Deutschordenschule, mit 15 Jahren Winzer-Ausbildung auf dem Weingut Jürgen Ellwanger in Winterbach. Ein bisschen kannte er sich aus, hatte mit 14 schon ein Praktikum in Meran gemacht.

Zwei Lehrjahre in Winterbach, das dritte auf dem Weingut Rainer Schnaitmann in Fellbach. „Bei Winzern ist das nicht unüblich, dass man im dritten Lehrjahr den Betrieb wechselt. Und Schnaitmann wirtschaftet biologisch, das wollte ich sehen.“

Doch mit der Lehre war's nicht genug, er entschied sich, draufzusatteln. Zog nach Geisenheim bei Mainz, machte die Fachhochschulreife und nahm 2018 ein Studium auf, „Weinbau und Önologie“. Voraussichtlich im Juli 2022 ist er fertig. Doch Eric Schönherr schmiedet schon die nächsten Pläne: Ab Oktober 2022 will er eine Sommelier-Ausbildung in München draufsetzen. Aber dann, sagt er vielsagend, „ist die Ausbildung fertig, dann geht's ans Arbeiten“.

Wein muss Spaß machen.“

Eric Schönherr, Jungwinzer

Der erste eigene Wein

Apropos Arbeiten: Auf dem Weingut Schnaitmann jobbte er als stellvertretender Kellermeister, der Chef bot ihm an, sich an seinem ersten eigenen Wein zu versuchen. Und nun ist er da: Eric Schönherrs erster Rotwein. Gewachsen und gereift an den Hängen des Kappelbergs bei Stuttgart. 420 Flaschen, jeweils ein Dreiviertelliter Lemberger, feinwürzig, mit gewisser Sauerkirsch-Note. „Mein Chef hat gesagt, der Wein ist besser geworden als gedacht“, schmunzelt Schönherr.

Der Gesellschaft Gutes tun

Vor wenigen Tagen wurde der gute Tropfen abgefüllt und etikettiert, ab jetzt wird er verkauft. Schönherr: „Den Erlös meines ersten eigenen Weins will ich allerdings nicht für mich behalten, das stand für mich von Anfang an fest. Ich will damit der Gesellschaft etwas Gutes tun.“ Spenden wird er das Geld deshalb vollständig an „46Plus“, einem Stuttgarter Verein, der sich Kindern mit Down-Syndrom und ihren Familien annimmt.

Wein muss Spaß machen, findet der Junggeselle, der in seiner knappen Freizeit noch immer beim SV Lauchheim Fußball spielt, auch mal Rad fährt, joggt oder sich mit Freunden trifft. Und welcher Wein macht ihm Spaß? „Im Sommer ein frischer, fruchtiger Weißwein, vollmundig, auf der Terrasse.“ Und im Winter? „Am liebsten ein schöner Rotwein. Spätburgunder oder Chianti.“ Bevorzugte Anbaugebiete hat er nicht. „Wir haben auch in Deutschland gute Weine, auch in Württemberg. Wir werden immer besser – von Jahr zu Jahr.“

Den Erlös seines ersten Weines will Eric Schönherr vollständig an „46Plus“, einem Stuttgarter Verein, der sich Kindern mit Down-Syndrom und ihren Familien annimmt, spenden.

46Plus

„46Plus“ - der erste eigene Wein von Eric Schönherr trägt den Namen des Vereins, den er mit dem Verkauf unterstützen will.

Der Kontakt kam durch Simone Kohlberg zustande, ein Vorstandsmitglied. Schönherr lernte die Mutter und ihren Sohn Timmy, der das Down-Syndrom hat, während seiner Lehrzeit auf dem Weingut Schnaitmann kennen. Beschäftigte sich mit dem Phänomen Down-Syndrom und dem Verein und war überrascht: „Diese Kinder sind oft so lebensfroh. Man muss was tun, damit sie am Leben teilhaben können.“ So beschloss er, den Verein mit dem Geld, das sein erster eigener Wein einbringt, zu unterstützen.

Der Verein 46Plus will rund um das Down-Syndrom informieren und dadurch Vorurteile und Berührungsängste abbauen. Seine Mitglieder wollen neu betroffenen Familien Mut machen, sie dabei unterstützen, dass ihre Kinder mit Down-Syndrom aktiv und selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Mehr Infos zum Verein und Spendenkonto: www.46plus.de

Der Wein von Eric Schönherr ist ab sofort erhältlich. Die 0,75-Liter-Flasche kostet 12 Euro. Schönherr: „Es darf auch gern mehr gespendet werden“. Bestellungen direkt bei Eric Schönherr per E-Mail: eric.schoenherr@genussraum-schoenherr.de

Den Erlös seines ersten Weines will Eric Schönherr vollständig an „46Plus“, einem Stuttgarter Verein, der sich Kindern mit Down-Syndrom und ihren Familien annimmt, spenden.

Zurück zur Übersicht: Lauchheim

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL