Leider nur ein schönes Märchen?

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Auf den zweiten Blick erkannte ein Leser über diesem unterirdischen Durchgang ein Rundgewölbe. Es ist die Eingangsumrandung eines davor liegenden Kellers, wie wir erfahren konnten.
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Ein unterirdischer Gang, der bei Abrissarbeiten in Lauchheim zutage kam, gibt Rätsel auf. Imelda Gruber erinnert sich, wie das Gewölbe einst vermauert wurde.

Lauchheim

Gibt es ihn nun oder gibt es ihn nicht – den geheimen Fluchtweg von der Burg Gromberg in die Stadt? Seit vielen Jahrzehnten hält sich in Lauchheim die Sage von einem unterirdischen Gang, der einst die Burg der Herren von Gromberg oberhalb des gleichnamigen Weilers mit der Deutschorden-Stadt verbunden haben soll.

Wir berichteten, was nach Abrissarbeiten neben dem Haus Nummer 14 in der Hauptstraße zutage kam. Den gewölbten Gang beschrieb uns Bürgermeister a.D. Werner Kowarsch als Verbindung vom Haus zum Keller, um darin Bierfässer zu rollen. Das klingt zunächst schlüssig, wenn man weiß, dass es dort bis zum Jahr 1863 den Brauereigasthof „Grüner Baum“ gab.

Ein aufmerksamer Leser dieser Zeitung schaute aber nochmals genauer hin. „Mir fiel auf, dass dieser Gang eventuell sogar jünger ist als ein über ihm verlaufendes größeres Rundgewölbe“, schreibt er. „Man erkennt den noch sichtbaren Bogen rechts ganz gut, über dem Gang setzt er sich dann fort.“

Weil der zweite Blick trügen könnte, haben wir bei der Frau nachgefragt, die es wissen könnte. Imelda Gruber ist im Haus Nummer 14 aufgewachsen. Ihre Großeltern Emilie und Lorenz Rau haben das Anwesen im Jahre 1906 gekauft und dort neben der Landwirtschaft eine Bäckerei betrieben. „Tatsächlich führte vom oberen Keller des Haupthauses ein schmaler Gang zu einem zweiten Keller unterhalb von Scheune und Stall“, beschreibt Imelda Gruber die damaligen Gegebenheiten. Sie erinnert sich noch, wie sie als Kind mit ihrem Bruder Xaver im Kerzenschein durch die gewölbten Gänge schlich. In dem unteren Keller hatten Sie Frucht gelagert. Dort gab es drei Schächte, durch die von oben meist Rüben geschüttet wurden.

Der besagte untere Keller war gewölbt - gerade so, wie man es über dem schmalen Durchgang immer noch erkennen kann. Es ist also die Eingangsumrandung zum davor liegenden Keller, die unser Leser entdeckt hat, gibt uns die Rentnerin Recht.

Imelda Gruber weiß auch noch, wie ihre Familie den Durchgang vom Haus aus zugemauert hatte. In den gewölbten Fruchtkeller kam man schließlich immer noch durch ein Tor von außen.

„Das war es dann auch schon“, bedauert die Rentnerin nach unserem Gespräch. Eine Fortsetzung der Geschichte gibt es also keine. Das Anwesen wurde im Jahr 2009 verkauft und Keller, Scheune und Stall sind inzwischen abgerissen.

Der ehemalige Bürgermeister Werner Kowarsch mochte demnach Recht behalten, als er nach einer Ortsbegehung im Stadtanzeiger vom 14. Mai 2009 schrieb: „Eigentlich sehr schade: Der unterirdische Gang von der Burg Gromberg in die Stadt – leider nur ein schönes Märchen.“

Vom oberen Keller des Haupthauses führt ein schmaler Gang zu einem zweiten Keller unterhalb von Scheune und Stall.

Imelda Gruber, ehemalige Bewohnerin

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