Dinge aus der Erinnerungskiste

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Herbert Zeller freut sich beim Museumsfest in Lauchheim über ein Königlich Würrtembergisches Wappen vom Flohmarkt. Mit im Bild: Werner Kowarsch und Lydia Tomic, die beiden Vorstände vom Geschichts- und Altertumsverein
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Viele Besucherinnen und Besucher nutzen die Gelegenheit, um beim Museumsfest in Lauchheim mit Flohmarkt und Sonderausstellung in alten Zeiten zu schwelgen.

Lauchheim

Wenn der Leierkastenmann an seiner Drehorgel kurbelt, dann ist Museumsfest in Lauchheim. Hartmut Grießl spielt Musik von der Rolle. Immer und immer wieder spult er zurück oder legt neue Lochstreifen ein. Am Sonntag steht der Wind günstig und so ist der Klang der Orgelpfeifen schon von weitem zu hören. Zu Beginn gewittert es aber noch gewaltig und Donner übertönt die nostalgische Drehorgelmusik. Zum Glück lässt der Regen nach und viele Besucherinnen und Besucher nutzen die Gelegenheit, auf Einladung des Geschichts- und Altertumsvereins Lauchheim zum Museum am Oberen Stadttor zu kommen.

Das etwas klapprige Holzgestell mit der lockeren Kurbel passt irgendwie zu allem, was so drumherum liegt. „Weil die Depots des Heimatmuseums fast aus allen Nähten platzen, haben wir Überzähliges für einen Flohmarkt zusammengestellt“, erklärt Werner Kowarsch, der Vorsitzende des Geschichts- und Altertumsvereins, die scheinbare Unordnung, die im Hof vor dem Museum herrscht. Dabei ist im Grunde alles wohl sortiert. Unter dem Schutz eines großen Baumes und in einem Zelt finden sich alte Leiterwagen, rostige Heugabeln, Sensen, Werkzeuge, historische Bücher oder Wasseralfinger Gusseisenplatten.

Herbert Zeller interessiert ein königlich-württembergisches Wappen. „Furchtlos und treu“ steht darauf, flankiert von Löwe und Hirsch. Zu seinen Errungenschaften zählt der Lauchheimer am Ende noch einen „Kumpf“. Das köcherartige Behältnis für einen Wetzstein kann er gut gebrauchen: „So einen aus Holz habe ich noch nicht.“ Dagegen hat ein Sammler aus Aalen mit alten Schuhleisten völlig andere Dinge im Kopf. „Ich überlege, sie bunt anzumalen und als Symbol für Migration in einen Baum an der Straße zu hängen“, sagt er .

Das Museum besuchen heute die meisten wegen der Sonderausstellung „75 Jahre Sportverein Lauchheim“. Frieder Hahner bestaunt ein altes Foto zu einem Gauturnfest aus dem Jahr 1964. „Das oben in der Mitte bin ich“, verrät er der neugierigen Reporterin seine damaligen Erfolge im Leichtathletik. „Da bin ich 100 Meter in zwölf Sekunden gelaufen.“ Hahner kennt noch alle auf dem Foto, auch wenn er schon lange nicht mehr in Lauchheim wohnt. Auch von der alten Holzbaracke, wo zu anfangs noch geturnt wurde, weiß er noch. Auf drei Bildschirmen laufen Filme. „Das auf dem Stufenbarren ist doch der Ochsenwirt“, weiß jemand zu Josef Groll im weißen Turnleibchen. Ein anderer erinnert sich an ein Missgeschick im Schleuderball. „Statt geradeaus schleuderte einer den Ball im rechten Winkel weg und wir mussten vor ein paar jungen Mädchen in die Brennesel steigen.“

Für viele ist es der Wiedererkennungswert, der die Sonderausstellung ausmacht. Da trifft es sich am Ende gut, dass neben Leierkastenmusik bei Kaffee und Kuchen Gelegenheit bleibt, um in alten Zeiten zu schwelgen.

Drehorgelspieler Hartmut Grießl vom Geschichts- und Altertumsverein Lauchheim und Gabriele May von der SVL-Vorstandschaft begrüßen die Besucher beim Museumsfest

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